Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Emil Jannings
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Emil Jannings (1884-1950)

Faust - eine deutsche Volkssage (D 1926) | Der letzte Mann (D 1924)

Emil Jannings, eigentlich Theodor Friedrich Emil Janenz wurde am 23. Juli 1884 in Rorschach am Bodensee/Schweiz geboren. Er war Schauspieler und der erste und bisher einzige deutsche Oscarpreisträger. Er wurde außerdem mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame in Los Angles/USA geehrt.

Emil Jannings kam als Sohn des amerikanischen Kaufmanns Emil Janenz und dessen deutscher Frau Margarethe Janenz, geb. Schwabe in Rorschach am Bodensee zur Welt. Er wuchs als deutscher Staatsbürger in der Schweiz sowie im Deutschen Reich, in Leipzig und Görlitz, beides in Sachsen, auf.

Nachdem er das Gymnasium ohne Abschluss verlassen und seine Eltern ihm verboten hatten, Schauspieler zu werden, fuhr er als Schiffsjunge für ein Jahr zur See. Nach seiner Rückkehr nach Görlitz erlaubten ihm seine Eltern, am Theater in Görlitz, ein Schauspielvolontariat zu beginnen. Dort wurde ihm jedoch fehlendes Talent bescheinigt. Er ließ sich davon nicht entmutigen und schloss sich diversen Wanderbühnen an. Er bereiste zwischen 1901 und 1908 den deutschen Sprachraum.

Sein erstes richtiges Engagement erhielt Emil Jannings am Stadttheater Glogau, heute in Polen. Weitere Engagements an verschiedenen Stadttheatern folgten. 1915 gelangte er nach Berlin, wo er an fast allen Bühnen der Hauptstadt mit großem Erfolg spielte. Schließlich unterzeichnete er einen Vertrag mit dem Deutschen Theater in Berlin und profilierte sich dort unter der Regie Max Reinhardts (1873-1943) als Charakterdarsteller.

Ross Verlag 4746/1

Über Max Reinhardt lernt er 1915 auch Karl Gustav Vollmoeller (1878-1948) kennen. Er war außerdem Schauspielkollege von Ernst Lubitsch (1892-1947). Beide gehörten zur Berliner Gesellschaft der goldenen Zwanziger Jahre. Sie kamen mit der bekannten Berliner Gesellschaftsfotografin Frieda Riess (1890-1955) in Kontakt, die sie schließlich auch ablichtete. 1918 verkörperte er am Königlichen Schauspielhaus in Berlin den Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists (1777-1811) Der zerbrochene Krug. Mit dieser Rolle feierte er einen seiner größten Bühnenerfolge.

Emil Jannings sah in der Filmarbeit nicht seine Erfüllung. Künstlerisch stellte es für ihn kein adäquates Medium für seine Schauspielerei dar, denn er konnte im Stummfilm seine variable Stimme nicht einsetzen. Zunächst spielte er in zahlreichen Filmen der expandierenden Universum Film AG (UFA), was ihm eine willkommene Geldquelle erschloss.

Ab 1919 begann er, auch internationalen Ruhm zu erlangen. Er drehte eine Reihe von Historiendramen, bei denen häufig Ernst Lubitsch Regie führte und Pola Negri (1894-1987) die weibliche Hauptrolle spielte, so in Die Augen der Mumie Ma (1918) und vor allem, Madame Dubarry (1919). Darüber hinaus gewann er Anerkennung, indem er bekannte Bühnencharaktere wie Othello, Tartüffe oder Danton verkörperte. Am besten spielte er Rollen als langleidender Mann, der vom Unglück verfolgt wird und am Ende tragisch stirbt: Der letzte Mann (1924) und Varieté (1925) verhalfen ihm zum Titel Bester Schauspieler der Welt und zu einem lukrativen Vertrag bei der Paramount Pictures, wo bereits Ernst Lubitsch und Pola Negri arbeiteten. Wie schon in Deutschland wurde Emil Jannings auch in Amerika meist als Mann gezeigt, der durch die Umstände und sündhafte Frauen ins Verderben gezogen wird. Bereits sein erster Film in Amerika, The Way of All Flesh (1927) unter der Regie von Victor Fleming (1889-1949), wurde zur Vorlage für alle weiteren Filme. Der Film hatte großen finanziellen Erfolg.

