Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Das St. Josephstift | Krankenhaus Siloah und die Hautklinik Linden

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Archiv - St. Josephstift |
Archiv - Krankenhaus-Siloah | Hautklinik Linden

St. Josephstift

1902 hatte der katholische Bevölkerungsteil der Stadt Linden seinen kirchlichen Mittelpunkt in der Pfarrei St. Benno. Um das Gemeindeleben intensiver zu gestalten, wurde bald der Wunsch laut, eine Schwesternstation mit Altersheim, Kinderbewahr- schule und eine Nähstube einzurichten. Die Ausführung des Planes übernahmen die Schwestern des hl. Vincenz von Paul. Ihr Mutterhaus im Bistum Hildesheim erwarb neben der Kirche ein Grundstück, dessen Bebauung im März 1903 begann. Schon ein Jahr später, 1904 war das Haus fertig gestellt.

Doch nicht ein Altersheim wurde eingeweiht, sondern ein Krankenhaus. Die Erkenntnis, dass Linden ein solches viel notwendiger brauchte als ein Altenstift, erfordert erhebliche Änderungen des ursprünglichen Bauplans.

St. Josephstift (Bennostraße 4.) | 10.06.1909

Der Architekt Gleitze errichtet ein dreistöckiges Gebäude. Haupteingang und Treppenhaus in der Mitte, rechts und links Korridore mit den einzelnen Räumen. Die Küche und die Vorratsräume liegen im Keller, Näh- und Kinderbewahrschule im südlichen Teil des Erdgeschosses, Verwaltung und Schwesternzimmer im nördlichen. Am Tage der Hausweihe, den 1. Juni 1904 zieht der erste Kranke ein, dem sehr schnell weitere folgen, sodass die vorhandenen 40 Betten ständig belegt sind. Zum Jahresabschluss zählt die Statistik 304 Kranke, diese Zahl wird sich im folgenden Jahr schon mehr als verdoppeln und dann ständig steigert, ohne dass alle Patienten Platz im St. Josephstift finden. Nach zwei Jahren wird schon erweitert.

Pforte mit Treppenaufgang

Ein Krankensaal für Frauen | 25.09.1928

Die Erweiterung des Krankenhauses wird 1906 in zwei Richtungen vorgenommen. Einmal wird durch einen Neubau an der Bennostraße die Näh- und Kinderbewahrschule ausquartiert und als St. Bennostift unabhängig vom Krankenhaus geführt. Durch diese Maßnahme gewinnt man mehrere Räume im Stift, die umgebaut und als Krankensäle eingerichtet werden können. Gleichzeitig erhält der Südflügel einen vollausgebauten drei geschossigen Anbau, so dass die Gesamtzahl der Betten auf 90 steigt. Eine Röntgenanlage und andere Heilapparate werden angeschafft. Die Heizung des Hauses wird auf Dampf umgestellt und ein Krankenaufzug eingebaut. Die dadurch verlorenen Zimmer ersetzt eine Veranda. Weitere Umbaupläne müssen wegen Ausbruchs des Ersten Weltkrieges warten. 1915 wird die veraltete Gasbeleuchtung durch eine elektrische ersetzt.

Terrasse Aufenthalt für Frauen

Operationssaal

Nach dem Ersten Weltkrieg setzt eine rege Bautätigkeit im St. Josephstift ein, mit dem Ziel, durch die Umgestaltung noch mehr Betten aufstellen zu können und die für den größeren Betrieb notwendigen Wirtschaftsräume zu gewinnen. Das sogenannte Gottesche Haus und das Freybergsche Haus wird erworben. Beide Häuser dienen dazu, Ärzte und Personal unterzubringen. Durch den Umbau findet auch die Waschküche hier einen neuen Platz. Eine Terrasse für die Frauenabteilung und Balkone für Patienten der 3. Klasse entstehen. Der zweite Stock wird für eine Privatstation ausgebaut.

