Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017

Die Geschichte des Lindener Schützenfest von der Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen e.V.

In der Lindener Dorfchronik berichtet 1910 Senator Dr. Bernhard Engelke (1872-1958), dass es zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits eine Lindener Schützengesellschaft gegeben habe, die ihr Pfingstschießen in der Lindener Ohe abhielt. 1822 verlegte man das Pfingstschießen auf den Lindener Berg. Nach der Gründung der Leinewebersiedlung in Neu-Linden war auch hier eine eigene Schützengesellschaft entstanden, die ihr Schützenfest auf dem Lindener Berg abhielt.

Am 2. Juni 1833 erhielt die Gemeinde Linden von ihren Gerichtsherren eine neue Schützenordnung. Geschossen wurde mit Pirschbüchsen auf zwei Scheiben, die 250 und 150 Schritte entfernt waren und auf die jeder Schütze sechs Schuss abzugeben hatte. Im Frühjahr 1843 vereinigten sich die beiden Schützengesellschaften von Alt- und Neu-Linden und feierten gemeinsam das Lindener Schützenfest. Im Revolutionsjahr 1848 bildete sich eine Bürgerwehr, die ihr Wachlokal im Schwarzen Bären hatte. 1849 änderte man wieder die Schützenordnung, nach der die Schützengesellschaften nun aus den Mitgliedern der Bürgerwehr, den Mitgliedern der Schießgesellschaften und den übrigen beigetretenen Einwohnern Alt- und Neu-Lindens bestand. Das Schützenfest und den Ausmarsch leitete der Bürgerwehrkommandant mit seinen sechs Deputierten.

Bis 1859 wurden alljährlich Schützenfeste gefeiert. Danach wurden sie ab 1861 vom Königlichen Amt Linden nicht mehr zugelassen. Die Direktionen und Eigentümer der größeren Fabrikunternehmen hatten Einspruch erhoben, weil ihre Arbeiterinnen und Arbeiter nur zu Müßiggang und unnötigen Ausgaben verleitet wurden.

Erst am 9. Juni 1907 wurde vom Magistrat der Stadt Linden wieder ein Schützenfest für die Schützenvereine auf dem Festplatz in der Ohe zugelassen. Ein Brief im Original an die Vorstände liegt uns vor, der die Vereine zum Schützenfest am 6., 7., 8. und 13. Juni 1909 einlädt. Diese Einladung ist vom "Festausschuss für das Lindener Schützenfest" ausgeschrieben, dessen Vorsitzender Herr Ch. Behn, Wittekindstraße 6, war. Dieser Festausschuss dürfte der Vorläufer für die Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen e.V. gewesen sein.

Der erste Weltkrieg unterbrach auch die Lindener Schützengeschichte, sodass 1913 das letzte Lindener Schützenfest abgehalten wurde.

Gruss vom Lindener Schützenfest Der Festzug
(Kötnerholzweg - Ecke Limmerstraße) | 11.06.1907

In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wurde kein Schützenfest abgehalten. Mehrere Lindener Schützenvereine wurden durch das herrschende Regime gezwungen, ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Nur die Schützengesellschaft Linden von 1904 durfte in Linden bestehen bleiben und unterstand dem damaligen Kartellamt für Kleinkaliberschießen.

Gruss vom Lindener Schützenfest | 17.06.1907

Ja, die Welt ist wunderschön!

Gruss vom Lindener Schützenfest Der Festzug
(Kötnerholzweg - Ecke Limmerstraße) | 1910

Erst 1950 lebte das Lindener Schützenwesen wieder auf. Die alliierten Streitkräfte hatten die Bildung von Schützenvereinen wieder zugelassen und ihnen erlaubt, ihren Schießsport mit Luftdruckwaffen auszuüben. In den folgenden Jahren gründeten sich die alten Lindener Schützengesellschaften wieder, unter teils neuem Namen, aber mit alter Tradition.

Der Vorsitzende des Schützen-Clubs "Alt-Linden" Harry Kreymeier, berief 1954 eine Sitzung ein, auf der alle Vertreter der Schützenvereine anwesend waren. Auf dieser Sitzung wurde auch der Gedanke des Wiederauflebens des alten Schützenfestes gestreift, fand aber bei den Teilnehmern nicht genügend Resonanz. Beschlossen wurde aber der gemeinsame Marsch aller Lindener Schützenvereine vom Lindener Markt Platz zum Hannoverschen Rathaus alljährlich zum Hannoverschen Schützenfest.

Am 25. April 1969 fand nach langen Vorgesprächen wieder eine Zusammenkunft der Vorsitzenden der Schützenvereine statt - mit Aussprache über die Bildung einer Interessen-Gemeinschaft zur Wahrung der Interessen der Lindener Schützen (Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen e.V.).

