Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Limmer | Ev.-luth. St. Nikolai-Kirche | Hafenschleuse | Ernst-August-Kanal und Schleuse | Wasserkunst

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Archiv - Hannover-Limmer

Hannover-Limmer

Hannover-Limmer ist dörflich geprägt (wird urkundlich erstmalig 1189 erwähnt) und liegt nordwestlich von Linden-Nord, zwischen dem Fluss Leine, dem Flüsschen Fösse und dem Stichkanal Hannover-Linden. Die Limmer Schleuse sichert die Verbindung des Lindener Hafens zum Mittellandkanal. Limmer trägt seinen Namen vom Castrum Limbere des Grafen Konrad I. von Limmer/Wunstorf, welches 1187 genannt wurde und dessen genaue Lage unbekannt ist. Der Name bedeutet vermutlich „feuchte Stelle“. Es handelte sich um eine sehr wehrhafte Burg, die 1189 unter Graf Konrad I. sogar dem Ansturm König Heinrichs VI. (1165-1197) standhalten konnte. In der Folge trug eine gräfliche Linie der Wunstorfer bis zu ihrem Aussterben den Namen Limmer, während die andere Linie nach ihrem Besitz, der Burg Lauenrode "von Roden" hieß. Die 1268 genannte Limmeraner Kirche St. Nikolai wurde 1328 dem Kloster Marienwerder eingegliedert. Erst 1787 wurde das alte Gebäude durch die heutige Saalkirche ersetzt. Limmer war im 14. und 15. Jh. ein armes, aber nicht besonders kleines Dorf. Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 verarmte es, viele Bewohner mussten sich im nahen Herrenhausen verdingen.

Gruss vom Limmerbrunnen | 27.05.1901

Gruss vom Kurhaus Limmerbrunnen | 08.11.1909

Das Dorf Limmer hatte 1689 - 167 Einwohner. Von den welfischen Landesherren wurde 1690 eine Ziegelei eingerichtet, die aber bereits 1735 wieder aufgegeben wurde. 1730 war in Limmer Asphaltkalk entdeckt worden, der seit 1843 im Tagebau und Tiefbau abgebaut wurde, dessen Vorkommen aber bis 1925 erschöpft waren. Bekannt wurde Limmer gegen Ende des 18. Jh. durch die Entdeckung der Schwefelquellen (Limmerbrunnen) am Limmerholz. 1794 wird ein Badehaus mit sechs Bädern und einer Dusche auf dem Limmer Berg eröffnet. Zuvor hatte am 15. September 1779 der Botaniker Jakob Friedrich Ehrhart (1742-1795) im Limmerholz die Schwefelquelle entdeckt. Die Quelle wurde 1784 ausgebaut und überdacht. Der Limmerbrunnen, unterlag 1828 dem benachbarten hessischen Bad Nenndorf. Der Badebetrieb wurde erst 1961 eingestellt.

Gruß von der Schwanenburg Limmer | 14.08.1903

Gruss aus Hannover-Limmer | 02.11.1957

Limmer wurde 1808 Opfer eines Großbrandes, welcher das Dorfbild deutlich veränderte. Unter dem Einfluss der in, der benachbarten ehemaligen Stadt Linden, aufkommenden Industrialisierung verlor Limmer mehr und mehr seinen ländlichen Charakter. 1825 hatte Limmer 365, 1871 über 1100, 1885 dann bereits 2307 Einwohner. Am 4. Juli 1895 bricht die Leinebrücke an der Schwanenburg (Limmerbrücke) zusammen; ein Kind kommt dabei zu Tode. Die Hannoversche Gummi-Kamm-Fabrik erhielt 1899 ihren Sitz in Limmer, die 1912 unter ihrem neuen Namen Excelsior bereits 3500 Beschäftigte zählte und 1928 mit der Continental Gummi-Werke AG fusionierte. Am 1. April 1909 wurde das Dorf Limmer von der Stadt Linden eingemeindet und zusammen mit der Stadt Linden dann 1920 ein Stadtteil von Hannover.

Einen Ort des Gedenkens schaffen

Zur Zeit des Nationalsozialismus befand sich 1944/45 ein Arbeitslager des KZ-Neuengamme auf dem Werksgelände der Continental Gummi-Werke AG Hannover-Limmer. Kurz vor Kriegsende wurden die Gefangenen, überwiegend Frauen, in das Konzentrationslager (KZ) Bergen-Belsen bei Celle/Niedersachsen deportiert. Seit 1987 erinnert am Stockhardtweg ein Gedenkstein an das Arbeitslager. Otto Stockhardt (1839-1897) war Bankier, Teilhaber und Vorstandsmitglied der Continental.

