Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Geschichte der Postkarte | Über den Wert von Postkarten | Begriffe und Formen aus der Postkartenwelt

Geschichte der Postkarte

Der Geheime Postrat Heinrich von Stephan (1831-1897), Generalpostdirektor des Deutschen Reichs und Organisator des deutschen Postwesens schlug am 30. November 1865 bei der 5. Postvereins-Konferenz in Karlsruhe vor, ein Postblatt ohne Wertstempeleindruck zuzulassen. Sein Vorschlag wurde aber nicht verwirklicht, da die Mehrheit der Verantwortlichen die Ansicht vertrat, ein offenes Absenden von Mitteilungen sei unmoralisch und möglicherweise beleidigend.

Andere Quellen sagen:

Postrat Heinrich von Stephan durfte seinen Vorschlag in die Konferenz nicht einbringen. Er verteilte seinen Vorschlag außerhalb der Konferenz während eines geselligen Beisammenseins unter den anwesenden Konferenzteilnehmern; so auch an den österreichischen Abgeordneten Kolbensteiner.

Am 1. Oktober 1869 erschien dann bei der Österreichischen Post die vom Professor der Nationalökonomie Dr. Emanuel Herrmann entwickelte Correspondenzkarte mit eingedruckter Briefmarke. Ähnlich einem Telegramm sollte die Anzahl der Worte - bei den ersten Vorschlägen - auf 20 begrenzt sein und durch eine geringe Gebühr gefördert werden. Die Rückseite der 8,5 × 12 cm großen Correspondenzkarte konnte jedoch bei Erscheinen der Karten frei beschrieben werden. Die Karte kostete nur 2 Kreuzer (im Unterschied zu 5 Kreuzer für einen Brief) und verkaufte sich bereits im ersten Monat 1,4 Millionen Mal. Heute werden in Europa etwa 400 Millionen Postkarten pro Jahr verschickt. Der Norddeutsche Postbezirk folgte mit der Herausgabe solcher Karten am 1. Juli 1870. Das Format entsprach dem der Postanweisung, die Freimarken waren noch aufgeklebt. Seit dem 12. Oktober 1871 konnten Postkarten auch zu Drucksachen, und seit Januar zu Postvorschusssendungen (Nachnahme) benutzt werden. Württemberg folgte diesem Beispiel im Jahr 1870, während sonst in Deutschland zunächst nur Formulare ausgegeben wurden, die mit Briefmarken freizumachen waren. Der Name dieser Formulare, deren Maße leicht verändert wurden, war ebenfalls Correspondenzkarte.

Insbesondere im deutsch-französischen Krieg 1870/71 erlangten solche Karten im Feldpostverkehr eine sehr große Bedeutung. Da die Karten oft Szenen und Landschaften aus den eroberten Gebieten zeigten, können sie als Vorläufer der Ansichtskarten angesehen werden. Auch in anderen Ländern wurde die Postkarte eingeführt: 1870 in Luxemburg und der Schweiz, 1871 in Belgien, Dänemark und Kanada, 1872 in Frankreich. Am 1. Januar 1872 wurden im Deutschen Reich Correspondenzkarten mit bezahlter Antwort eingeführt, am 1. Juli 1872 Postkarten, die von Privatpersonen auf eigene Rechnung hergestellt waren, zur Beförderung zugelassen. Karten wurden erstmals von Firmen Fotos auf Karton zu Versandzwecken aufgezogen. Seit dem 1. Januar 1873 wurden Postkarten, wie sie nun genannt wurden, mit eingedruckten Postwertzeichen im Königreich Bayern und im Deutschen Reich von der Post verkauft. Seit dem 1. Dezember 1876 werden besondere Vordrucke zu Rohrpostkarten für den Berliner Bezirk der Rohrpost, von der Post verkauft. Seit dem 1. Oktober solche zu Weltpostkarten und seit dem 15. Juli 1878 solche zu Weltpostkarten mit bezahlter Antwort.