Zwischenzeitlich war von der Landeshauptstadt Hannover (LHH) an der Steigerthalstraße, in Linden-Nord, ein Festplatz erstellt worden, der zur Nutzung für Linden und Limmer freigegeben wurde. Es bot sich nun an, das alte Lindener Schützenfest wieder aufleben zu lassen, als alte Tradition des Stadtteils.

Bei einer Aussprache am 20. Mai 1969 konnten sich die Vertreter der Lindener Schützenvereine nicht für ein Aufleben des alten Lindener Schützenfestes begeistern und stellten auch die Gründung einer Interessen-Gemeinschaft zurück. Trotzdem sollte das Schützenfest wieder ins Leben gerufen werden.

Schützenhaus Linden - Inh. Wilhelm Brodick | 24.06.1912

Unter Federführung der Freihand-Schützengesellschaft Linden von 1906 e.V. fand das 1. Lindener Schützen- und Volksfest nach den beiden Weltkriegen vom 22. bis zum 24. August 1969 auf dem neu gestalteten Festplatz an der Steigerthalstraße statt. Die Schirmherrschaft hatte unser Oberbürgermeister August Holweg (1905-1989) übernommen und die Schausteller Horst Liewert und Konrad Armbrecht sind als Mitinitiatoren anzusehen. Am Festmarsch beteiligten sich alle Lindener Schützenvereine.

 

Schützenhaus Linden | 09.12.1909

Nachdem das 1. Lindener Schützen- und Volksfest eine gute Resonanz und Anklang bei den Lindener Schützen und der Bevölkerung gefunden hatte, wurde am 21. November 1969 auf einer Gründungsversammlung einstimmig beschlossen, die Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen e.V. ins Leben zu rufen, um weitere Feste dieser Art zu gewährleisten und als Träger für die Schützenfest-Veranstaltungen zu dienen. Die Versammlung wurde einberufen und geleitet vom 1. Vorsitzenden der Freihand-Schützengesellschaft Linden von 1906 e.V., Schützenbruder Rudolf Flechsig, der auf der Versammlung dann auch einstimmig zum Vorsitzenden der Interessen-Gemeinschaft gewählt wurde. Angeschlossen hatten sich der Interessen-Gemeinschaft die Bürgerschützen-Gesellschaft zu Linden von 1906 e.V., die Freihand-Schützengsesellschaft Linden von 1906 e.V., der Schützen-Club "Alt-Linden" von 1921 e.V. und die Schützengesellschaft Heimat von 1925 e.V.

Seit 1970 finden alljährliche schießsportliche Wettkämpfe um die Lindener Könige, die Lindener Volkskönige und verschiedener gestiftet Pokale statt. Am 23. März 1972 wurde auf Antrag die Schützengesellschaft Linden von 1904 e.V. in die Reihen der Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen e.V. aufgenommen. In den folgenden Jahren bemühte man sich von Seiten der Interessen-Gemeinschaft ein gemeinsames Vereinsheim für alle Lindener Schützengesellschaften zu erstellen. Alle bis heute in Augenschein genommenen Objekte erfüllten nicht die Vorstellungen und Voraussetzungen für ein solches Vereinsheim.

1975 brachte uns die freundschaftliche Verbindung zur Schützengruppe Linden von 1966 im Frankenland. Seitdem fanden jährlich gegenseitige Besuche von Abordnungen der Schützen und Bürger beider Ortschaften statt. Am 21. Mai 1978 wird auf Antrag der Damen-Schiesssclub Linden von 1977 e.V. als neues Mitglied in die Interessen-Gemeinschaft aufgenommen.

Am 14. Februar 1981 richtet die Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen e.V. ein Winterschützenfest in der Blumenhalle am Tönniesberg aus. Dieses Fest sollte nur einmal stattfinden, da der Unkostenfaktor für die Interessen-Gemeinschaft zu hoch war. 1985 konnte ein neuer Generalpächter für unser Lindener Schützen- und Volksfest gewonnen werden. Mit der Firma Walter Marris wurde am 21. November 1985 ein entsprechender Vertrag geschlossen, der bis zum heutigen Tag zu unserer Zufriedenheit Gültigkeit hat. Die Leineschützen Hannover-Linden von 1982 e.V. werden am 27. März 1987 auf Antrag als neues Mitglied in die Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen e.V. aufgenommen.

Jugendtage, Adventsnachmittage im Godehardistift, Damen-Schießen und viele andere Aktivitäten runden die Arbeit innerhalb der Interessen-Gemeinschaft ab und geben ein lebendiges Bild innerhalb des Lebens unserer angeschlossenen Vereine.

Seit 1996 wird das Lindener Schützen- und Volksfest alljährlich am letzten/ersten Wochenende im Monat August/September auf dem Festplatz in Hannover-Linden, auf dem Areal "Am Küchengarten Platz" abgehalten.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten
Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen e.V. / Text

Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. | 09/2010