Krankensaal d. Inneren Station | 08.11.1928

Spülküche

Als 1926 in Linden, Ricklingen und der Altstadt eine Typhusepidemie ausbricht, werden alle Betten gebraucht. Die Stadt Hannover richtet in der neben dem Krankenhaus liegenden Bürgerschule 52. ein Hilfskrankenhaus mit 370 Betten ein. Die Verpflegung und Betreuung der Patienten übernimmt das St. Josephstift. Das Stift bleibt ein Zivilkrankenhaus.

Die Typhus-Epidemie 1926

Im Spätsommer des Jahres 1926 wurde Hannover von einer Typhus-Epidemie heimgesucht, 282 Menschen starben. Ende August erkrankten plötzlich mehrere Menschen gleichzeitig an Typhus - und zwar ausschließlich in den Arbeitervierteln Linden, Ricklingen und der Altstadt, die vom Ricklinger Wasserwerk versorgt wurden. Am 10. September lagen bereits 60 Typhus-Patienten im Krankenhaus. Einen Tag später waren es 300. Explosionsartig verbreitete sich in den folgenden Tagen die Seuche aus. Innerhalb weniger Wochen hatten sich 2500 Menschen infiziert. Bis Anfang Dezember starben 282 Menschen durch das Durchfall-Bakterium. Dann war der Ausbruch plötzlich vorbei. Schnell kam der Verdacht auf, dass das verseuchte Ricklinger Wasser für die Typhus-Seuche verantwortlich war. Aber nicht nur das Ricklinger Wasser war schuld.

Grund für die schnelle Ausbreitung der Typhus-Epidemie waren auch die desolaten Wohnverhältnisse in den Arbeitervierteln. Eine Kanalisation gab es nicht. Die Fäkalien wurden in zum Großteil undichten Sickergruben entsorgt. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal und begünstigten die Verbreitung der Seuche. Jahrelang hatten der Ausbau der Kanalisation und die Beseitigung der Wohnungsnot auf der Agenda der Stadtverwaltung gestanden. Doch nichts passierte. Ein halbes Jahr nach dem Seuchenausbruch kam ein unabhängiger Gutachterausschuss zu dem Ergebnis, dass das Ricklinger Wasser mit hoher Wahrscheinlichkeit den Keim in Umlauf brachte. Man gab sich mit dieser Erklärung im Stadtparlament zufrieden. An den Missständen in Hannover änderte sich kaum etwas. Die Kanalisation wurde in den folgenden Jahren nur schleppend ausgebaut. Der Wohnungsbau kam weiterhin nur stockend voran. Und das Ricklinger Wasserwerk blieb weiterhin am Netz.

St. Joseph Stift | 19.11.1921

St. Josefstift | 10.11.1917

Am 8. und 9. Oktober 1943 wird das Krankenhaus durch Bomben beschädigt, die zwar die Verlagerung der Kranken nach Hannover-Kleefeld, Bad Nenndorf und Hildesheim nötig machten, aber doch nicht so schwer waren, dass nicht gleich mit der Wiederherstellung des Hauses begonnen werden konnte. Ab März 1944 ist das Haus wieder in Betrieb. Am 19. März 1945 brennt das zweite Obergeschoss aus, das übrige Gebäude kann durch den Einsatz aller Mitarbeiter und Patienten gerettet werden. Am Ende des Krieges hat man nicht allzu große Aufbausorgen; dafür aber wieder das Raumproblem.

Auf dem Gelände des am 28. Januar 1961 eingeweihten FZH Linden (Freizeitheim Linden), an der Windheimstraße 4, befand sich der Gemüsegarten des St. Josephsstifts. Das St. Josephstift wird 1979 in ein Alten- und Pflegeheim umgewandelt.

Bis Februar 2009 beherbergt das Haus, das Altenpflegeheim St. Josephstift in der Bennostraße 4. Das über 100 Jahre alte denkmalgeschützte St. Josephstift wurde 2010 für 630.000 Euro an die Landeshauptstadt Hannover verkauft. Das städtische Grundstück soll in Wohnraum mit zwölf Wohneinheiten zwischen 94 und 171 Quadratmetern umgewandelt werden. Dafür hat die Stadt das Grundstück im Rahmen einer Ausschreibung an die Baugruppe Bennostraße unter Leitung des Architekturbüros Kreykenbohm und Architekten (K+A) vergeben. Die Baugruppe Bennostraße, ein Zusammenschluss von Lindenern, hat die hohen Anforderungen der Stadt beim Denkmalschutz und der damit verbundenen Erhaltung des Gebäudes, bei Planung und Ausführung der Gebäudeumnutzung sowie bei der energetischen Sanierung erfüllt.