Im Jahr darauf drehte er seinen vielleicht besten Film überhaupt: Sein letzter Befehl (1928). Josef von Sternberg (1894-1969) wirkte auf ihn ein, dass er mit einer kontrollierten Darstellung vor der Kamera agierte. Diese Darstellungsweise widerstrebte Emil Jannings. Die daraus resultierenden Meinungsverschiedenheiten gipfelten in Streitereien zwischen dem Star und seinem Regisseur. Nachdem The Street of Sin (1928) weder bei Kritik noch Publikum Anklang gefunden hatten, übernahm Ernst Lubitsch die Regie bei The Patriot (1928). Emil Jannings stellte in diesem Film den verrückten Zaren Paul I. dar, der am Ende von Lewis Stone (1879-1953), dem Patrioten des Titels, zum Besseren von Russland ermordet wird.

Emil Jannings war in Amerika nicht sonderlich glücklich, denn er vermisste die Bühnenarbeit. Jedoch freundete er sich unter anderem mit Greta Garbo (1905-1990) an, die er über seinen mittlerweile zum Freund gewordenen Gönner Karl Gustav Vollmoeller kennengelernt hatte, und erwarb ein großes Vermögen, von dem er über 200.000 Dollar in bar im Kopfkissen versteckte. Darum gehörte er zu den wenigen Stars, die nicht vom Börsenkrach betroffen waren. Er gewann 1929 als erster Schauspieler einen Oscar für seine Darstellung in den beiden Filmen The Way of All Flesh und Sein letzter Befehl. Aber mit dem Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm änderte sich der Publikumsgeschmack rapide, und Emil Jannings eher exaltierte Darstellungsweise wurde rasch als veraltet angesehen. Daher kehrte er noch Mitte des Jahres nach Deutschland zurück.

Quo Vadis | Emil Jannings | I 1924 | Ross Verlag 699/1

Unmittelbar danach hatte er sein Tonfilmdebüt unter der Regie von Josef von Sternberg in Der Blaue Engel (1929/30). Die Zusammenarbeit der beiden Streithähne ist der gemeinsamen Freundschaft von Schauspieler und Regisseur mit Karl Gustav Vollmoeller geschuldet, der als Leiter des Drehbuchteams fungierte. Emil Jannings war erneut als leidender Mann, der am Ende an seiner eigenen Gier zugrunde geht, zu sehen. Doch Star des Films war Marlene Dietrich (1901-1992), die bis dahin schon eine Reihe von Filmen gedreht hatte, jedoch mit noch keiner so anspruchsvollen Rolle. Emil Jannings drehte auch die englische Version des Films und sprach Englisch mit einer klaren Diktion, fast ohne deutschen Akzent, so dass er das Gerücht, er habe Amerika wegen seines Akzents verlassen, eindrucksvoll widerlegen konnte. Danach drehte er Liebling der Götter (1930).

Nach 1933 wirkte er neben einigen anderen Filmen auch im Propagandafilm Ohm Krüger (1941) mit, neben der Hauptrolle hatte er auch die künstlerische Leitung inne, was ihm nicht wenige Kritiker übel nahmen. Seine Filme aus dieser Zeit haben nicht das Niveau seiner früheren Arbeiten, insbesondere seine Darstellung in Der zerbrochene Krug (1937) wirkte wie eine abgefilmte Bühnenaufführung und hinterließ einen statischen Eindruck, und ist dennoch als eine der gelungensten Bearbeitungen des Stücks zu betrachten, vor allem hinsichtlich der humoristischen Seite, die hier zum Ausdruck kommt.

An der Qualität seines Spieles war auch in seiner Spätzeit nicht zu zweifeln, und sein darstellerisches Können bewies sich besonders in Filmen über historische Persönlichkeiten, etwa in Robert Koch – Bekämpfer des Todes (1939) und in Die Entlassung auch als Schicksalswende (1942) bekannt, worin er in der Rolle des gealterten, aber unbeugsamen Fürsten Otto von Bismarck (1815-1898) überzeugte. Dreimal verkörperten er und Werner Hinz (1903-1985) eng miteinander verbundene, jedoch konkurrierende Charaktere. In Der alte und der junge König (1935) spielten sie Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) und dessen Sohn, den späteren Friedrich II. (1712-1786), in Ohm Krüger den Burenpräsidenten Paul Krüger (1825-1904) und dessen Sohn Jan sowie in Die Entlassung den alten Fürsten Bismarck und den jungen Kaiser Wilhelm II. (1859-1941).

