Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Döhren | Döhrener Turm | Lister Turm | Pferdeturm
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Hannover-Döhren | Döhrener Turm | Lister Turm | Pferdeturm

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Archiv - Hannover-Döhren | Döhrener Turm | Lister Turm | Pferdeturm und Hannover-Waldhausen

Hannover-Döhren

Hannover-Döhren liegt im Nordwesten Hannovers. Das Dorf Döhren wurde 983 als „Thurnithi“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Name wandelte sich über Thornithe (1022), Dorne (1300), Dornede (1311), Dornde (1320) und Dörnede (1344).

Am 22. Juni 1671 schenkte Herzog Georg von Lüneburg (1624-1705) dem Herzog Johann Friedrich von Calenberg (1625-1679) als Dank für die Hilfe bei der Einnahme der Stadt Braunschweig die drei Dörfer Laatzen, Wülfel und Döhren. Döhren war lange Zeit mit dem Nachbardörfern Wülfel und Laatzen verbunden, zusammen bildeten sie das "Kleine Freie".

Die Einwohner im „Kleinen Freien“ hatten wie die des Großen Freien besondere Rechte. Sie durften in den Wäldern jagen, jedoch mussten sie eine eigenständige Kompanie (unterstellt dem Amt Koldingen) dem Calenberger Herzog abstellen.

Bernwardstrasse | 08.08.1908

hre besonderen Rechte wurden den Döhrenern erst 1830 vom Königreich Hannover genommen. Zu diesen Rechten gehörte die Freiheit, ihren Grundbesitz zu verkaufen, ohne Konzession Handel zu betreiben, Bier brauen zu dürfen und das Jagdrecht. Döhren ist seit 1907 ein Stadtteil von Hannover. Es gab bis in die 1960er-Jahre in Döhren noch einige Bauerngehöfte und eine alte Schmiede.

Döhrener Jammer

Der Döhrener Jammer ist eine historische Arbeitersiedlung im Stadtteil Döhren. Ab 1867 errichtete die Döhrener Wollwäscherei und –kämmerei (Döhrener Wolle) eine Arbeiterkolonie nahe der Flussaue der Leine am Rande des Werksgeländes, die immer weiter ausgebaut wurde. Die Gebäude in rotem Backstein waren ein- bis dreigeschossig mit ausgebautem Dachgeschoss.

In der Siedlung waren von Anfang an Arbeiter der Döhrener Wollwäscherei untergebracht. Die Namensgebung im Volksmund als Döhrener Jammer resultiert vermutlich daraus, dass die Arbeiter schlecht bezahlt wurden. Sie wurden aus dem Eichsfeld angeworben und waren überwiegend katholisch. An der Hildesheimer Straße befanden sich die Wohnungen für die führenden Kräfte der Wollwäscherei in mehrstöckigen Häusern. Je näher man an das Werkgelände kam, umso einfacher wurden die Häuser (Weserstraße, Emsstraße). Heute sind gerade diese einstöckigen Häuser die herausragenden Gebäude der Siedlung.

Im Zuge der Stilllegung der Döhrener Wolle und des Abrisses der Werksanlagen 1977 sollte auch die Siedlung weitgehend verschwinden. Es war stattdessen eine Neubausiedlung der Neuen Heimat vorgesehen. Durch eine Bürgerinitiative wurde der Abriss verhindert, die Einzelbauten wurden ab 1981 an Privatinteressenten veräußert und saniert. Auffällig sind die aufwändig restaurierten, roten Backsteinfassaden. Als letztes erhaltenes lokales Zeugnis für diese Form des Arbeitersiedlungsbaus im norddeutschen Raum steht das Gesamtensemble in der Allerstraße, Emsstraße, Hildesheimer Straße, Kastanienallee, Rheinstraße, Richartzstraße, Werrastraße und Weserstraße heute unter Denkmalschutz.

Döhrener Turm

Der Döhrener Turm steht nicht in Döhren, sondern in Hannovers Südstadt. Der Turm wurde 1382 südlich von Hannover als Teil der Hannoverschen Landwehr mit 17.000 Mauer- und Dachsteinen errichtet. Er wurde mit drei Geschossen erbaut, die einen Innendurchmesser von rund vier Meter haben. In den 1,3 Meter starken Wänden wurden Schießscharten eingelassen.