In einem Antrag aus dem Jahr 2004 wurde der Bezirksrat Linden-Limmer aufgefordert, eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Arbeitslagergelände zu errichten. 2008 bildete sich ein Arbeitskreis, der Initiativen zur Errichtung der Gedenkstätte verfolgt. Das Ziel des Arbeitskreis "EIN MAHNMAL FÜR DAS FRAUEN-KZ IN LIMMER" ist die Errichtung eines Gedenkortes für das ehemalige Frauen-Konzentrationslager der Continental AG, verbunden mit einem Informations- und Dokumentationsstandort.

Am 10. April 2015 wurde während einer Gedenkveranstaltung für die Gefangenen des Frauen-Konzentrationslager der Continental AG in Hannover-Limmer eine Informationstafel am Gedenkstein Stockhardtweg der Öffentlichkeit übergeben. Im Juni 2015 haben Archäologen auf dem ehemaligen Werksgelände bei Untersuchungen Spuren des doppelten elektrischen Stacheldrahtzauns gefunden, der das Lager umgab. Nun konnten der genaue Standort und die Ausmaße festgestellt werden.

Auf der Internet-Seite www.kz-limmer.de finden Sie einen ersten Überblick zur Geschichte des Konzentrationslagers in Hannover-Limmer, Informationen zum Arbeitskreis sowie zahlreiche Literaturhinweise und Links zum Weiterlesen.

Limmer Windmühle | Mühlenpark Limmer

Der ehemalige Standort der Limmer Windmühle befindet sich dort wo die Fösse in die Leine mündet. Ursprünglich stand die Mühle um 1717 im Bereich der heutigen Weidestraße und Zimmermannstraße. 1784 wurde sie an die Fösse versetzt und 1892 nach Osterwald, heute ein Stadtteil der Stadt Garbsen bei Hannover, weiterverkauft. Im Juni 1933 demontierte man die Mühle in Osterwald wegen ihres maroden Zustandes. Das zur Mühle dazugehörige Gebäude an der Ratswiese 18 in Limmer wurde zu einem beliebten Ausflugs- und Gartenlokal. Man konnte Paddel- und Ruderboote mieten, um auf der Leine zu fahren. Das Lokal wurde auch als Restaurant betrieben. Inhaber der Restauration war Hermann Weige und später dann Walter Eulenburg.

Gruss aus dem Mühlenpark
Limmer vor Hannover | 27.06.1899

Gruss vom Mühlenpark
Mühlenpark früher. | 24.07.1904

Nach dem Zweiten Weltkrieg traf sich die Landsmannschaft Ostpreußen e.V. jeden zweiten Donnerstag im Monat, im Restaurant und Saal. Die Landsmannschaft veranstaltete am 9. Juli 1949 hier die Ostpreußen-Woche. Der Betrieb des Restaurants Mühlenpark wurde wahrscheinlich nach 1953 eingestellt und beherbergt heute die Künstlerkolonie „ART IG e.V.“.

Gartenrestaurant Mühlenpark
Hannover-Limmer | 23.06.1938

Gaststätte "Mühlenpark" | 10.05.1953

Ev.-luth. St. Nikolai-Kirche

Die 1223 erstmals genannte St. Nikolai-Kirche wurde 1328 dem Kloster Marienwerder (Augustinerinnenkloster) eingegliedert.

Erst 1787 wurde begonnen das alte Gebäude durch die heutige Saalkirche zu ersetzen. Der bis 1791 errichtete Neubau ist nach einer Planung von Georg Heinrich Brückmann (1746-1807) aus dem Jahre 1785 ausgeführt worden. Die Kirche wurde 1898 durch den Anbau des Kirchturmes, des gewölbten Chores und der Sakristei erweitert. Die Bauleitung hatte der Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) Schüler Friedrich Jacob.

Partie an der Limmer Kirche - Der neue Kanal
Die Leine | 30.12.1917

 

Limmer b. Hannover - St. Nicolai-Kirche | 06.04.1916

In den Jahren 1685-1718 wirkte an der St. Nikolaikirche der durch seine derben niederdeutschen Predigten bekannte Pastor Jacobus Sackmann (1643-1718), der auch den Adel nicht verschonte. Die Echtheit der überlieferten Predigten ist allerdings teilweise umstritten. Ein Gedenkstein für den Prediger befindet sich heute vor der Nikolaikirche.

