Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017

Hannover-Linden

Die einstige Industriestadt Linden wurde erstmals um 1100 urkundlich erwähnt und war ursprünglich eine unter Lindenbäumen gelegene Gerichtsstätte der Grafen von Roden. 1285 wird erstmals die Kirche des Heiligen St. Martin (zerstört im Zweiten Weltkrieg - 1957 wiederaufgebaut) erwähnt, die noch besteht. Das alte Dorf Linden reichte vom Lindener Berg (89 m über NN) bis zur Glocksee und zur Ohe am gegenüberliegenden Ufer der Ihme. 1920 wurde Linden nach Hannover eingemeindet.

"Wir lieben unser Linden, die Stadt der Industrie; sie ist uns traute Heimat, Lindener Blut vergißt das nie.
Wir tragen auf der Brust ein Lindenblatt, denn Linden ist die allerschönste Stadt" (Fritz Röttger 1914-1987)

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  • Lindener Kirchen
    Ev.-luth. Bethlehemkirche | Kath. St. Benno Kirche
    Ev.-luth. St. Martinskirche
    Ev.-luth. Erlöserkirche (Zionskirche)
    Kath. St. Godehardi-Kirche / St. Godehardi-Stift)

Hier geht es zum Lindener Geschichtsbuch, in unregelmäßigen abständen werden dort einzelne Orte und Themenbereiche aus der Lindener Geschichte von mir und Besuchern des Archivs ausführlicher beschrieben.

Der Oberhofmarschall Franz-Ernst von Platen (1631-1709) erwarb 1688 durch einen Nutzungsvertrag für etwa 12.000 Reichstaler das Gut Neu-Linden von der Familie von Alten. Durch den Besitz dieses Rittergutes wurde Franz-Ernst von Platen ab 1689 in den Reichsgrafenstand erhoben. Das Gut umfasste etwa 56 Hektar Land, Jagdrecht, Gerichtsbarkeit, verschiedene Zehnte, den Lindener Schäferhof sowie Ländereien und Berechtigungen in der Lindener Glocksee, der Calenberger Neustadt und der Aegidienmasch. Nach dem Kauf zusätzlicher Höfe ließ der Oberhofmarschall 1692 den ca. sieben Hektar großen, heutigen von-Alten-Garten als französischen Barockgarten, den ab 1718 eine vier Meter hohe Mauer umgab, sowie ein Lustschloss anlegen. Architekt des von 1698 bis 1702 erbauten Schlosses war der Hofbaumeister Johann Peter Wachter (?-1690). Zum Barockgarten gehörten große Wasserbassins mit Fontänen, Obstwiesen, Heckenbosketts, Nutzgärten, Teiche mit Fischzucht sowie Schwänen, eine Orangerie und ein Tiergarten. Die Anlage machte sogar den Königlichen Herrenhäuser Gärten Konkurrenz. Anfang des 19. Jh. ging der von-Alten-Garten wieder in den Besitz der Familie von Alten über.

Die Entstehung von Industriebetrieben in Linden drängte 1830 die Grünanlage zurück. Eine Unterschutzstellung des Schlosses und des Gartens verhinderte 1927 den weiteren Verkauf als Bauland. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das aus Holz errichtete Schloss im April 1945 bei einem alliierten Luftangriff von einer Brandbombe getroffen. Es brannte bis auf das steinerne Fundament ab. Der Graf von Platen erwarb um 1700 weitere 20 Hektar Land und ließ eine neue Straße, die Leineweberstraße (Weberstraße), mit 30 Häusern für die Weberzunft anlegen. Außerdem ließ Franz-Ernst von Platen eine Schmiede, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Kalkbrennerei sowie eine Wachsbleiche mit Meister und Gesellen aus Italien einrichten. In einer Kapelle auf dem Gut ließ der Oberhofmarschall für seine Hörigen Gottesdienste abhalten. Ab 1796 wurde in einem kleinen Haus in der Weberstraße eine Schule für die Kinder aus Neu-Linden eingerichtet.

