Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017

Konzerthäuser und Theater-Säle am Marstall in der Hannover-Altstadt

ACHTUNG NOCH BAUSTELLE!!!

Concerthaus Hannover | Arbeiter-Vereinshaus (Burghaus/Rusthaus) | Neuer Hannoverscher Festsaal
Stadt-Theater, später Deutsches Theater Hannover | Konzerthaus Palmengarten, dann Wintergarten, Eispalast, Kammer-Lichtspiele und Atrium-Lichtspiele

Das Gebäude des "Neuen Marstalls" wurde 1712 durch den Architekten Louis Remy de la Fosse (1659-1726) am Rand der Hannover-Altstadt errichtet, dem sich nach Osten das 1714 erbaute "Königliche Reithaus" anschloss. Die Straße "Am Marstalle" wurde 1747 unter dem Namen "Dreck Wall" angelegt. Ab 1856 wurde aus dem "Dreck Wall", dann "Am Marstalle" und 1912 die Straße "Am Hohen Ufer".

Concerthaus Hannover

Das "Concerthaus Hannover" befand sich Am Marstalle 6., im 1712 errichteten Gebäude des "Neuen Marstalls", dem sich nach Osten das 1714 erbaute "Königliche Reithaus" anschloss. 1877/78 wurden die Gebäude (Alter und Neuer Marstall) vom Architekten, Bauunternehmer, Politiker und späteren Senator Ferdinand Wallbrecht (1840-1905) geteilt und zu einem Stadttheater und Konzerthaus umgebaut. Es gab zwei Säle für 1800 Personen. Vor 1911 war zuerst Heinrich Scharpenberg und danach Alfred Zaubitzer Inhaber des Konzerthauses. 1911 wurde es dann geschlossen.

 

1941 ist die Stadt Hannover Eigentümer des Gebäudes und Verwalter des Concerthauses ist W. Dörrig.

Gruss vom Concerthaus Heinrich Scharpenberg | 05.02.1911

Concerthaus Hannover Inh. Alfred Zaubitzer

Arbeiter-Vereinshaus (Burghaus/Rusthaus) | Neuer Hannoverscher Festsaal

Der am 1. April 1848 aus dem 1845 gegründeten "Buchdruckerleseverein" hervorgegangene "Arbeiterverein zu Hannover" - das Vereinsmotto lautete: "VORWÄRTS IMMER - RÜCKWÄRTS NIMMER", bot seinen Mitgliedern Fort- und Weiterbildungsangebote an. Der Verein erwarb 1873 das "Burghaus" in der Burgstraße 30. und nutzte es als "Arbeiter-Vereinshaus". Das Gebäude wurde auch vom "Silcherbund" (Liedertafel), der "Turnerschaft Hannover von 1852" und der "Schützengesellschaft Lauenrode Hannover" als Vereinshaus genutzt.

"Neuer Hannoverscher Festsaal"

Der "Arbeiterverein zu Hannover" erwarb 1891 die Hälfte des 1682 oder 1687 erbauten "Alten Marstalls" (Am Hohen Ufer 3.) und baute diese zum "Neuen Hannoverschen Festsaal" neben dem "Arbeiter-Vereinshaus" um.

Am 16. Februar 1898 trafen sich im "Arbeiter-Vereinshaus" ca. 70 ehemalige Marineangehörige und gründeten dort den "Marine-Verein Prinz Adelbert von Preußen, Hannover, Linden und Umgebung", seit 1964 "Marinekameradschaft Hannover von 1898 e.V. - Prinz Adelbert von Preußen". Nach einem Großbrand wurde die Nordhälfte des Vereinshauses 1906 um ein drittes Geschoss erweitert. Carl Kockläuner war 1915 Betreiber des Festsaals.