Limmer Hafenschleuse

Die Hafenschleuse in Hannover-Limmer wurde im Rahmen des Mittellandkanalbaues und des davon abzweigenden Stichkanals Hannover-Linden (SKL) in den Jahren 1906 bis 1916 als Schachtschleuse in Massivbauweise gebaut. Die Schleuse hebt das Niveau des Stichkanals um 7,80 Meter auf die Höhe des Hafenbeckens von 58,10 Meter ü. NN, im Lindener Hafen. Im April 1916 erfolgte die Inbetriebnahme. Die nutzbare Kammerlänge beträgt 85,0 Meter, lichte Kammerweite zehn Meter, Hubhöhe bei Normalwasserspiegellage 8,0 Meter. Es handelt sich bei der Limmer-Hafenschleuse um eine Schachtschleuse mit seitlich angeordneten offenen Sparbecken. Die Sparbecken haben eine ca. 0,50 Meter dicke Tondichtung, die durch Betonplatten abgedeckt wird. Neben dem Unterhaupt befindet sich ein einstöckiges Pumpenhaus.

Am Kanal in Limmer | 12.09.1916

Leine-Weser-Kanal.
Blick von der Schleuse in Limmer | 18.08.1923

Am Unterhaupt befindet sich eine Straßenbrücke, die gleichzeitig als Maske für das Untertor dient. Die Hafenschleuse verfügt über ein Klapptor am Oberhaupt, ein Schlagtor am Unterhaupt, eine Zylinderschütze für die beidseitigen Sparbecken und Oberwassereinläufe und Rollkeilschütze in den Umläufen des Unterhauptes. Die Bausubstanz erfordert umfassende Instandsetzungsmaßnahmen, die unter laufendem Betrieb ausgeführt werden müssen, da es keinen weiteren wasserseitigen Zugang zum Lindener Hafen gibt. Im ersten Schritt wurde die Antriebstechnik erneuert, die eine Fernbedienung und Fernüberwachung von der Schleuse in Hannover-Anderten aus ermöglicht. Im November 2013 wurde damit begonnen die Schleuse für 200 Mio. Euro zu sanieren. Unter anderem wurden Betonteile der Schleuse erneuert. In den vergangenen Jahren bekam das Schleusenwerk auf einer Seite bereits ein neues Tor. Das Obertor ist noch original und wurde nun erneuert.

Leine-Weser-Kanal. Partie bei Linden-Limmer | 01.08.1922

Hafenschleuse | 05.02.1931

Ernst-August-Kanal und Schleuse | Wasserkunst

Die Leine-Schifffahrt war wieder möglich, nachdem König Georg II. (1683-1760) seit 1738 durch Flussregulierungen und Schleusenanlagen die seit Anfang des 16. Jh. verloren gegangene Leine-Schifffahrt wieder hergestellte. Die Schleuse bei der Wasserkunst vor Limmer wurde 1743 am Ernst-August-Kanal in Holz gebaut, und 1789 durch einen Steinbau ersetzt.

Die Schleuse an der Wasserkunst ist 60,0 Meter lang, 6,5 Meter breit und vier Meter tief. Die Schleusentore sind 3,15 mal fünf Meter groß und bestehen aus vier Kubikmeter Eichenholz. Neben der Schleuse befindet sich das Leine-Wehr zur Regulierung des Wasserstandes im Kanal. Der Kanal überbrückt den Höhenunterschied zwischen dem Wehr und dem anschließenden Flusslauf, in dem sich durch das Wehr gefährliche Strudel bilden. Außerdem stellte er die Versorgung der Wasserspiele, insbesondere der Großen Fontäne im Herrenhäuser Schlossgarten sicher. Der Ernst-August-Kanal beginnt zwischen dem Leine-Wehr in Limmer und der Wasserkunst. Der Kanal endet nach knapp einem Kilometer in der Leine. Die Breite des Kanals beträgt heute lediglich drei bis fünf Meter. Seit dem Ende der Schifffahrt auf der Leine zu Beginn des 20. Jh. hat der Kanal keine Bedeutung mehr, bis dahin wurden Waren aus dem Harz und Thüringen in Richtung Bremen über die Leine verschifft.

