Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Die Posthornstraße und das Postamt | Bahnhof-Fischerhof

Von der Niemeyer- zur Deisterstraße verläuft die Posthornstraße. 1854 erhielt die Posthornstraße ihren Namen. Benannt wurde die Straße nach der hier liegenden Gaststätte "Zum alten Posthorn". Zuvor war die Straße ein Teil der Weberstraße und des Neuen Weges. Um 1700 diente die Straße als Weg zum Anwesen der Reichsgrafen Von Alten.

1872 wurde vom Bistum Hildesheim festgelegt, dass in Linden eine katholische Kirche gebaut werden sollte. Durch den im selben Jahr gegründeten St. Bonifatius-Verein wurde der Bau der katholischen St. Godehardi-Kirche an der Posthornstraße ermöglicht. Als Architekt wurde der Conrad Wilhelm Hase Schüler Christoph Hehl (1847-1911) beauftragt. Die großen Baumaßnahmen waren 1874 nach zwei Jahren abgeschlossen und die Kirche konnte am 4. Oktober 1874 geweiht werden.

1943 wurde die Pfarrkirche durch Bombenangriffe total zerstört. Sofort nach dem Krieg begann der Wiederaufbau der Kirche, Kirchweihe war 1950.

St. Godehardikirche | 28.07.1902

Am 27. März 1890 gründen 34 Lindener Bürger den Creditverein Linden eGmbH. Der Sitz des Creditvereins wurde die Privatwohnung des "Ersten Bankdirektors" Adolf Schlüter in der Deisterstraße 74., Ecke Posthornstraße. Später entstand aus dem Creditverein zuerst die Lindener Volksbank eG. und später dann die Hannoversche Volksbank eG.

Posthornstrasse u. Godehardikirche | 22.02.1939

Seit 1982 plätschert an der Posthornstraße, auf dem kleinen Vorplatz, am Eingang zum Von Alten Park ein Brunnen. Mit den beiden stilisierten Bäumen aus Stahl soll er Kraft, Ausdauer, Natur und Geduld symbolisieren. Geschaffen wurde der Brunnen von Bernd Schlender.

Zu Beginn 1990er-Jahre begann der Wohnungsbau am Anfang der Posthornstraße, dafür musste die Gärtnerei Hartmann mit dem Laden und dem Freigelände, sowie die Tankstelle Heise mit dem großen Garagenhof weichen.

Posthornstraße | 16.02.1915

Posthornstrasse | 31.05.1919

Posthornstraße - Deisterstraße 74 | 17.01.1921

Gärtnerei im v. Alten`schen Garten u. Blick auf Post u. Rathaus | 20.09.1906

Die Posthornstraße 8 | Volksschule der Gemeinde Neu-Linden

Das Haus Posthornstraße 8. ist rund 165 Jahre alt. Heute beherbergt es das Jugendzentrum Posthornstraße.

In der Posthornstraße 8. befand sich von 1847 bis 1919 die Volksschule der Gemeinde Neu-Linden. Es fanden in dem 1846/47 erbauten Gebäude etwa 200 Schüler platz. Die Volksschule sollte als Ersatz für das Schulgebäude in der Weberstraße 32 dienen. Erbaut wurde die Schule nach Entwürfen des Architekten und Maurermeister Christoph August Gersting (1802-1872). Gersting war während seiner Maurerlehre ein Schüler Conrad Wilhelm Hases (1818-1902). Finanziell wurde der Bau durch die Familie Von Alten unterstützt. 1920 wurde die Schule in die Hilfsschule V. umgewandelt, und danach 1928 in Bürgerschule V. umbenannt. Im Zweiten Weltkrieg gab es fast keine Schäden am Gebäude. 1950/51 wird die Schule als Wohnquartier für Wohnungslose genutzt. Ab 1956 wird das Gebäude zur Gaststätte umgebaut. Seit 1959 befindet sich dort das Lindener Klubhaus, oder auch Lindener Gesellschaftshaus genannt. Seit Mai 1973 wird das Haus als Jugendzentrum Posthornstraße genutzt. 1980 und in den 1990er-Jahren wird das Gebäude nochmals umgebaut und durch Erweiterungsmaßnahmen verändert.

Das Postamt

An der Ecke Niemeyerstraße und Posthornstraße stand das prunkvolle „kaiserliche Reichspostamt“. Das Backsteingebäude wurde in der Zeit von 1897 bis 1898 erbaut. Den ersten Entwurf für das Postamt in Linden lehnte Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) mit der Begründung ab: Die Front des Gebäudes sehe ihm nicht gotisch genug aus und steche ab gegen den schön, streng gehaltenen Giebel.

Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und im Oktober 1960 abgebrochen. Heute steht dort das Postgebäude der Deutschen Post AG aus dem Jahr 1962.

Postamt | 26.08.1918

Da nun das Postamt und auch das Rathaus am Lindener Marktplatz völlig zerstört waren, wurde vorübergehend eine Poststelle und das Standesamt in der Schank- und Speisewirtschaft H. Rackebrandt, in der Brauhofstraße 11., Ecke Badenstedter Straße untergebracht.

Die Post | 01.01.1900 / Die Post | 25.10.1900

Bahnhof-Fischerhof (heute: Hannover-Linden/Fischerhof)

Ab 1717 soll sich in der Nähe des jetzigen Bahnhofs Fischerhof in Linden-Süd und der kleinen Straße Fischerhof ein Gehöft mit Fischteichen befunden haben, das zuerst königlich und später mit dem Lindener Rittergut, der Famillie von Alten verbunden war. Danach gab es dort das Gast- und Logishaus "Zum Fischerhof", welches wohl auch der Famillie von Alten gehörte.