Um 1925 war der Lindener Wäschereibesitzer Ferdinand Filthuth Vorsitzender des "Arbeitervereins zu Hannover". Am 19. und 20. März 1927 feierte der "Arbeiter-Turnverein Hannover von 1852" im "Neuen Hannoverschen Festsaal" sein 75-jähriges Bestehen und der "Arbeiterverein zu Hannover" nannte sich ab nun "Verein für Fortbildung".

"Burghaus" wird "Rusthaus"

Das 1873 erworbene "Burghaus" wurde Anfang oder Mitte 1933 in "Rusthaus" umbenannt. Namensgeber war der NSDAP-Gauleiter und Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust (1883-1945). Eigentümer war weiterhin laut den Adressbüchern von 1934 bis 1943 der "Verein für Fortbildung". Andere Quellen meinen das Vereinshaus wäre von den Nationalsozialisten enteignet worden. Im Mai 1937 fand im "Neuen Hannoverschen Festsaal" unter anderem das "Internationale Ringkampf-Turnier um den Großen Preis von Deutschland" statt.

"Polenaktion"

Bei der sogenannten "Polenaktion" im Oktober 1938 wurden fast 500 hannoversche Juden polnischer Herkunft im Saal des "Neuen Hannoverschen Festsaals" zusammengetrieben und am 28. Oktober 1938 vom Hauptbahnhof (Hbf) in Hannover-Mitte aus mit einem Sonderzug nach Polen abgeschoben, darunter auch die Familie Grünspan (Grynszpan). Deren zweitältester Sohn Herschel Feibel Grünspan (1921-??) befand sich in Paris/Frankreich. Als er von der Vertreibung seiner Familie erfuhr, fuhr er zur deutschen Botschaft in Paris und tötete dort den Legationsrat Ernst Eduard vom Rath (1909-1938). Die Nationalsozialisten nahmen diese Tat als Vorwand für die von ihnen inszenierten deutschlandweiten Novemberpogrome vom 7. bis 13. November 1938.

Eigentümer des "Rusthauses" war laut Adressbuch von 1939 weiterhin der "Verein für Fortbildung" und Betreiber des "Neuen Hannoverschen Festsaals" war Karl Heinemann.

 

Alt-Hannover (Beguinenthurm)
Arbeiter-Vereinshaus | 09.07.1900

Gruss aus dem Neuen Hannoverschen Festsaal | 11.02.1919

Leine mit Beguinenturm | 03.04.1933
(links das Burghaus)

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Der südliche Teil des "Alten Marstalls", der "Neue Marstall" und das "Königliche Reithaus" wurden durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach dem Krieg wurden die Ruinen abgetragen und die Grundstücke nur teilweise wieder bebaut. Das erhalten gebliebene "Marstalltor" (Mittelportal des Reithauses) wurde 1967 hundert Meter versetzt. Dort steht es heute neben dem Historischen Museum Hannover (HMH) am Standort des "Brühltores", eines früheren Stadttores der mittelalterlichen Stadtmauer. Die erhaltene Nordhälfte des "Alten Marstalls", wird heute als Geschäftshaus genutzt.

Stadt-Theater, später Deutsches Theater Hannover

Das "Deutsche Theater", vormals "Stadt-Theater" befand sich in der Reuterstraße 10., im ehemaligen "Königlichem Reithaus" am Marstall. Das Gebäude wurde 1877 vom Architekten, Bauunternehmer, Politiker und späteren Senator Ferdinand Wallbrecht (1840-1905), im Auftrag des Kommissionsrat Karl Röpke (er betrieb auch den Tivoli-Konzertgarten), zum Theater umgebaut und hatte 2000 Plätze. Eröffnet wurde das Stadt-Theater am 30. Dezember 1878. Das Haus wurde 1878 nochmals umgebaut und in "Deutsches Theater Hannover" umbenannt, es hatte danach nur noch 850 Sitzplätze.