Wie auch die anderen Warttürme und Warthäuser des Landwehrsystems diente auch dieses Bauwerk seit dem Mittelalter mehreren Zwecken. Der Turm war lange Zeit Teil der militärischen Vorfeldverteidigung der Stadt, Grenz- und Zollstation mit Schlagbaum und Wirtshaus sowie Posten zur Überwachung des Holzdiebstahls aus der Eilenriede. 1486 verzögerte die Turmbesatzung angeblich einen Überfall auf die Stadt. Die Angreifer errichteten Scheiterhaufen, brannten den Turm nieder und töteten die Besatzung. Ab 1488 wurde der Döhrener Turm auf dem Grundriss des alten Turms neu errichtet, was die Inschrift eines Steins bezeugt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor er seine militärische Bedeutung. Bis 1650 war er noch mit einem Turmwächter besetzt, danach diente er als Zollstation. Ende des 16. Jhs. wurde eine Schänke mit Wohngebäude am Turm eingerichtet. Später entwickelte sich daraus eine Waldwirtschaft die, man gerne bei Ausflügen in die Eilenriede besuchten.

  

Gruss vom Döhrener Thurm | 03.02.1900

Döhrener Turm | 20.05.1928

Im 19. Jh. nutzten die Städter für Sonntagsausflüge eine Pferdebahn von der Stadt zum Turm. Der Turm wurde 1888 umgebaut. Dabei wurde auf die drei Geschosse ein achteckiges Fachwerkgeschoss mit Spitzdach aufgesetzt. An der Nordseite wurde 1889 ein Reliefbild eines Knappen mit städtischem Wappen angebracht. In dieser Zeit befanden sich noch Wohngebäude und Stallungen am Turm, die wahrscheinlich um 1930 abgerissen wurden. 1890 führte am Turm die Straßenbahnlinie von Hannover nach Laatzen vorbei. Bei der Eingemeindung von Döhren und Wülfel nach Hannover 1907, wurden die Grenzsteine nahe dem Döhrener Turm weiter stadtauswärts verlagert. Die Bombenangriffe auf Hannover während des Zweiten Weltkriegs schädigten die Bausubstanz des Turms. Obwohl nicht direkt von Bomben getroffen, gab es Risse in den Deckengewölben und auch das Dach war abgedeckt worden. Die Schäden am Turm wurden nur notdürftig ausgebessert. Erst 1975 wurde von der Stadt Hannover mit Hilfe von Spenden durch Bürger restauriert. Dabei entstanden ein Kaminzimmer und der repräsentative Ausbau des oberen Holzgeschosses. 1982 wurde das 600-jährige bestehen des Turms mit einem Fest gefeiert.

Tödlicher Streit am Döhrener Turm: Gast stach den Wirt mit einem Degen nieder!

Zu den Gästen in der Schank- und Speisewirtschaft am Döhrener Turm, am 3. August 1670 zählte eine Gruppe hannoverscher Reiter. Der Wirt bedient seine Gäste. Nichts deutet daraufhin, dass dieser Abend für ihn anders verlaufen sollte, als bisher. Ohne ersichtlichen Grund entsteht ein Streit unter den vornehm gekleideten Gästen. Nach heftigem Wortwechsel zieht einer der Reiter seinen Degen und verletzt einen Kameraden an der Brust. Voll Zorn zückt der Angegriffene ebenfalls seine Waffe und wirft sie nach dem Gegner. Der Degen verfehlt sein Ziel, der Angreifer kann aus der Schenke entkommen. Der Wirt aber, der in guter Absicht dazwischen gekommen ist, wird von dem Wurfgeschoss getroffen, und bricht schwer verletzt zusammen.