Um die benötigte Kohle für die einstige Industriestadt Linden aus dem benachbarten Barsinghausen zu beschaffen, wurde der Bahnhof Fischerhof errichtet und mit der Zweigstrecke nach Linden zum Lindener Güterbahnhof (Bahnhof-Küchengarten) ab 1872 an das Netz der Hannover-Altenbekener Eisenbahn beziehungsweise der Deisterbahn angebunden. Ab 1877 fuhr auch die erste Pferdebahn vom Königsworther Platz in Hannover zum Bahnhof Fischerhof, und 1892 wurde die Strecke vom Deisterplatz in Linden-Süd zum Fischerhof verlängert. 1906 fuhr die Linie 4 vom Fischerhof über den Schwarzer Bär in Linden-Mitte zum Goetheplatz, Kröpcke Platz, Aegidientorplatz bis zum Pferdeturm in Hannover und die Linie 12 vom Fischerhof über Schwarzer Bär und Küchengarten bis nach Limmer.

Gruss vom Fischerhof Linden
Gast und Logiehaus zum Fischerhof

 

 Gruss vom Bahnhof Linden | 21.04.1898

1917 wurde der Bahnhof Linden-Fischerhof in Bahnhof Hannover-Linden umbenannt. Die Strecke vom Schwarzen Bären zum Bahnhof wurde am 4. April 1954 eingestellt. In der Kriegs- und Nachkriegszeit war der Bahnhof ein begehrtes Ziel für Kohlen und andere Dinge, die in der Not dringend benötigt wurden. Als die HANOMAG AG (Hannoversche Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft) noch sehr viele Mitarbeiter hatte, die u. a. aus der Deister-Region kamen wurde der Bahnhof stark frequentiert.

Jüdische, Sinti, Roma und politisch andersdenkende Bürger wurden in den Jahren 1941 bis 1945 vom Bahnhof in insgesamt acht Sammeltransporten in verschiedene Ghettos und Konzentrationslager deportiert. Die Leitstelle der Gestapo (Geheime Staatspolizei) organisierte die Transporte von Hannover aus. Das Einzugsgebiet der Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim reichte von Diepholz bis Göttingen und in den Harz hinein. Für die ersten sieben Deportationen bis Anfang 1944 diente die Israelitische Gartenbauschule Ahlem als Sammellager. Die Gefangenen mussten in den überfüllten Gebäuden auf ihren Abtransport warten. Von Ahlem aus wurden die Gefangenen mit Lastkraftwagen nach Linden, zum Bahnhof-Fischerhof gebracht. Der erste Deportationszug fuhr am 15. Dezember 1941 mit ca. 1000 Menschen nach Riga/Lettland (Rigaer Ghetto). Zwei weitere Transporte fuhren am 31. März 1942 nach Warschau/Polen und am 23./24. Juli 1942 nach Theresienstadt, 60 km nördlich von Prag/Tschechien. Später fuhren auch kleinere Gruppen nach Theresienstadt, ein Transport ging direkt in das Konzentrationslager Auschwitz/Polen. Nach einem halben Jahrhundert des Wartens auf öffentliche Anerkennung des Völkermords an den 500 000 europäischen Sinti und Roma setzten die Überlebenden Sinti und ihre Nachkommen 1996 selbst einen Gedenkstein als Mahnmal am Bahnhof-Fischerhof. „Für alle Verfolgten des Nationalsozialismus“.

Am 22. Juni 1969 kam es gegen 8:05 Uhr zum Zugunglück von Linden. Bei einer Explosion von Bundeswehr-Munition, ein Güterzug führte vier Waggons mit je 216 Granaten für die Haubitze M 107 der Bundeswehr mit, wurden vier Bundesbahn- beamte und acht Angehörige der Feuerwehr Hannover getötet.

Das Bahnbetriebswerk Hannover-Linden wurde 1965 aufgelöst und 1968 abgerissen. Das Fachwerk-Empfangsgebäude von 1872 wurde 1966 abgerissen und erst 1969 durch einen 250,0 Meter weiter östlich liegenden modernen Zweckbau ersetzt.

Durch den Bau der hannoverschen Schnellwege wurde die am Bahnhof entlang führende Göttinger Straße ein Teil der Bundesstraße 6. Der Bahnhof Linden-Fischerhof wurde dadurch vom städtischen Nahverkehr sowie den Wohngebieten von Linden-Süd und Ricklingen abgeschnitten und verlor dadurch für den Personenverkehr erheblich an Bedeutung. Der Bahnhof wurde 2006 für eine bessere Anbindung an die Stadtbahn und den Bus verlegt und heißt heute Hannover-Linden/Fischerhof.

 

German State Ry. No.57 2920 in Station
Bahnhof-Fischerhof, Hannover-Linden

Zur Fußball WM 2006 hielt am Sonntag den 21. Mai 2006 pünktlich um 10.46 Uhr die erste S-Bahn. Es waren geladenen Gäste vor Ort und im Sonderzug. Die Festlichkeiten gingen auf dem August-Holweg-Platz noch bis in den Nachmittag weiter. Über zwei Jahre mussten die Anwohner und Geschäftsleute Lärm und Einnahmeverluste durch Behinderungen ertragen. Nun hat Linden-Süd mit dem Bahnhof Hannover-Linden/Fischerhof einen eigenen Anschluss an die S-Bahn der Region Hannover.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II. | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Stadtarchiv Hannover
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