Blick von der Ihmebrücke | 11.03.1899

Lindener Berg | 14.02.1909

Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dem Areal das nun vom alten Dorf Linden verwaltungsrechtlich getrennte Neu-Linden, das auch einen eigenen Nachtwächter, einen eigenen Vorsteher und eine eigene Schützengesellschaft erhielt. Zu Neu-Linden gehörten die Häuser der Weberstraße, Häuser und Speicher in der Blumenauer Straße, sowie Häuser in der Hohestraße und der Deisterstraße. Nach dem Rückkauf des Gutes Linden 1816 durch die Familie von Alten verließ die Familie von Platen das Dorf. Mit Erlass verfügte 1826 die Königliche Landdrostei Hannover für die Gerichtszuständigkeit eine Grenzlinie zwischen Alt- und Neu-Linden. Nach dem Erlass hatte Alt-Linden einen Bauermeister und drei Vorsteher, Neu-Linden einen Vorsteher und zwei Nebenvorsteher. Zu Alt-Linden gehörten von da an der Lindener Berg, Kirchstraße, Lindener Straße (später Falkenstraße und heute Davenstedter Straße), Hohestraße, Posthornstraße, Blumenauer Straße, das Gut von Alten einschließlich Gerichtshof, der Bereich westlich der nördlichen Deisterstraße von der Allee (später Von-Alten-Allee) bis zur Ihme-Brücke.

Zu Neu-Linden gehörten von da an der Bereich östlich der nördlichen Deisterstraße von der Allee (heute von-Alten-Allee) bis zur Ihme-Brücke, sowie der südliche Rest der Deisterstraße und die Weberstraße. 1829 wurden die Glocksee und die Ohe selbstständige Orte mit eigener Verwaltung, aber blieben bezüglich Kirche und Schule weiterhin Linden zugehörig. Das Dorf Linden hatte 1842 insgesammt 3.207 Einwohner. Die Dörfer Alt-Linden und Neu-Linden wurden 1856 zur Landgemeinde Linden zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde erhielt statt der bisherigen Bauermeister einen Gemeindevorstand.

Marktplatz | 31.12.1899

Altes Rathaus Ricklinger- Deisterstraße | 27.07.1917

Nach Einmarsch Preußens in das Königreich Hannover 1866 war Linden das größte Industriedorf Preußens. Den Grundstein dafür legte der Industrielle Johann Hinrich Egestorff (1772–1834), Anfang des 19. Jh. mit Kalkbrennereien am Lindener Berg zur Produktion des Baustoffs Kalkmörtel. In seine Fußstapfen trat sein Sohn Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868), der am 6. Juni 1835 eine Maschinenfabrik und Eisengießerei gründete, aus der die spätere HANOMAG AG (Hannoversche Maschinenbau Aktien Gesellschaft vormals Georg Egestorff) hervorging. Hier wurden von 1846 bis 1931 auch Lokomotiven hergestellt. Bis zum Bau der Altenbekener Eisenbahnstrecke 1872 wurden die Lokomotiven mühsam mit Pferdefuhrwerken zum nächsten Gleisanschluss transportiert. Als die Eisenbahnstrecke von Hannover nach Hildesheim am 4. Juni 1846 eröffnet wurde, zog die erste Lokomotive, sie erhielt den Namen „Ernst August” den Zug. Diese Lokomotive wurde von Georg Egestorff aus seiner Fabrik in Linden geliefert. Aus der Fabrik gingen in der Folge die hydraulischen Kräne für Geestemünde und die Pumpwerke für Hannover, Herrenhausen und Braunschweig hervor.

Nach dem Tod Georg Egestorffs am 27. Mai 1868 wurde die Fabrik durch den neuen Besitzer, den Eisenbahnkönig Bethel Henry Strousberg (1823-1884) großzügig erweitert und neben dem Werk an der heutigen Göttinger Straße 1869 eine Arbeitersiedlung mit 144 Häusern gebaut, die wegen der Rumänien-Aufträge Strousbergs (er hatte eine Konzession über 900 km Bahnstrecke und Lieferung von Lokomotiven), auch Klein-Rumänien genannt wurde. Das Geschäft platzte - der Eisenbahnkönig Strousberg musste 1871 an ein Bankenkonsortium verkaufen. Die Straßen in Klein-Rumänien hießen Hammerstraße, Feilenstraße und Zirkelstraße. 1937 wurden die Häuser im Zuge der Vergrößerung der HANOMAG AG abgerissen - auf dem Areal steht heute die in den 1940er Jahren erbaute U-Boot Halle, die unter Denkmalschutz steht. An die Bedeutung der HANOMAG AG für Linden und Hannover erinnern heute die Straßennamen Hanomag-, Egestorff- und Strousbergstraße. Da Bethel H. Strousberg, eigentlich Baruch Hirsch Strousberg, jüdischer Herkunft war, trug letztere während des Dritten Reiches den Namen Kettlerstraße.