Die Spitze hatte sich nahe seinem Herzen in den Leib gebohrt. Zwei Tage später, an einem Sonnabend gegen vier Uhr, stirbt er im Kreise seiner Familie. Auch sein Mörder ist durch die Brustverletzung arg mitgenommen. Noch in derselben Nacht erhält er - von Soldaten bewacht - vom Döhrener Pastor das Abendmahl. Am nächsten Morgen transportieren die Soldaten den Verletzten auf einem Schlitten nach Wülfel, wo er im Hause des Vogts inhaftiert wird. Pastor Mauritius Feseke, übermittelte die Vorfälle im Kirchenbuch und schließt seinen Bericht mit: „Wie es nun mit selben nach diesem ablauffen wird, lehret die Zeit“. Und Zeit sollte auch vergehen. Erst am 14. März 1671 findet sich im Kirchenbuch eine weitere Eintragung. Nach 30 Wochen Arrest im Hause des Vogts wurde der inzwischen genesende hannoversche Reiter wieder freigelassen. Auch die Witwe des Wirtes fand ein neues Glück. Sie hat „in dieser vorhergehenden Fastnachtswochen mit Berend Krakke sich wieder verheyrathet.“

Lister Turm

Ursprünglich war der Lister Turm ein Wartturm der mittelalterlichen Hannoverschen Landwehr und wurde 1387 erstmals erwähnt. Das alte Gebäude, sowie das zugehörige Forsthaus und der Turm wurden Mitte des 19. Jhs. abgebrochen und durch eine neue romantisierende Nachbildung 1895 vom Architekten Hermann Schaedtler (1857-1931) ersetzt. Der angeschlossene Bier- und Kaffeegarten mit immerhin fast 3000 Sitzplätzen war und ist ein beliebtes Ausflugsziel der Hannoveraner. Auf dem Freigelände fanden regelmäßig große Garten-Konzerte und Gesangsdarbietungen statt.

                  

                Listerturm | 17.08.1903                      Listerturm | 16.06.1905                               Listerthurm
                                                                                                                         Inhaber Franz Kasten | 30.08.1903

Die Gebäude überstanden den Zweiten Weltkrieg unversehrt, da sie am Rand der Eilenriede, dem Stadtwald von Hannover stehen. Der Lister Turm beherbergte auch zeitweise die Hochschule für Musik und Theater. Heute dient der Lister Turm als Freizeitheim der Landeshauptstadt Hannover für die Stadtteile List und Oststadt.

Gruss vom Listerturm | 01.08.1898

Listerturm | 08.05.1910

Pferdeturm

Der Pferdeturm wurde 1387 als Wartturm, der Hannoverschen Landwehr am Teilstück zwischen der Stadt Hannover und dem Dorf Misburg errichtet. Südlich und nördlich des Pferdeturms finden sich in der Eilenriede heute noch gut erhaltende Abschnitte der Landwehr mit Graben und Wall. 1404 wurde der Turm als Hardenbergstorn erstmals urkundlich erwähnt. Die ausgebaute Landwehr schützte als vorgeschobenes Grenzsicherungs- und Befestigungssystem das mittelalterliche Hannover.

Gruss vom Pfredethurm | 25.03.1900

Waldrestauration Pferdeturm | 07.02.1905

Wie die anderen Landwehrtürme (Lister- und Döhrener Turm) wurde der Pferdeturm als Durchgangsstation an einer Straße errichtet. Eine Wartstation mit Schlagbaum überwachte den Verkehr zur Stadt. Der Name Pferdeturm ergab sich erst später durch einen Pferde- und Fohlenstall, den der Stadtrat an dieser Stelle hatte einrichten lassen. Nachdem die Landwehr, als Sicherung der Stadt an Bedeutung verloren hatte, diente der Pferdeturm als Forstamt, um den massiven Holzdiebstahl in der Eilenriede einzudämmen. 1890 zerstörte ein Brand das Forsthaus. Danach wurde ein zweistöckiges Gebäude direkt am Turm errichtet. Das Haus diente bis zum Zweiten Weltkrieg als Ausflugscafe und wurde danach leider abgerissen.

 

Waldwirtschaft Pferdeturm, Inh. Eduard Bock | 05.08.1905

Städt. Waldwirtschaft Pferdeturm | 14.04.1912

1892 erhielt der Pferdeturm ein Fachwerkgeschoss mit spitzem Dach. Der Turm hat einen nahezu quadratischen Grundriss von etwa vier Meter Seitenlänge. Der untere Bereich besteht bis in 3,8 Meter Höhe aus Bruchsteinen. Darüber sind weitere Geschosse in Ziegelbauweise aufgesetzt. 1965 erfolgten weitere Renovierungsarbeiten, auf die ein Ziegelstein hinweist.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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