Zur Jahrhundertwende setzte sich die Ansichtskarte im großen Stil durch, da sie zu einem geringen Preis erhältlich war und die Bilder das Schreiben längerer Städte- oder Landschaftsbeschreibungen ersparten. In vielen Tabak- und Schreibwarenläden waren Ansichtskarten zu kaufen, die vorwiegend von Berliner und Leipziger , sowie Hannoverschen Verlagen kamen. 1899 wurden in Deutschland 88 Millionen Postkarten produziert, 1905 wurde durch die Post eine halbe Milliarde Kartensendungen gezählt. Ab dem Jahr 1905 wurde die Adressenseite der Postkarte in Deutschland geteilt, wobei die linke Seite für Mitteilungen zur Verfügung stand. Bis dahin mussten die Mitteilungen ausschließlich im Bildteil der Karte erfolgen, weil die Rückseite ausschließlich für die Adresse verwendet werden durfte. Laut Amtsblatt des Reichs-Postamts in Berlin Verfügung Nr. 2 vom 17. Januar 1905 wurden vom 1. Februar 1905 ab im inner deutschen Verkehr briefliche Mitteilungen auf der Vorderseite der Ansichts-Postkarten (= Adress-Seite) versuchsweise zugelassen. Der senkrechte Teilungs-Strich durfte keinesfalls die linke Hälfte der Karte überschreiten. Die geteilte Rückseite wurde in England 1902, in Frankreich und Österreich, in den USA und der Schweiz 1907 eingeführt. Am 22. September 1905 kamen Bildpostkarten (Karten mit Bild in der Farbe des Wertstempels oben links, zu Werbezwecken) heraus. 1945 dann die "Funklotteriekarten" mit Wertstempel.

Über den Wert von Postkarten

"Ich habe da eine Karte aus dem Jahr 1900. Was ist die denn wert?"

Anfänger wundern sich, wenn sie auf diese einfache Frage meist eine komplizierte Antwort erhalten. Etwa: ,,20 Cent oder 150 Euro. Das kommt ganz darauf an." Worauf denn nun? Zehn Kriterien für den Marktwert:

1. Alter:

Wirklich selten sind Karten vor 1895 - kurz vor der Jahrhundertwende begann die Massenproduktion. Moderne Massenware ist fast alles ab 1955. Nur zur Orientierung: Ein Tauschfreund kauft jede Karte bis 1945 für 1,00 Euro, alles andere für 0,50 Cent an. Karten, die mehr Ertrag bringen sollen, muss schon irgendeine Besonderheit auszeichnen.

2. Erhaltung:

Wie viele Postkarten sind gedankenlos ihrer Marke beraubt worden! Da löst jemand die Marke, meistens Massenware, ab und zerstört so oft zwei- oder gar dreistellige Werte. Postkarten ohne Marken, mit Rissen oder Knicken oder mit Lochung sind nur noch einen Bruchteil bis gar nichts wert. Wertmindernd bei älteren Karten ist auch allzu üppiger Text auf der Bildseite.

3. Ort I:

Was selten ist, lässt sich am besten über den Umkehrschluss beschreiben. Häufig und damit billig sind die meisten Großstädte (zumindest Motive aus dem Zentrum), Orte in touristischen Zentren von der See über die Mittelgebirge bis zu den Alpen und Bäder - eingeschlossen national bekannte Punkte wie das Brandenburger Tor in Berlin oder das Deutsche Eck in Koblenz. Landschaftsbilder von der Lüneburger Heide über Seen und Talsperren bis zu Höhlen oder Gebirgszügen sind fast ausschließlich immer Massenware.

4. Ort II:

Unabhängig von der tatsächlichen Seltenheit gibt es wie bei Marken gängige und unbeliebte Gebiete. Gesucht sind die ehemaligen deutschen Gebiete, aber stark auch zum Beispiel Unterfranken, Rheinland-Pfalz, das Saarland, das Ruhrgebiet oder das Emsland. Hier scheinen einfach mehr Sammler zu Hause zu seinen als in anderen Regionen.

5. Motiv I:

Was sind die Wahrzeichen eines Ortes? Kirche, Rathaus, Markt, Denkmäler, idyllische Stellen. Diese Motive finden sich häufig auf Postkarten. Selten ist alles, was ungewöhnlich ist: einzelne Straßenzüge, Häuser, Gasthöfe, Hotels, die Post oder der Bahnhof, wenn er von den Gleisen aus aufgenommen ist. Je mehr Leben auf einer Karte zu erkennen ist - von den Autotypen über die Mode bis zu Schaufensterauslagen -, umso besser. Gesucht sind Darstellungen aus der Arbeitswelt (Fabriken, Handwerk, Landwirtschaft) und aus dem schulischen, studentischen oder theologischen Bereich.