Deutsches Theater, Hannover - PANNE | 25.02.1908

Deutsches Theater, Hannover - Der Weg zur Hölle
01.09.1908

Um 1900 war der Wiener Regisseur Hubert Reusch Direktor des "Deutschen Theaters" und der ehemalige Hofschauspieler Max Walden (1861-?), eigentlich Max Simonsohn - als Schauspieler und Oberregisseur am Theater tätig. 1904 wurde Max Walden dann Direktor des "Metropl-Theaters" in der Hannover-Nordstadt. Während der Theater-Saison 1902/03 war der österreichische Theater- und Filmregisseur, Intendant, Theaterproduzent und Theatergründer Max Reinhardt (1873-1943), eigentlich Maximilian Goldmann mit dem Kabarett “Schall und Rauch“ zu Gast. Im Dezember 1903 wurde das Lustspiel ”Das Liebesmanöver” des Autors Curt Kraatz und des Schriftstellers und Verlegers Freiherr von Schlicht (1867-1926), eigentlich Wolf Ernst Hugo Emil Graf von Baudissin bis Ende Februar 1904 aufgeführt.

Von 1910 bis 1913 war der jüdische Intendant und Regisseur Dr. Georg Altmann (1884-1962) Direktor des "Deutschen Theaters". Er stammte aus Berlin und war von 1927 bis 1933 auch Direktor der "Schauburg" (Städtisches Schauspielhaus). Dr. Georg Altmann wurde durch die Nationalsozialisten gezwungen, im März 1933 seinen Posten aufzugeben.
Siehe auch: Schauburg (Schauspielhaus).

Nachdem die Vorbesitzer Willy Kaufmann und Bertha Spanier das Theater 1926 an die Stadt Hannover verkauft hatten, leiteten Ewald Schindler und Dr. Hans Schindler als Direktoren nun das Theater als Operettenhaus. Ende Oktober 1933 wurde das "Deutsche Theater Hannover" dann wegen Konkurses geschlossen.

Am 25. März 1934 öffnete das Haus nochmals, da, die berühmten "Comedian Harmonists" hier ihr letztes Konzert in Deutschland gaben. Das ehemalige Theatergebäude diente einige Zeit als Lagerhaus, heute befindet sich dort ein Teil der Verwaltung, der Hannoverschen Verkehrsbetriebe AG (Üstra).

 

Deutsches Theater, Hannover - "Die fünf Frankfurter"

Konzerthaus Palmengarten, dann Wintergarten, Eispalast, Kammer-Lichtspiele und Atrium-Lichtspiele

In der von 1857/58 bis 1861 durch den Architekten Christian Heinrich Tramm (1819-1861) errichteten zweigeschossigen ehemaligen "Königlichen Remise" mit einer Glaswagenhalle, die Glaswagenhalle galt als einzigartig in Europa, wurde 1881, das "Konzerthaus Palmengarten" eröffnet. Zuvor wurde das Gebäude 1878 durch den Architekten, Bauunternehmer, Politiker und späteren Senator Ferdinand Wallbrecht (1840-1905) zu einem Geschäftshaus umgebaut. Das Gebäude, zunächst unter der Adresse Goethestraße 15-17. (die Goethestraße wurde 1870 angelegt), dann nach 1888 Goethestraße 41., wurde durch den Architekten Gustav Wilhelm Otto Goetze (1832-1894) nochmals umgebaut und dann 1881 zum "Konzerthaus Palmengarten".

Am 30. November 1887 wurde im "Konzerthaus Palmengarten" der "Fabrikanten-Verein Hannover-Linden" für die Stadt Linden und Hannover gegründet, heute: Industrie-Club Hannover e.V.

Gruss vom Concerthaus und Palmengarten | 15.07.1902

Wintergarten - Norddeutschlands grösster Bier-Palast
und Concert-Etablissement | 21.02.1905

Ab 1903 wurde aus dem "Konzerthaus Palmengarten" der "Wintergarten - Norddeutschlands grösster Bier-Palast und Concert-Etablissement" und im Oktober 1910 der "Eispalast" (geöffnet von 10 Uhr bis 1 Uhr nachts). Die Kunsteisbahn war 40 x 20 Meter groß und lag auf 7.000 Metern Solerohr.