Seinen letzten Film konnte er 1945 nicht mehr vollenden, die Alliierten belegten ihn mit einem lebenslangen Auftrittsverbot. Als Begründung diente seine Nähe zu den nationalsozialistischen Machthabern. Emil Jannings starb einsam und verbittert am 2. Januar 1950 in Strobl/Österreich, an Leberkrebs. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof St. Wolfgang, in Österreich.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1914: Arme Eva
  • 1914: Im Schützengraben
  • 1914: Passionels Tagebuch
  • 1916: Aus Mangel an Beweisen
  • 1916: Das Leben ein Traum
  • 1916: Im Angesicht des Toten
  • 1917: Das fidele Gefängnis
  • 1917: Die Ehe der Luise Rohrbach
  • 1917: Lulu
  • 1918: Die Augen der Mumie Ma
  • 1918: Keimendes Leben, Teil 1
  • 1919: Der Mann der Tat
  • 1919: Keimendes Leben, Teil 2
  • 1919: Madame Dubarry
  • 1919: Rose Bernd
  • 1919: Vendetta
  • 1920: Kohlhiesels Töchter
  • 1920: Anna Boleyn
  • 1920: Colombine
  • 1920: Der Schädel der Pharaonentochter
  • 1921: Danton
  • 1921: Der Schwur des Peter Hergatz
  • 1921: Die Brüder Karamasoff
  • 1922: Peter der Große
  • 1923: Alles für Geld
  • 1924: Das Wachsfigurenkabinett
  • 1924: Der letzte Mann
  • 1924: Nju
  • 1925: Quo Vadis?
  • 1925: Tartüff
  • 1926: Faust – eine deutsche Volkssage
  • 1927: The Way of All Flesh
  • 1928: Sein letzter Befehl
  • 1930: Der blaue Engel
  • 1930: Liebling der Götter
  • 1930: The Blue Angel (englische Version)
  • 1932: Stürme der Leidenschaft
  • 1933: Die Abenteuer des Königs Pausole
  • 1935: Der alte und der junge König
  • 1936: Traumulus
  • 1937: Der zerbrochene Krug
  • 1939: Robert Koch
  • 1941: Ohm Krüger
  • 1942: Die Entlassung
  • 1943: Altes Herz wird wieder jung
  • 1945: Wo ist Herr Belling? (unvollendet)

Portrait und Szenenkarten

                          

                    Ross Verlag 929/1                                 Ross Verlag 1054/1                                   Verlag 1266/1

Faust - eine deutsche Volkssage (D 1926)

Faust - eine deutsche Volkssage ist ein deutsches Filmepos von Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931) aus dem Jahr 1926. Produziert wurde der Film von der Universum Film AG (UFA) in Berlin und am 14. Oktober 1926 uraufführt. Die Titelrolle des Faust wird durch den schwedischen Schauspieler Gösta Ekman (1890-1938) verkörpert. In weiteren Rollen sind Emil Jannings (1884-1950) als Mephisto, Camilla Horn (1903-1996) als Gretchen und Frida Richard (1873-1946) zu sehen.

Faust | Gösta Ekman - Emil Jannings | Ross Verlag 62/4

Faust | Camilla Horn - Emil Jannings | Ross Verlag 66/1

Faust | Camilla Horn - Gösta Ekman | Ross Verlag 66/3

Faust | Gösta Ekman | Ross Verlag 62/5

Faust | Emil Jannings - Gösta Ekman - Camilla Horn
Ross Verlag 66/2

Faust | Camilla Horn - Gösta Ekman | Ross Verlag 66/5

Der letzte Mann (D 1924)

Der letzte Mann ist ein deutscher Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931) von 1925. Produziert wurde der Film von der Universum Film AG (UFA) in Berlin und am 23. Dezember 1924 im Berliner UFA-Palast am Zoo uraufführt. Die Titelrolle des Hotelportiers wird durch den Schauspieler Emil Jannings (1884-1950) verkörpert. In weiteren Rollen sind Maly Delschaft (1898-1995), Max W. Hiller (?-1948), Emilie Kurz (?-1934) und Hans Unterkircher (1894-1971) zu sehen.

Der Film ist einer der wenigen abendfüllenden Stummfilme, die fast gänzlich ohne Zwischentitel auskommen. Der letzte Mann stellt in der Entwicklung der Filmtechnik einen Meilenstein dar. Neben der Assimilation wesentlicher Elemente aus dem Expressionismus wie Traumsequenzen mit Überblendungen und Spezialeffekten wenden Regisseur F. W. Murnau und sein Kameramann Karl Freund (1890-1969) erstmals in ausgereifter Form an, was die „entfesselte Kamera“ genannt wurde.

                         

         Der letzte Mann | Emil Jannigs                  Der letzte Mann | Emil Jannigs                Der letzte Mann | Emil Jannigs
                   Ross Verlag 697/1                                 Ross Verlag 697/1                                  Ross Verlag 697/1

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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