6. Motiv II:

Immer wieder werden Ereigniskarten besonders gesucht - Karten etwa vom Umzug anlässlich des Stadtjubiläums, von der Stadt im Festkleid während eines kulturellen, sportlichen oder politischen Großereignisses. Ein Kapitel für sich ist die Zeit von 1933 bis 1945. Manche Menschen sammeln Andenken an das 3. Reich vom kaum erkennbaren Hakenkreuzfähnchen im Freibad bis zu Nürnberger Massenaufmärschen derart verbissen, dass es einem schon äusserst verdächtig vorkommt.

7. Herstellung:

Lithos - das Zauberwort. Lithographien, vor allen bis 1900, sind ein beliebtes Sammelgebiet für sich, zum Beispiel die "Gruß aus..."- Karten. Die später aufkommenden Kupferstichdrucke und Fotokarten gehören dagegen eher zur Masse, gesucht sind eher schon Steindruck- und Prägedruck-Karten.

8. Philatelie:

Fast jeder Postkarten-Sammler kennt sich auch mit Marken aus. So sind besondere Stempel (etwa Bahnpost, Feldpost, Sonderstempel, Zuglaufstempel) ebenso zu beachten wie Versendungsformen oder Post ins Ausland. Klar, dass unruhige Zeiten für spannende Karten gesorgt haben, man denke an die Hochinflation 1923 oder die Besatzungsjahre nach 1945, in denen die Leute meist ganz andere Sorgen als Postkarten hatten.

9. Der persönliche Geschmack:

Der Erlös beim Verkauf von gängigen Briefmarken ist relativ gut absehbar. Eine Postkarte dagegen ist so viel wert, wie jemand dafür bezahlen will - das können mal 2, mal 50 Euro sein. So werden Sie für ein sehr, seltenes Litho aus Hannover auf einem Hamburger Flohmarkt kaum einen guten Preis bekommen.

10. Zum Schluss:

Ansichtskarten-Sammlungen sind, wie auch bei Briefmarken-Sammlungen, dann gut realisierbar, wenn sie aus seltenem Material in überdurchschnittlicher Qualität bestehen. Doch für wirkliche Liebhaberstücke muss man, wenn man nicht gewaltig viel Glück hat, auch mindestens 10 bis 15 Euro einplanen, für Seltenheiten 50 Euro und mehr. Postkarten als Kapitalanlage? Nur für den, der sich auskennt und viel Zeit und Gelegenheit hat, Lots auf ihren Inhalt zu prüfen.

Begriffe und Formen aus der Postkartenwelt

Ansichtskarte

Wegen der ungeteilten Rückseite war meist auf der Vorderseite noch Platz für einige wenige Sätze an den Empfänger. Die älteste Ansichtskarte wurde 1867 aus Worms versandt. Ab 1871 verkauft die Post Ansichts- und Glückwunschpostkarten und ab dem 1. Juli 1872 werden in Deutschland private (nicht von der Post) hergestellte Motivpostkarten zugelassen. Ansichtskarten dienten oft auch Propagandazwecken und können so heute der Wissenschaft als historische Quelle dienen.

Antwortkarte

1872 erschienen die ersten Postkarten mit anhängender Antwortkarte, die später auch mit eingedrucktem Postwertzeichen verkauft wurden. Dadurch bezahlte der Absender bereits das Porto für die Antwort durch den Empfänger. Der erste Absender beschreibt den Frageteil und schickt die Doppelkarte an den Empfänger. Dieser entfernt den Frageteil und schickt nur den Antwortteil zurück. Ungebrauchte Antwortkarten sind immer zusammenhängende Doppelkarten, bestehend aus je einem Frage- und Antwortteil. Das Format einer ganzen Antwortkarte entspricht zweimal der Größe einer normalen Karte. Diese war auf das Format einer einfachen Postkarte zusammengeklappt. - Der erste Absender beschreibt den Frageteil und schickt die Doppelkarte an den Empfänger. Dieser entfernt den Frageteil und schickt den Antwortteil zurück. Sowohl der Frage- wie Antwortteil ist mit einem portogerechten Wertstempel versehen. Im Jahr 1992 verfügte die Generaldirektion der Deutschen Bundespost Postdienst die Einstellung der Aufträge für Antwortkarten. Die Restbestände wurden aufgebraucht. Zusammenhängende Antwortkarten hin und zurück gebraucht waren zwar nicht erlaubt, können aber vorkommen. Antwortkarten, die für den Verkehr ins Ausland bestimmt waren, haben im Anschriftteil weder Postleitzahlkreise noch Leitvermerke (Straße, Haus-Nr.).