Seit 1740 war der Verkehr auf dem Fluss wieder möglich. Der Anlageplatz für Schiffe nach Linden und Hannover war am Lindener-Ufer gegenüber der Glocksee. Ihren Höhepunkt erreichte die Schifffahrt zwischen 1820 und 1835, als Johann Hinrich Egestorff (1772-1834) seinen Kalk vom Lindener Berg mit Lastkähnen, nach Bremen transportieren ließ.

Hannover - Wasserkunst bei Limmer | 25.03.1905

Limmer b. Hannover - Herrenhäuser Wasserkunst

Wasserkunst

Eine erste Wasserkunst (Wasserhebewerk) wurde 1696 für die Fontänen des Großen Gartens in Herrenhausen angelegt. Das Wasser wurde dabei in Holzröhren vom Lindener Küchengarten herangeführt. Die Maschinenanlage (Pumpen) entwarf der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716). In den Jahren 1718 bis 1720 wurde die Wasserkunst für den Betrieb der Wasserspiele und der Großen Fontäne in Betrieb genommen. Durch den Baurat Hagen wurde 1856 ein neues Pumpenhaus neben dem historischen Ernst-August-Kanal errichtet. Das Pumpenhaus existiert heute noch. Die barocken Wasserräder und Pumpen wurden 1860 durch erlass von König Georg V. (1819-1878) umgebaut und erneuert. Die noch erhaltenen Maschinen sind voll funktionsfähig und wurden durch die Eisengießerei und Maschinenfabrik Georg Egestorff, später HANOMAG AG (Hannoversche Maschinenbau-Actien-Gesellschaft) aus Linden, in den Jahren von 1861 bis 1864 geliefert.

Grosse Fontaine Herrenhausen | 22.08.1904

Am Goldfischteich... | 12.1907

Mit der Wasserkunst entwarf Gottfried Wilhelm Leibniz ein zweistöckiges Pumpwerk mit vier Pumpen, die von einem Wasserrad von zehn Metern Durchmesser angetrieben werden, von denen zwei das Wasser aus dem Wasserspeicher in Höhe des Ernst-August-Kanals in ein Wasserbecken in 12,0 Meter Höhe pumpen, von wo es teilweise über ein Aquädukt in das Vorratsbecken im Westen der Herrenhäuser Gärten fließt. Die beiden anderen Pumpen heben das Wasser für die Große Fontäne in ein höheres Becken im Turm des Pumpenhauses in 18,0 Meter Höhe. Dieses Becken ist als geschlossener Windkessel ausgelegt, in dem durch die Kompression der Luft, der Wasserdruck im Kessel, so erhöht wird, dass der Wasserstrahl der in 350,0 Meter Entfernung befindlichen Fontäne die enorme Höhe von 35,0 Meter erreichen sollte. Zu Gottfried Wilhelm Leibniz Lebzeiten wurde das Projekt nicht mehr realisiert, dies ermöglichten aber von 1718 bis 1721 englische Ingenieure unter der Leitung des Ingenieurs Benson. Die Engländer brachten 40 Pumpen zum Einsatz, sodass die Fontänenhöhe von 35,0 Meter erreicht werden konnte. Die Leistung wurde in den Folgejahren bis auf etwa 70,0 Meter gesteigert. Zur Einweihung der Fontäne 1719 kam auch der König von England, Georg I. (1660-1727), nach Hannover. Die beiden hölzernen Wasserräder sind noch voll funktionsfähig und regulieren heute den Wasserstand der den Großen Garten umgebenden Graft mit Leinewasser.

Mitte 2013 wurden für Voruntersuchungen die Fundamente der Wasserkunst freigelegt und entschlammt. Ab 2015 soll die Wasserkunst für rund 1,7 Mio. Euro saniert werden. Im ersten Sanierungsabschnitt werden zuerst die Fundamente, die Wehranlage sowie einige Holzbauteile saniert. Im zweiten Abschnitt werden dann das Gebäude und die historischen Pumpen saniert. Die Arbeiten sollen voraussichtlich 2017 abgeschlossen sein.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Foto / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Das LindenLimmerBuch | Jonny Peter | FAUST e.V. und Netzwerk Lindener Kulturwerkstatt Hannover | 1998
HANOMAG-NACHRICHTEN - verschiedene Ausgaben | HANOMAG-Nachrichten-Verlag | 1913-1927
Preußische Allgemeine Zeitung | Onlinearchiv
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek,
Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
Wasser- und Schifffahrtsamt Braunschweig
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
Wirtschaftliche und Kulturelle Zustände in Alt Hannover | Voigt und Erdmann | Rathje Verlag Hannover | 1929