Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Ein Streifzug durch die Lindener Hafengeschichte von Torsten Bachmann

Von der Leineschifffahrt zum modernen Warenumschlagsplatz:

Ein Streifzug durch die Lindener Hafengeschichte

Viele Assoziationen kann man mit Hannover-Linden verbinden. Linden als Hafenstandort – eine eher ungewöhnliche Assoziation. Dabei spielt Linden seit 250 Jahren als Hafenplatz eine Rolle, die Anlegeplätze lagen damals noch an Ihme und Leine. Erst mit dem Bau des Mittellandkanals Anfang des 20. Jhs. wurde ein neuer Hafen am westlichen Rand Lindens angelegt, der heutige Lindener Hafen. Rückblende. Hannover im Jahre 1376. In diesem Jahr schließen die Städte Bremen und Hannover einen Vertrag ab. Hannoversche Kaufleute bekommen Zollfreiheit und weitere Rechte eingeräumt, um ihre Waren über Leine, Aller und Weser bis nach Bremen transportieren zu können. So entwickelt sich in den folgenden Jahrzehnten ein reger Handel auf dem Wasserweg: Hannoversche Kaufleute verschiffen hauptsächlich Kornwaren und Bier nach Bremen, dort werden Fische, Tuche, Käse und Butter geladen und zurück nach Hannover gebracht.

Der inzwischen deutlich angewachsene Warenverkehr auf dem Wasserweg kam durch mehrere einschneidende Ereignisse – unter anderem dem Dreißigjährigen Krieg - im 16. und 17. Jh. fast zum Erliegen. Ab dem 18. Jh. sorgten Bergwerks- und Hüttenerzeugnisse aus dem Harz für Belebung. Wagen brachten diese Erzeugnisse nach Hannover, dort wurden sie per Schiff weiter bis nach Bremen transportiert. Hierfür wurde eigens ein neuer Hafen an der Ihme gebaut, dessen Speicher sich an der heutigen Blumenauer Straße befanden. Somit ist Linden seit Mitte des 18. Jhs. ein Hafenstandort.

Der Hafen wurde zunehmend von dem sich entwickelnden Gewerbe in Linden genutzt, so auch vom Unternehmen des Johann Egestorff. Im Volksmund „Kalkjohann“ genannt, hatte der damals bekannteste Gewerbetreibende in Linden mit den Jahren immer mehr Kalkbrennereien in Betrieb genommen. Den dort gebrannten Kalk, der ein wichtiger Baustoff für die rasch wachsenden Städte war, ließ er über den Hafen an der Ihme nach Bremen transportieren, wo ihn sein Bruder Jasper Heinrich Egestorff verkaufte.

Als 1847 das Eisenbahnzeitalter für Hannover begann, konnten Transporte nach Bremen schneller und sicherer mit der Bahn durchgeführt werden. Der Warentransport verlagerte sich immer mehr auf die Schiene. Der Hafen an der Ihme wurde kaum noch genutzt. Bald sollte sich alles wieder ändern. Die preußische Regierung plante den Bau eines Kanals in West-Ost-Richtung. Dieser Plan nahm mit dem Bau des Weser-Ems-Kanals Realität an. An diese neue Wasserstraße wurde Hannover mit dem Mittellandkanal angeschlossen.

Die Idee, den alten Lindener Hafen an der Ihme durch eine Verbindung der Leine mit dem Mittellandkanal zu reaktivieren, wurde schnell verworfen. Der Magistrat entschloss sich für einen Hafenneubau an einem eigens vom Mittellandkanal abgehenden Stichkanal, der in Linden kurz vor der Davenstedter Straße enden sollte.

 

Blick von der Ihmebruecke | 11.03.1899

Leine-Weser-Kanal Partie bei Linden-Limmer
01.08.1922

1914 begann der Hafenbau, der durch Ausbruch der Ersten Weltkriegs unterbrochen wurde. Da das Kriegsministerium den Hafenbau aber als kriegswichtig ansah, konnte die Bautätigkeit schnell wieder aufgenommen werden. Am 18. April 1917 legte das erste Motorgüterschiff an der Hafenmauer an. In den 1920er und 1930er Jahren brachten die Schiffe überwiegend Kohle und Koks nach Linden, für die Rückfahrt wurden sie mit Erzen, Kali und Salzen beladen. Während des Zweiten Weltkriegs war der Lindener Hafen mehrmals Ziel von Luftangriffen. Trotz der dabei angerichteten Schäden konnte der Hafenbetrieb eingeschränkt bis Kriegsende weitergeführt werden

     

 Partie an der Limmer Kirche - Der neue Kanal - Die Leine       Hannoversche Gummiwerke Excelsior Conti Werk       
                                     30.12.1917                                                                  21.06.1922

In den 1920er und 1930er Jahren brachten die Schiffe überwiegend Kohle und Koks nach Linden, für die Rückfahrt wurden sie mit Erzen, Kali und Salzen beladen. Während des Zweiten Weltkriegs war der Lindener Hafen mehrmals Ziel von Luftangriffen. Trotz der dabei angerichteten Schäden konnte der Hafenbetrieb eingeschränkt bis Kriegsende weitergeführt werden. Erst 1949 waren alle Kriegsschäden beseitigt. Es entwickelte sich eine rege Nachfrage nach Umschlagsplätzen und Grundstücken am Hafen. Ab 1962 rollten Kohletransporte per Bahn in den Lindener Hafen, um das neuerbaute Kohleheizkraftwerk mit Brennstoff zu versorgen. Diese Transporte endeten 28 Jahre später, im Juni 1990, da „die drei warmen Brüder“ auf Gasbetrieb umgestellt wurden. Eine neue Umschlaganlage für kombinierten Ladungsverkehr Schiene/Straße (KLV) konnte 1991 in Betrieb genommen werden, seitdem haben sich die Bedingungen für den Güterumschlag zwischen LKW und Bahn wesentlich verbessert.

     

  Autohof Gaststätte (Am Lindener Hafen 17) | 03.08.1958         Blick auf das Fernheizwerk und Ihmezentrums

Heute ist der Lindener Hafen ein wichtiger Speditions- und Logistikstandort in Hannover. Rund 50 Unternehmen mit 3000 Beschäftigten sind auf dem Hafengelände ansässig, so zum Beispiel die Firmen Agravis und Union mit Getreidespeichern, die Firma Shell mit einem Öl-Tanklager, das Logistik-Unternehmen Rhenus oder Unternehmen des Stahlhandels. Gleis- und Straßenanbindung entlang der Verladeufer und die KLV-Anlage sorgen für beste Vorrausetzungen beim Güterumschlag zwischen Schiff, Bahn und LKW. Damit ist der Lindener Hafen für die Zukunft gut gerüstet.

Weiterführende Informationen über den Lindener Hafen finden sich in dem Buch „Die städtischen Häfen in Hannover“
Herausgeber: Städtische Häfen der Landeshauptstadt Hannover

Text © Torsten Bachmann - Freier Journalist 

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten
Torsten Bachmann - Freier Journalist / Text - www.torsten-bachmann.de

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers. | 07/2009