Bauhaus-Karten

Bauhaus-Karten sind 20 Karten, gedruckt im Jahr 1923 aus Anlaß der Bauhausausstellung in Weimar, gestaltet von bekannten Künstlern, die heute sehr wertvoll sind und Preise bis über 10.000 Euro erzielen.

Bildpostkarte

Bildpostkarten gibt es in Deutschland offiziell seit 1925. Zunächst wurden sie nur versuchsweise herausgegeben. Die Karten waren dadurch gekennzeichnet, dass sie im linken oberen Teil der Anschriftseite ein Stadt-, Landschafts-, oder Werbebild und einen Wertstempel (Ganzsache) als Franktur hatten. Zunächst waren die Abbildungen in der Farbe des aufgedruckten Wertstempels, zumeist grün oder braun, gehalten. Sie wurden im Auftrag von Stadt-, Bäder-, oder Kurverwaltungen zu Reklamezwecken hergestellt und wurden nicht in Orten vertrieben, für die sie werben sollten. Man folgte damit einem Beispiel aus der Schweiz, hier wurden die ersten offiziellen Bildpostkarten ab 1923 herausgegeben. Die erste Bildpost- kartenserie in Österreich gab es 1927 in den Wertstufen zu 10, 18 und 24 Groschen. Bildpostkarten gab es bereits ab 1890 in Brasilien. Die wohl erste Bildpostkarte wurde 1867 aus Worms verschickt. Wobei hierfür die Bezeichnung Bildpostkarte höchstwahrscheinlich noch nicht verwendet wurde, weil selbst die Postkarte damals noch als Correspondenzkarte bezeichnet wurde, doch diese Karte weist eher Merkmale einer Bildpostkarte auf, es war keine Ganzsache. Aus Gründen der Papierersparnis wurde die Ausgabe der Bildpostkarten im Laufe des Zweiten Weltkrieges eingestellt und 1952 wiedereingeführt, nun aber farbenfroher. Bei Postkarten, bei denen sich Abbildungen nicht auf der Adressseite (Vorderseite), sondern auf der Rückseite befinden, spricht man von Ansichtskarten.

Couleurkarte

Als Couleurkarte bezeichnet man eine Postkarte einer Studentenverbindung, die mit verschiedenen Couleurelementen der Verbindung bedruckt ist. Die Couleurkarte kam kurz nach Einführung der Postkarten Mitte der 1860er Jahre auf, stellt also eine Anpassung studentischer Gebräuche an ein verändertes Kommunikations- verhalten dar. Die Motive leiten sich dabei vom Stammbuchblatt des 18. Jhs. und dem Kneipbild ab. In der Regel sind das Wappen, Zirkel, Farbstreifen oder Schilde. Verbreitet sind ebenfalls Ansichten der Universitätsgebäude oder des Universitätsortes, aber auch Genredarstellungen aus dem verbindungsstudentischen Leben (Kneipe, Mensur etc.). Satirische Darstellungen, zum Beispiel von Tieren im Couleur der jeweiligen Verbindung, waren früher üblich, sind heute aber eher selten geworden. Couleurkarten werden dazu verwendet, Grüße von Veranstaltungen der Verbindung an Personen zu schicken, die nicht dabei sein können. Üblich ist es dabei, Unterschriften von möglichst vielen Veranstaltungsteilnehmern auf der Karte zu vereinen, um einen Eindruck von der Stimmung und dem Erfolg der Veranstaltung zu vermitteln. Die Motive sind dabei möglichst zeitlos gehalten, damit die Karten über einen längeren Zeitraum verwendet werden können (Kostenersparnis durch hohe Auflage). Manchmal werden aber auch Karten bei besonderen Ereignissen, wie großen Stiftungsfesten oder Universitätsjubiläen, speziell aufgelegt. Historische, aber auch zeitgenössische Couleurkarten sind heute ein beliebtes Sammelobjekt.