Eisengießerei u. Maschinenfabrik Georg Egestorffs

Feier der Freitigstellung der 5000. Lokomotive 15.06.1907

Am Küchengarten siedelten sich Ende des 19. Jhs. zahlreiche Firmen an, wie etwa die Lindener Samtspinnerei (Lindener Samt - Velvet), Baumwollspinnerei und Weberei, die Lindener Actien Brauerei (LAB), zwei Gummifabriken und die Deutsche Asphalt, eine Korsettfabrik und eine Bettfedernfabrik. 1927 wurde am Küchengarten ein städtisches Badehaus errichtet, da viele Arbeiterfamilien kein eigenes Bad besaßen. Um die benötigte Kohle aus dem benachbarten Barsinghausen zu beschaffen, wurde der Bahnhof Linden-Fischerhof errichtet und mit der Zweigstrecke nach Linden-Küchengarten ab 1872 an das Netz der Hannover-Altenbekener Eisenbahn bzw. der Deisterbahn ange- bunden. Der Bahnhof wurde 2006 für eine bessere Anbindung an die Stadtbahn und den Bus verlegt, der Bahnhof heißt heute Hannover-Linden/Fischerhof. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Lindener Hafen mit einer Anbindung an den Mittellandkanal fertiggestellt. Dies beinhaltete auch den Bau der Lindener (Limmer) Schleuse und des 11 km langen Stichkanals nach Linden, der den Lindener Hafen mit dem Mittellandkanal verbindet. Nachdem 1913 Linden den Bau des Hafens beschlossen hatte, wurde schon im April 1917 das erste Motorgüterschiff im Lindener Hafen entladen, gleichzeitig wurde der Eisenbahnbetrieb durch die Lindener Hafenbahn in Betrieb genommen.

Mechanische Weberei zu Linden | 30.08.1937

 Altes Rathaus 1885 1 April 1910 Neues Rathaus
25 Jahre Stadt Linden | 03.04.1910

Linden war bis 1885 Landgemeinde, also ein Vorort Hannovers und hatte 25.570 meist ev. luth. Einwohner. Von Hannover war Linden nur durch den Fluss Ihme getrennt. Das Dorf Linden wurde am 1. April 1885 Stadt und Stadtkreis. Der erste Bürgermeister war der hannoversche Senator Dr. Georg Lichtenberg (1852-1908). Die Stadt Linden erhielt 1889 durch königlichen Erlass die Erlaubnis für das Wappen mit dem roten Löwen vor der Linde auf einem Schild mit je vier blauen und silbernen Querstreifen und mit einer dreitürmigen Mauerkrone. Die Linde erinnert an die Entstehung Lindens, als vom Grafen Wittekind (Widukind) von Schwalenberg unter einer Linde Gericht gehalten wurde. Der rote Löwe gehörte zum Wappen des Grafen von Roden. Erst 1920 wurde die Stadt Linden mit damals 80.000 Einwohnern nach Hannover eingemeindet.

Von 1934 bis 1936 waren viele Lindener, wie zum Beispiel Wilhelm Bluhm (1898-1942) Mitglied der Sozialistischen Front (SF), die als eine der größten Widerstandsbewegungen des Dritten Reiches gilt. Bluhm wurde am 15. September 1936 in seiner Wohnung in der Nedderfeldstraße 8, in Linden-Nord festgenommen und zu fünfeinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Hameln absaß. Nach Ende der Strafe nahmen ihn die Nationalsozialisten in Schutzhaft und transportierten ihn, gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Sozialistischen Front, in das KZ Sachsenhausen bei Berlin. Dort starb er am 25. Juli 1942 mit nur 44 Jahren. Am 3. März 2009 wurde in der Nedderfeldstraße 8, durch den Künstler Gunter Demnig ein Stolperstein für ihn gesetzt.

Im Bahnhof Fischerhof / Hannover-Linden kam es am 22. Juni 1969 gegen 8:05 Uhr zum Zugunglück von Linden. Bei einer Explosion von Bundeswehr-Munition, ein Güterzug führte, vier Waggons mit je 216 Granaten für die Haubitze M 107 der Bundeswehr mit, kamen vier Bundesbahnbeamte und acht Angehörige der Feuerwehr Hannover ums Leben.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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* Stolpersteine erinnern an Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. Die Betonsteine werden an ihrem letzten selbst gewählten Wohnort in den Fußweg eingelassen. Eine Messingplatte auf der Oberfläche nennt mit der Inschrift "Hier wohnte..." den Namen, den Geburtstag sowie die Umstände des Todes. Der Künstler Gunter Demnig aus Köln ist Initiator der Stolpersteine.

Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Linden - Der Charakter eines Arbeiterviertels vor Hannover | Bernd Rabe - Fackelträger-Verlag GmbH | 1984
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II. | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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