Das Haus bekommt eine Rundumsanierung. Später entstandene Anbauten an beiden Flügeln werden abgerissen, um das ursprüngliche Bild neu erstehen zu lassen. Dazu gehört auch ein kleiner Uhrturm auf dem Dach. Der schon vor Jahrzehnten verschwunden, aber auf alten Fotos und Ansichtskarten deutlich zu sehen ist, die Silhouette soll durch ein Stahlgerüst andeutet werden. Auch die Treppenhäuser, schmiedeeiserne Geländer, die Fenster und Terrazzoböden im Inneren sollen restauriert werden. Das Projekt wird ein Volumen von mehr als drei Millionen Euro haben. Das Objekt wurde ausschließlich für Baugruppen zu einem Festpreis ausgeschrieben. Die Stadt Hannover hat das Grundstück zunächst bis zum 31. Dezember 2010 der Baugruppe Bennostraße überlassen, während dieser Zeit hat die Baugruppe Planungssicherheit und die Möglichkeit, Bauplanung und Finanzierung abzustimmen. Am Ende der Frist soll der Grundstücksvertrag abgeschlossen werden.

Krankenhaus Siloah | Poliklinik

Die Poliklinik Siloah nimmt im Herbst 1896 ihre Arbeit auf. Schwierig ist die finanzielle Sicherung der Klinik. Wenn man auch dank der Hilfe der Stadt Linden und ihrer Industriebetriebe bald nicht mehr auf Haussammlungen angewiesen ist, so ist es doch schwer, staatliche Behörden zu ständigen Zuschüssen zu bewegen. Die Eröffnung geschieht im Haus Falkenstraße 10. Es halten sieben Ärzte Sprechstunden ab, die auf den Gebieten der Augenheilkunde, Chirurgie, Frauenkrankheiten, Kinderkrankheiten, Hals-, Nasen-, Ohrenleiden, Hautkrankheiten und Nervenleiden praktizieren. Eine Schwester der Lindener Diakonissenstation hilft während der Sprechstunden und besorgt die Pflege der Kranken in ihren Wohnungen. Doch die ist nicht ausreichend.

Städtisches Krankenhaus Siloah | 07.07.1919

Siloah Haus I | 29.04.1916

Ein Ausschuss richtete 1899 im Haus Jacobsstraße 4., in Linden-Mitte, in zwei Etagen eine Klinik mit zehn Betten ein, die ein Damenkomitee leitete. Sie erhielt den Namen "Siloah". In dieses Haus wurde auch die Poliklinik verlegt. Die Klinik musste bald umziehen und fand im Herbst 1900 in dem von "Altenschen Haus" an der Hohestraße 6., in Linden-Mitte ein neues, größeres Heim, das bei der ständig zunehmenden Patientenzahl allerdings auch nur vorübergehend genügte, aber die Einrichtung einer medizinischen Abteilung zuließ. Erweiterungsarbeiten wollte der Siloah-Vorstand nur dann vornehmen, wenn der Eigentümer dem Verein das Grundstück verkaufen würde. Doch das machte Karl Georg Edmund Graf von Alten-Linsingen (1843-1916) nicht. So gewann der bereits 1905 geförderte Gedanke an einen Neubau eine immer breitere Zustimmung.

Der Lindener Magistrat entschließt sich 1907, nicht nur das Grundstück an der Petristraße in Linden-Süd zur Verfügung zu stellen, sondern auch das Krankenhaus selbst mit 70 Betten zu erbauen. Das Haus soll dem "Verein Siloah" einige Jahre kostenlos zum Betrieb überlassen werden, doch behält sich die Stadt Linden für bestimmte Fälle das Rücknahmerecht vor. Der Magistrat sichert sich auch einen größeren Einfluss auf die Geschäftsführung, Finanzierung und Leitung des Vereins.