Feldpostkarte

Militärische Post für Truppen untereinander, als auch für Post in die Heimat. Aus der Zeit der Weltkriege sind noch viele Feldpostkarten erhalten.

Felle-Karten

Karten des Verlags Eugen Felle (1869-1934) aus Isny im Allgäu. Oft topografische Panoramakarten aus der Vogelperspektive. Eugen Felle geboren am 4. September 1869 in Isny war ein deutscher Postkartenmaler. Er schuf hunderte Ansichtskarten, die von Sammlern noch heute geschätzt werden. Charakteristisch waren seine ab der Jahrhundertwende entstandenen Vogelschaukarten, die oft ein sehr weites Panorama abbildeten. Felle studierte ab 1888 Bildhauerei an der Kunstakademie in München und wechselte nach dem Diplom zur Malerei. 1895 war er beim Kösel-Verlag als Illustrator angestellt, gründete aber bald einen eigenen Postkartenverlag. Seine Karten signierte er u. a. mit „E. Felle“, „Felle/Isny“, „Atelier E. Felle, Isny“. Eugen Felle starb 1934 in Isny.

Filmpostkarte

In den 1920er/1930er Jahren galt der Ross-Verlag aus Berlin, gegründet 1912, als der in Europa führende Verlag für Filmpostkarten mit Porträts bekannter FilmschauspielerInnen und Filmszenen - zunächst aus Deutschland, später auch aus dem internationalen Filmschaffen. Schätzungsweise bis zu 40.000 verschiedene Motive wurden ausgegeben. Die Künstlerpostkarten sind heute begehrte Sammelobjekte und werden weltweit über das Internet gesucht und gehandelt.

Ganzsache

Ganzsachen sind mit vorauszubezahlenden Wertzeichen (= Wertstempel) bedruckte Formulare wie zum Beispiel Postkarten, Umschläge, Streifbänder, Kartenbriefe, aber auch Telefon-Billets und Postanweisungen. Darüber hinaus kommen folgende Arten seltener vor: Faltbriefe (bei Versand per Luftpost = Aerogramme), Telegrammblätter und Paketkarten. Eine Ganzsache ist ein Postwertzeichen wie eine Briefmarke und somit eine Gebührenquittung für die Inanspruchnahme der postüblichen Dienstleistungen. Für den Käufer liegt der Vorteil in der Kombination von Postkarte und Briefumschlag sowie passender Frankatur in einem Produkt. Bei normaler Verwendung als Postkarte wird wie vorfrankiert ins Inland versandt, es sind keine weiteren Briefmarken nötig. Ein weiterer Vorteil liegt oft in dem günstigeren Preis der Ganzsache gegenüber dem Einzelkauf von Postkarte/Briefumschlag und Briefmarken. In der Philatelie sind Ganzsachen ein beliebtes Sammelobjekt, insbesondere echt gelaufene Ganzsachen. Sie erzählen mehr über sich als eine gestempelte Briefmarke. Unter anderem sind zu sehen der Absendeort, Datum, Absender und Adressat, teilweise auch der Ankunftsstempel.

Gezähnte Postkarte

Ab 1. Juni 1913 lieferte die Reichsdruckerei Postkarten der Dauerserie zunächst in Streifen, dann auch im Bogen. Da sich die Schreibmaschine immer mehr verbreitete, und die Streifen erlaubten ein rationelles Beschreiben nacheinander. Bald wurden auch Antwortkarten im Bogen gezähnt (1924). Bayern (1912) und Württemberg (1913) verkauften ebenfalls gezähnte Postkarten. Wenngleich die Mindestabnahme mit 1.000 Stück festgelegt wurde, gab es keinen Aufschlag, die Karten wurden zum eingedruckten Wertzeichenpreis verkauft und am Schalter des lokalen Postamtes ausgeliefert.