Von 1904 bis 1907 und auch 1910 fanden im "Eispalast" internationale Ringkampfveranstaltungen statt. Veranstalter war jeweils Carl Spieker. Im Dezember/Januar 1906/07 trat das bekannte Damen-Theater-Varieté-Ensemble "Original Dornfels-Ensemble" aus Leipzig/Sachsen im Wintergarten auf.

Im Frühjahr 1912 wurden aus dem "Eispalast", die "Kammer-Lichtspiele" (Lichtspieltheater). Besitzer war wie auch schon zuvor beim "Eispalast" der Gastronom Carl Spieker. Das Lichtspieltheater hatte rund 1200 Plätze.

Gruss aus dem Wintergarten - Norddeutschlands grösster
Bierpalast und Concert-Etablissement | 12.07.1906

Wintergarten - Norddeutschlands grösster Bier-Palast
und Concert-Etablissement | 06.01.1904

Wintergarten Hannover - 6 Original-Dornfels
Impresario: O. Büttner, Leipzig-R., Hauptstr. 11 | 01.01.1907

Zwischen 1910 und 1915 hatten der "Eispalast" und die "Kammer-Lichtspiele" auch die Anschrift Am hohen Ufer 9. und nach dem Ersten Weltkrieg dann wieder Goethestraße 41. Um 1915 gab es in der Großen Packhofstraße 21., in Hannover-Mitte auch noch das "Cafè Wintergarten".

Im Lichtspielhaus wurde am 18. Oktober 1925 ein Lichtbildvortrag über die Schwierigkeiten von Deutschen Auswanderern in Mittel- und Südamerika gezeigt. 1936 änderte das Kino seinen Namen in "Atrium-Lichtspiele" und nach einer aufwendigen Modernisierung wurde am 2. August 1937 Wiedereröffnung gefeiert. Es gab nun einen neuen Balkon und neue Seitenlogen. Betreiber und Besitzer waren nun der Lindener Kinounternehmer Max Scharnofske und sein Sohn Erich Scharnofske. Vater und Sohn betrieben noch weitere Kinos in Hannover, Hannover-Linden und Niedersachsen.

Hannover Wintergarten - Blick nach dem Balkon und 
den Büffets. Norddeutschlands grösster Bier-Palast
und Concert-Etablissement | 22.01.1907

Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und einigen Abrissen werden die heute noch erhalten gebliebenen Gebäudeteile gewerblich genutzt.

 

 

Hannoverscher Eispalast | 04.03.1911

Hannoverscher Eispalast Besitzer Carl Spieker, Goethestrasse Grösstes und vornehmstes Sport u. Vergnügungs-Etablissement der Residenz | 08.10.1911

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Ausstellungskatalog: Lichtspielträume - Kino in Hannover 1896-1991 | Rolf Aurich, Susanne Fuhrmann, Pamela Müller | Gesellschaft für Filmstudien e.V. (GFS) | 1991
Geschichte der Stadt Hannover II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
1939. Hannovers Weg in den Zweiten Weltkrieg | Wolfgang Steinweg | Verlagsgesellschaft Madsack Hannover | 1989
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Heimatfront Hannover - Kriegsalltag 1914-1918 | Schriften des Historischen Museums Hannover (HMH) | 2014
Nach dem Krieg war immer Theater | Horst Deuker | Projekt - www.lebensraum-linden.de | 2010
Spurensuche am Hohen Ufer: "Vom Mittelalter zur Welfenresidenz" & "Nationalsozialismus, Zerstörung und Wiederaufbau", Vortragsreihe zur Stadtentwicklung Hannovers und zur wechselhaften Geschichte rund um das Hohe Ufer in Hannover. | Michael Pechel MA. | 09/2016 | 10/2016
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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