Am 1. April 1909 zogen Klinik und Poliklinik in das neue dreigeschossige Krankenhausgebäude ein, das mit allen der Zeit bekannten technischen und medizinischen Neuerungen ausgerüstet war und 70 Patienten aufnehmen konnte. Das Gebäude wurde von der Hoch-Tief- und Eisenbeton-Baufirma Maurermeister Gustav Arend, Klewergarten 1., in Linden-Mitte errichtet. Architekt war der in Göttingen/Niedersachsen geborene Architekt und Baubeamte Georg Fröhlich (1853-1927). Da die Einwohnerzahl Lindens 66 000 Personen überstieg und im Krankenhaus Siloah und St. Josephstift zusammen nur etwa 150 Betten vorhanden waren musste schon im April 1911 das Haus durch einen neuen Erweiterungsbau vergrößert werden.

Krankenhaus Siloah | 12.05.1917

Diese Stellung wird gehalten Linden 1917 | 21.06.1917

Der "Verein Siloah" beschließt im Februar 1913 seine Auflösung. Die städtische Verwaltung beginnt am 1. April 1913, in eigener Regie das Krankenhaus zu leiten und den schon bekannten Namen "Siloah" beizubehalten. Fünf weitere Fachabteilungen (Augenheilkunde, Frauenheilkunde, HNO-Heilkunde, Urologie und Neurologie) werden eingerichtet. Dies waren die ersten städtischen Abteilungen ihrer Art in Deutschland. Als ärztlicher Direktor und erster Leiter der Chirurgie, amtierte bis 1936 Dr. Curt Roesebeck (1871-1947). Nach ihm ist ein Teil der Hengstmannstraße 1977 in Roesebeckstraße umbenannt worden.

Mit Rücksicht auf die zu erwartenden Aufgaben entschließt sich die Verwaltung, ein Infektionsgebäude zu bauen, ein Privathaus zu bauen und ein kleines Beobachtungshaus anzufügen, sodass bei Kriegsausbruch 1914, 280 Betten vorhanden sind. Zusätzlich werden in den nächsten Jahren noch zwei Baracken mit 20 Betten aufgestellt. Über die Jahre des Ersten Weltkrieges ist nicht viel zu berichten. Ein Großteil des Hauses wird Lazarett. Die Poliklinik muss ihre Tätigkeit einstellen, die Ärzte fehlen.

Schon im ersten Nachkriegsbericht für das Jahr 1919/20 ist von den Soldaten keine Rede mehr. Der Krankenbestand hat sich normalisiert. Von den 300 Betten sind im Durchschnitt 200 belegt. Dr. Hans Bunnenberg (1888-1953) war von 1920 bis 1923 Oberarzt der Urologischen Abteilung im Krankenhaus Siloah. Das Haus erhält eine eigene Apotheke und es wird eine staatlich anerkannte Krankenpflegeschule eröffnet. 1921 eröffnet die Abteilung für Hals-, Nasen-, Ohrenkranke und 1922 die Abteilung für Haut- und Geschlechtskranke Kinder. Beim Ausbruch der Typhus-Epidemie 1926, die in Linden ihren Anfang nimmt, werden 691 Typhuskranke im Siloah behandelt. 145 Ärzte, Schwestern und Pflegekräfte müssen zusätzlich eingestellt werden, um alle Patienten zu versorgen. 1934 zieht die Hals-, Nasen-, Ohrenabteilung in das Städt. Nordstadtkrankenhaus, in die Haltenhoffstraße um. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Siloah in "Krankenhaus Ricklingen" umbenannt.

Städt. Krankenhaus Siloah | 02.03.1929

Siloah | Privatklinik | 14.02.1931

Im Zweiten Weltkrieg wird das Siloah wieder Lazarett, dieses Mal nicht nur für Soldaten, sondern auch verwundete Zivilisten, die durch Bombensplitter getroffen sind. Der Bombenkrieg verschont auch das Siloah, trotz weithin sichtbaren roten Kreuzen auf den Dächern nicht. Es muss erhebliche Schäden hinnehmen. Zu den Verwüstungen des Krieges kam das verheerende Hochwasser vom Februar 1946, die Ihme trat über ihre Ufer und zerstörte die Kellereinrichtungen in sämtlichen Gebäuden. In den Nachkriegsjahren wurde das Siloah stetig Vergrößert. In den Jahren 1955 und 1957 entstand ein Neubau, welcher auf 425 Stahlbetonpfählen in einer Wanne errichtet wurde, und die Abteilungen Chirurgie sowie die innere Medizin aufnahm. Später kam ein Neubau für die Chirurgische Klinik sowie für die Anästhesie- und die Zentrale Röntgendiagnostik-Abteilung hinzu.

Zwischen 1966 und 1969 entstand der Neubau der Chirurgischen Klinik mit den entsprechenden Fachabteilungen sowie einer Poliklinik, einer Intensivstation, einer Zentralküche, einem Kasino und einem Wäschereigebäude. Für die Unterbringung des Personals wurde 1968 das 55 m hohe Schwesterwohnheim gebaut. Neben dem Gebäude entstand ein 2-geschossiges Schülerinnenwohnheim, in welchem später ein Altenpflegeheim untergebracht war. 1970 wurde das Krankenhaus Siloah akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). 1971 kam noch eine Kindertagesstätte hinzu.

Krankenhaus Siloah ca. 1970

Krankenhaus Siloah | 1980

Seit dem 1. Januar 1998 gehört das Krankenhaus Siloah zum Krankenhaus-Verbund des Klinikum Region Hannover. Die Kindertagesstätte (Siloah-Kita) wurde 2008 geschlossen und im Oktober 2009, rund 400 m vom alten Standort an der Ricklinger Straße, für 2,7 Mio. Euro neu errichtet. Im März 2010 ist das Krankenhaus Siloah mit dem Krankenhaus Oststadt-Heidehaus fusioniert. Am 15. September 2010 wurde der Grundstein für den Neubau des Klinikums in Hannover-Linden gelegt. Der denkmalgeschützte Baubestand wurde in die Neubauplanung und die Entwicklung des Gesamtgeländes einbezogen. Mit Abschluss des Innenausbaus Mitte Juli 2014 wurden die 192,5 Mio. Euro teueren Neubauten fertiggestellt und am 8. September 2014 wurde der Betrieb im neuen Krankenhaus Siloah-Oststadt-Heidehaus offiziell aufgenommen.

Anfang September 2016 wurde damit begonnen das alte Anästhesie- und Intensivmedizingebäude des Krankenhaus Siloah abzureißen. Die Arbeiten hatten sich verzögert, da zunächst asbesthaltige Materialien aus dem Gebäude entfernt werden mussten. Die freien Flächen werden seit Mitte Oktober 2016 als Grünflächen und als Parkplätze genutzt.

Die Hautklinik Linden

Der Hannoversche Stadtdirektor Rudolph Wilhelm Rumann (1784-1857) unterstützte 1829 den Bau des Stadtkrankenhauses I. Das Haus wurde dann von 1829 bis 1833 vom Architekten August Heinrich Andreae (1804-1846) geplant und errichtet. Das Gebäude des ehemaligen Stadtkrankenhaus I, in der damaligen Stadt Linden befindet sich noch immer an der Ricklinger Straße 5. Das eigenständige Krankenhaus hatte 80 Betten und beherbergte eine medizinische und eine chirurgische Abteilung, behandelt wurden insbesondere weibliche Syphilispatienten. Die erste Dampfmaschine (Leistung = 1 PS) im Königreich Hannover, sie wurde 1831 vom Mechaniker Carl August Klindworth (1791-1862) gebaut und 1832 aus seiner Mechanischen Werkstatt geliefert, trieb die Wasserpumpe des Krankenhauses I. an. Am 28. Dezember 1833 wurde die Klinik eröffnet.

Krankenhaus II, Ricklingerst. 1. | 10.04.1918

Ricklinger Strasse - Altes Rathaus | 26.11.1901

Der hannoversche Mediziner Dr. Gustav Brandes (1821-1880), er war Chirurg und Spezialist für Geisteskrankheiten, war um 1850 Leiter des Krankenhauses I. und initiierte die Erweiterungsbauten der Klinik. Dr. Gustav Brandes starb am 14. Dezember 1880 in seiner Heimatstadt Hannover. 1855 wurde die Klinik um ein Blatternhaus (Pockenhaus) mit 30 Betten erweitert. Das Hauptgebäude wurde 1856 bis 1858 aufgestockt und technisch um eine Gasbeleuchtung und Lastenaufzüge modernisiert.

Durch den Chirurgen Dr. Georg Fischer (1836-1921), Gesamtleitung der Klinik seit 1884, wurde in den Jahren 1896 bis 1910 die Klinik zur Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten umgewandelt. Obwohl 234 Betten aufgestellt wurden, sah sich Dr. Fischers Amtsnachfolger Prof. Dr. Gustav Stümpke (1882-1953) mit dem Problem einer ständig überbelegten Klinik konfrontiert: Nach dem Ersten Weltkrieg grassierte die Syphilis in Deutschland. 1923 stockte man auf 300 Betten auf, die Raum- und Bettennot war weiterhin groß. Ein zusätzlicher Neubau wurde in Angriff genommen und dann 1933 eingeweiht.

Das Stadtkrankenhaus I. wurde 1938 in Krankenhaus Linden umbenannt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden ab September 1939 um das Krankenhaus, wie auch an anderen öffentlichen Plätzen mit Grünanlagen, sogenannte Splittergräben angelegt. Die Mitglieder der Technischen Nothilfe (TN) legten die zwei Meter tiefen Gräben im Zickzack an, um Passanten während der Luftangriffe auf Hannover schnellen Schutz zu bieten. Bomben richteten schwere Schäden am Altbau an, sodass die Patienten verlegt werden mussten. Unter dem neuen Direktor Prof. Dr. Jo Hartung (1908-1980) begannen nach Kriegsende die Aufräumarbeiten: Es entstand die neue Hautklinik Linden, die über einen Verbindungsgang mit dem Bau aus den dreißiger Jahren verbunden blieb. Als erster Krankenhausneubau nach dem Krieg wurde die neue Hautklinik 1955 eingeweiht.

Prof. Dr. Sándor Marghescu (1929-2015) übernahm 1976/77 die ärztliche Leitung der Hautklinik Linden und richtete 1992 die Tagesklinik ein. Seit 1994 führte Prof. Dr. Alexander Kapp das Haus. Die Klinik präsentiert sich heute als einzige Einrichtung ihrer Art in der Region Hannover und eine der größten dermatologischen Fachkliniken überhaupt in Deutschland.

Die Hautklinik Linden des Klinikum Hannover wird von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) seit ihrer Gründung 1961 als Abteilung für Dermato- und Venerologie genutzt. Der Chefarzt der Hautklinik ist somit Lehrstuhlinhaber an der MHH. Die Fachklinik nimmt somit den Auftrag der Grundversorgung wahr und betreibt zugleich Forschungsprojekte sowie die Ausbildung von Medizinstudenten maßgeblich vorran.

Im September 2010 wurde beschlossen, den Betrieb der Hautklinik Linden, ab dem 1. April 2011, mit seinen 55 stationären und 25 teilstationären Plätzen in die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) zu verlegen. Somit ist die Hautklinik in die alleinige Trägerschaft der MHH übergegangen.

 

Hautklinik Linden - Ricklinger Straße 5. | 02.12.1992

Trotz der Übernahme durch die MHH blieb der Betrieb an der Ricklinger Straße noch bestehen. Anfang 2013 begann der Umzug der Hautklinik Linden auf das Campusgelände der MHH und wurde Anfang Juli 2014 abgeschlossen. Die Gebäude wurden zu Büros, Arztpraxen und Wohnungen umgebaut. Der erste Bauabschnitt begann im Juni 2013 und betraf den Altbau an der Ricklinger Straße, der zweite dann, das an der Ihme gelegene Gebäude.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Hannoversche Geschichtsblätter | Band 13 Heft 1/2 | Druck und Verlag Hahnsche Buchhandlung | 1959
Heimatfront Hannover - Kriegsalltag 1914-1918 | Schriften des Historischen Museums Hannover (HMH) | 2014
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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