Glückwunschkarte

Eine Glückwunschkarte ist eine illustrierte Karte, die meist zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen, Hochzeiten oder an Feiertagen wie Weihnachten an Bekannte als kleine Aufmerksamkeit auch zusammen mit Geschenken versandt wird. Häufig handelt es sich dabei um aufklappbare gefaltete Karte, die gewöhnlich in einen verschlossenem Umschlag überbracht werden. Es gibt sie aber auch in Form von einteiligen, offen lesbaren Ansichtskarten. Der internationale Berufsverband Greeting Card Association vertritt die Interessen der Hersteller von Glückwunschkarten, in ihr sind aber zum überwiegenden Teil amerikanische Hersteller vertreten.

Judaica

Ansichtskarten die Motive des Judentums oder jüdischem Leben zeigen. Der Begriff wird nicht nur für Ansichtskarten verwendet sondern zum Beispiel auch für Jüdische-Literatur oder Kunsthandwerk verwendet.

Lithografie

Eine heute kaum noch verwendete Drucktechnik, die heute bei vielen Sammlern sehr beliebt ist. Diese Drucktechnik ist typisch für Karten bis etwa 1920.

Leporello

Der oder das Leporello, auch Faltbuch genannt, ist ein faltbares Heft in Form eines langen Papier- oder Kartonstreifens, der ziehharmonikaartig zusammengelegt ist. Es wird vor allem für Foto- und Bilderserien, Faltblätter und Prospekte verwendet. Ansichts- und Postkarten werden streifenförmig aneinandergefügt und als Leporello angeboten.

Maximumkarte

Eine Maximumkarte ist eine Ansichtskarte mit einer Briefmarke des gleichen Motivs auf der Bildseite der Karte. Beispiel: eine Ansichtskarte vom Brandenburger Tor mit einer Briefmarke vom Brandenburger Tor. Bei diesem Sammelgebiet kommt es zu einer Überschneidung von Philatelie (Briefmarken), Philokartie (Postkarten) und Poststempel. Dieses spezielle Sammelgebiet wird auch als Maximaphilie bezeichnet.

Mechanische Karten

Mechanische Karten sind Karten die bewegliche Teile haben, wie z.B. die Zeiger einer Uhr.

Mondscheinkarten

Mondscheinkarten waren eine Modeerscheinung in der Ansichtskartenwelt. Es handelt sich hierbei um Karten, die eine Örtlichkeit, wie zum Beispiel eine romantische Stadtszene, im Mondschein zeigen. Auf diesen Ansichtskarten ist immer der Mond zu sehen. Neben Lithografien mit Mondscheinmotiven gibt es zum Beispiel auch Fotoansichtskarten, bei denen durch eine sehr aufwendige Nachbearbeitung die Illusion der Nachtaufnahme erzielt wurde. Beliebt waren Mondscheinkarten um 1900, die meisten Karten stammen aus der Zeit von 1898 bis 1906. Es gibt natürlich auch aktuellere Karten, auf denen der Mond zu sehen ist. Das sind jedoch keine Mondscheinkarten im Sinne der Sammlerdefinition, da sich Ansichtkartensammler im wesentlichen meist nur für alte Ansichtskarten interessieren. Eine ähnliche Art von Karten sind die Aurora-Karten, die auch Morgenröte-Karten genannt werden.

Philokartie

Bei der Philokartie geht es um das systematische Sammeln oder Erforschen von Postkarten, hierunter sehr häufig Ansichtskarten. Sammler, die sich damit befassen, werden auch als Philokartisten bezeichnet. Die Namensgebung leitet sich aus dem Griechischen ab. Philos heißt der Freund.

Propagandakarten

Propagandakarten sind Ansichtskarten mit politscher oder ideologischer Propaganda, die vor allem während der beiden Weltkriege häufig waren.

Scheiner-Karten

Die Karten vom Verleger Franz Scheiner aus Würzburg. Der vorallem für seine frühen Vorläuferkarten bekannt ist. Franz Scheiner gilt als der erste Ansichtskartengroßverleger in Deutschland.

Spruchkarte

Als Spruchkarten bezeichnet man Postkarten mit Sprüchen. Bei den kurzen, eingängigen Texten handelt es sich meist um einen Sinnspruch, ein geflügeltes Wort oder ein Zitat. Sie entstammen der Bibel, den Kirchenvätern und anderen geistlichen Autoritäten, Dichtern und Denkern sowie bekannten Persönlichkeiten. Solche Spruchkarten sind sehr oft typographisch aufwendig gestaltet und können mit dem Text auch Bilder (z. B. Bildnis des Dichters) verbinden. Spruchkarten dienen der Erbauung, dem moralischen Zuspruch wie auch der religiösen oder ideologischen Propaganda. Gegenwärtig haben humoristische und witzige Spruchkarten Konjunktur.

Vorläufer

Vorläufer waren frühe Ansichtskarten, bevor die Ansichtskarte ihren großen Durchbruch hatte. Meist als einfarbige Lithografien ausgeführt. Oft werden Karten bis etwa 1895 als Vorläufer bezeichnet.

Weltpostkarte

Durch den Berner Postvereinsvertrag vom 1. Juli 1875 wurde die Postkarte auch für den internationalen Verkehr zugelassen. Die für den Verkehr in das Ausland gedachten Karten mit entsprechender Wertstufe – Weltpostkarte genannt – wiederholen in der Regel Texte in französischer Sprache (= Amtssprache des Weltpostvereines); z. B. „Postkarte mit Antwort – Carte postale avec réponse payée“. Bei der Weltpostkarte mit anhängender Antwortkarte war ebenfalls nur der Antwortteil allein abzusenden, doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Das eingedruckte Postwertzeichen wurde also vom Annahmepostamt im Ausland mit dem dort verwendeten Tagesstempel entwertet. Häufig sind Weltpostkarten-Antwortteile mit zusätzlicher Briefmarkenfrankatur zu finden, die nicht immer erforderlich war. Vielmehr glaubten Empfänger im Ausland einfach nicht, dass z. B. das mit einem deutschen Postwertzeichen bedruckte Antwortteil ohne Entrichtung des Portos zurückgesandt werden konnte. Hingegen gibt es aber auch Zusatzfrankaturen wegen Portoerhöhung, Luftpost, Einschreiben etc. Der Verkehr von Weltpostkarten mit anhängender Antwortkarte wurde entsprechend einem Beschluss der Konferenz des Weltpostvereins in Tokio ab 1. Juli 1971 weltweit eingestellt.

Wiener Werkstätte

Die Wiener Werkstätte war eine Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, die neben anderen künstlerisch gestaltenen Gegenständen auch Ansichtskarten, die zum Teil heute sehr wertvoll sind herausbrachten. Die Gründungsmitglieder im Jahr 1903 waren Josef Hoffmann, Koloman Moser und der Industrielle Fritz Wärndorfer der sich als Kunstmäzen einen Namen machte. Vorbild war die britische Arts and Crafts Movement. Es wurden über 900 verschiedene Kunstpostkarten veröffentlicht, wovon Oskar Kokoschka dreizehn Ansichtskarten gestaltete. Andere Künstler waren Mela Köhler, Egon Schiele, Fritzi Löw und Ludwig Heinrich Jungnickel. Diese Karten sind fortlaufend nummeriert und werden heute von Sammlern hoch geschätzt. Die geschätzten Auflagen betrugen zwischen 200 und 1000 Stück. Die Karten wurden von 1908-1915 gedruckt. Eine der teuersten in Europa gehandelten Karten (Krampus mit Kind) wurde am 12. Oktober 2003 für 11.000 Euro versteigert und stammt aus der Wiener Werkstätte. Zum 100. Jahrestag im Jahr 2003 veranstaltete das MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst in Wien eine große Ausstellung von Werken der Wiener Werkstätte.

Mobilfunk-Postkarte (Handy-Postkarte)

Eine moderne Form der Postkarte unter Zuhilfenahme der Mobilfunk- und Kameratechnik moderner Mobilfunktelefone. Bild und Text werden hier mit dem Mobiltelefon erstellt und in elektronischer Form zum Provider gesendet. Dort wird die Postkarte mit dem übermittelten individuellen Text und Foto gedruckt und auf herkömmlichen Weg verschickt.

E-Card

Die „elektronische Postkarte“ oder kurz E-Card ist das Internet-Pendant zur realen Postkarte.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Text

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Andreas Safft / Text - Über den Wert von Postkarten - www.safft.de
Thomas Fürst / Begriffe aus der Postkartenwelt - www.ansichtskarten-sammeln.de
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie