Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Leibnizhaus | Leineschloss
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Leibnizhaus | Leineschloss

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Leibnizhaus

Das Leibnizhaus war ursprünglich ein 1499 erbautes Renaissance-Bürgerhaus, dass nach dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) benannt ist. Leibniz bewohnte das Haus in den Jahren 1698 bis zu seinem Tod 1716. Es wurde 1499 als Fachwerkgebäude für die Patrizierfamilie von Soden in der Schmiedestraße 10 erbaut und 1648 bis 1652 von Hinrich Alfers (?-1658) für den neuen Bewohner, den Kriegssekretär Carol von Lüde, neu errichtet. Dabei wurde es mit einer neuen Fassade im Renaissancestil versehen (nur ein Tonfries des Vorgängerbaus wurde übernommen). Das Gebäude besaß vier Hauptgeschosse, der Giebel war wiederum in vier Geschossen gestaffelt. Der Bildhauer Peter Köster (1621-1669) schuf die Bildwerke am dreigeschossigen Erker. Über dem Fries der Rundbogeneinfahrt stand: "POSTERITATE" ("der Nachwelt").

              

         Leibniz Haus | 28.10.1898                    Leibniz Haus | 25.02.1901                    Leibniz Haus | 07.03.1945

Am 29. September 1698 bezog der Hofrat und Hofbibliothekar Gottfried Wilhelm Leibniz als Leiter der herzoglichen Bibliothek eine Wohnung des Hauses, die ihm Kurürst Georg Ludwig (1660-1727) einrichten ließ. Zuvor hatte Leibniz in der Leinstraße gewohnt. Da die neuen Räumlichkeiten wesentlich größer waren, wurde in ihnen auch die Kurfürstliche Bibliothek untergebracht. Leibniz verstarb am 14. November 1716 im Zimmer im ersten Geschoss des Erkers. Danach überführte man die Bibliothek 1719 in das neu errichtete Archivgebäude am heutigen Waterlooplatz.

Das Leibnizhaus | Leibnizzimmer

Leibniz-Denkmal | 22.08.1919

Das bekannte Haus wurde 1844 von König Ernst-August (1771-1851) erworben und damit vor einem drohenden Abriss bewahrt, 1866 wurde es Eigentum des preußischen Staates und ab 1892/93 dann Museum des Kunstgewerbevereins. Vorher hatte es Albrecht Haupt (1852-1932) zwischenzeitlich von allen Anbauten befreit. Das Leibnizhaus, dieser Name bürgerte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. ein hatte seine besondere "Weihe" nicht nur dadurch, dass es als eines der ältesten und schönsten Häuser des alten Hannover galt, sondern auch dadurch dass der Philosoph Leibniz hier lebte und starb.

August Wilhelm Iffland (1759-1814), Schauspieler, Dramatiker und Theaterintendant

Im zweiten Geschoss des Erkers im Leibnizhaus wurde 1759 der spätere Schauspieler, Dramatiker und Theaterintendant August Wilhelm Iffland (1759-1814) geboren. August Wilhelm Iffland wurde als zeitgenössischer Darsteller Schillerscher und Shakespearescher Helden im Berliner Theater bekannt. Unter seiner Leitung entwickelte sich Berlin zu einer der führenden Theaterstädte Deutschlands.

Kaiserstraße

Die Kaiserstraße war eine enge Gasse, die rechts neben dem Leibnizhaus in Richtung Kreuzkirche verlief. Die Gasse wurde um 1700 nach Jürgen Kaiser, der von 1652 bis 1689 dort ein Haus besaß, benannt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Gasse/Kaiserstraße durch Luftangriffe auf Hannover größten Teils zerstört. Die Kaiserstraße wurde 1973 nach dem Theologen und Reformator Anton Corvinus (1501-1553), in Corvinusweg umbenannt.

Kaiserstraße mit Leibnizhauserker | 03.06.1938

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau des Leibnizhauses

Das Gebäude wurde 1943 während des Zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff zerstört und mit originalgetreuer Fassade am Holzmarkt, an anderer Stelle wieder errichtet. Die am Holzmarkt 1981 bis 1983 nachgebildete Renaissance-Fassade des Architekten Wilfried Ziegemeier mit Bildwerken von Georg Arfmann ist sehr gelungen, besonders der reiche Bildschmuck des Erkers. Dargestellt werden eine Reihe biblischer Motive: die Erschaffung Evas, Adam und Eva unter dem Baum (samt Wachhund), die Vertreibung aus dem Paradies, Kain und Abel, Isaaks Opferung, Jakobs Traum, Venus und Amor, Christus in Gethsemane, Judith mit dem Haupt des Holofernes, das Urteil Salomos, Simson und der Löwe, David und Goliath.

Zwischen den Darstellungen finden sich Selbstporträts von Bildhauern und Architekten; so trägt der Hellebardenträger auf der Spitze die Züge des Architekten Jochen Steinberg aus dem Büro des Architekten Wilfried Ziegemeier, der zusammen mit Arfmann für die Rekonstruktion verantwortlich war.

 

Der Neubau wird als Gäste- und Veranstaltungshaus der hannoverschen Hochschulen genutzt und von der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover verwaltet. In den Wohnungen leben, Gastwissenschaftler aus aller Welt. In den übrigen Räumen finden Tagungen und Veranstaltungen der hannoverschen Hochschulen statt. Eine kommerzielle Nutzung ist nicht möglich. In einem abgeteilten Bereich des großen Veranstaltungsraumes befindet sich eine kleine Ausstellung über das Wirken und Leben von Gottfried Wilhelm Leibniz, darunter auch ein Nachbau der Rechenmaschine Leibniz‘s.

Heute steht am ursprünglichen Standort des Leibnizhauses in der Schmiedestraße 13. ein Brauhaus und ein Parkhaus.

Das Leibnizhaus | Römmler & Jonas | CDV | 1896

Das Leineschloss

Die Geschichte des Leineschloss geht auf ein um 1300 gegründetes Minoritenkloster auf einem Gelände mit dem Namen Münchehof, das innerhalb der Stadtmauer Hannovers direkt an der Leine lag. Es wurde bei der Reformation 1533 säkularisiert. Das Schloss entstand ab 1637 auf Betreiben von Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg-Calenberg (1582-1641) auf der Grundlage des Klosters. Zugrunde lag die welfische Erbteilung von 1635, bei der Herzog Georg Hannover zur Residenz gewählt hatte. Bei der Umgestaltung vom Kloster zum Schloss blieb nur die Kirche erhalten, die mit Abschluss der Arbeiten 1642 als Schlosskirche geweiht wurde. Das Schloss war ein Fachwerkbau, der aufgrund der wirtschaftlichen Not während des Dreißigjährigen Kriegs bescheiden ausfiel.

Herzog Johann Friedrich zu Braunschweig und Lüneburg (1625-1679) ließ 1665 eine Fürstengruft und ein Kapuzinerkloster im Schloss einrichten. Es wurden auch die Innenräume prächtiger ausgestaltet. Sein Nachfolger der spätere erste Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg Ernst August (1629-1698) löste 1680 das Kloster wieder auf.

Das Leineschloss stand in der engen Altstadt anfangs wenig repräsentativ eingezwängt zwischen Bürgerhäusern. Ernst August ließ 1680 42 Wohnhäuser auf der gegenüberliegenden Seite der Leine abreißen, um sich im Vorfeld seiner Residenz eine Schlossfreiheit zu schaffen. 1690 wurde auf seine Veranlassung ein hölzernes Opernhaus (an der Stelle des Heutigen Plenarsaals des Landtages) errichtet. Mit 1.300 Plätzen und der prächtigen Ausstattung galt es als das beste Opernhaus in Europa. Ab 1698 ließ Kurfürst Georg Ludwig (1660-1727), obwohl er als König Georg I. überwiegend in London residierte, die Innenräume des Schlosses ausgestalten.

 

Königliches Schloss Hannover | CDV | ca.1865

Kgl. Residenzschloss | Goldener Saal
Stereofoto | 1911

Königl. Residenzschloss | Römmler & Jonas
CDV | 13.07.1887

Residenzschloß | 26.08.1908

Bekannte Persönlichkeiten besuchten das Schloss, wie Georg Friedrich Händel (1685-1759) als Dirigent von Schloss-Konzerten, Zar Peter der Große (1672-1725), und auch Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736). Eine kleinere Baumaßnahme war der Wiederaufbau des nordwestlichen Kammerflügels 1742, der ein Jahr zuvor abgebrannt war. Die Neugestaltung der Westfassade 1797 gilt als weiterer Bauabschnitt. Durch die Personalunion zwischen Großbritannien und dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg hielten sich Georg Ludwigs Nachfolger immer weniger im Schloss auf. Das Leineschloss blieb dadurch 123 Jahre eine Residenz meist ohne Regenten. Weitere Umbaumaßnahmen zur Umgestaltung des Leineschlosses kamen wegen der französischen Besatzung zwischen 1803 und 1813 nicht mehr zur Umsetzung. Die Besatzungstruppen unter General Édouard Adolphe Mortier (1768-1835) plünderten das Schloss, was in der Folge zur Verwahrlosung führte. Jérôme Bonaparte (1784-1860) schenkte den Bau der Stadt und ließ in ihm eine Kaserne für 3.000 Soldaten einrichten. Nach der Besatzungszeit wurde das Schloss Sitz von Behörden, dann wieder Kaserne. Es entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem großen, aber architektonisch uneinheitlichen Gebäude. Die Schlossanlage hatte größere Ausmaße als heute.

Partie beim Kgl. Residenzschloss | 19.03.1904

Leineschloß | 02.08.1916

Es gab einen Kammer-, einen Leinestraßen-, einen Leineflügel, eine Schlosskirche, ein Regierungsgebäude und mehrere Querflügel. Weitere bedeutende bauliche Veränderungen gehen auf den Einfluss des Hofarchitekten Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) zurück. Die durch den Wiener Kongress gesteigerte Bedeutung des Königreichs Hannover machte einen repräsentativen Bau für das Königreich notwendig. Laves gab dem Schloss durch Umbauten zwischen 1816 und 1844 seinen klassizistische Stil. Die Leineseite des Schlosses entspricht mit ihren drei Ebenen und dem Mansarddach eher dem Barockstil. Klassizistisch ist auch der große Portikus (Säulenvorbau) an der Leinstraße mit sechs korinthischen Säulen und einem flachen Dreiecksgiebel. Dieser trägt das Wappen des damaligen hannoverschen Königshauses. Als besonderes Bauelement, das durch Laves geschaffen wurde, ist der zur Leine vorspringende Wintergarten. Königin Friederike (1778-1841) regte ihn 1839 für ihre Pflanzen an. Heute ist im ehemaligen Wintergarten das Arbeitszimmer des Landtagspräsidenten untergebracht. Die Annexion Hannovers durch Preußen wurde 1866 feierlich im Leineschloss verkündet. Das Schloss wurde vereinnahmt und sein bisheriger Herrscher König Georg V. (1819-1878) ging ins Exil. Im Leineschloss erhielten preußische Einrichtungen ihren Sitz, auch ein Wohnbereich für Übernachtungen von Kaiser Wilhelm II. (1859-1914), der hier etwa 20-mal weilte.

Die Schlosswache | 30.02.1904

Besichtigung der Ehrenkompanie 
des Kaiser auf dem Schloßplatz | 10.10.1907

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs kam es am 26. Juli 1943 zu einem Luftangriff von us-amerikanischen B-17 Bombern auf Hannover. Es fielen etwa 25.000 Brandbomben auf die Innenstadt und trafen das Schloss an rund 100 Stellen. Dadurch brannte es bis auf die Außenmauern aus. Der Brand zerstörte viele Kunstschätze in den prächtigen Räumen. Darunter war der 1688 fertiggestellte Rittersaal für große Festlichkeiten, dessen Wände und Decken mit Barockdekor geschmückt waren. Zerstört wurde auch das Wohnzimmer des Kaisers, der sich 1889 letztmalig im Leineschloss aufhielt. Weitere bedeutende Räume waren das Schreib- und Wohnzimmer der Kaiserin, der Thronsaal und der Tanzsaal. Bei einem weiteren Luftangriff am 8. Oktober 1943 richtete die Druckwelle einer Luftmine weitere, schwere Schäden an.

Kleiner Festsaal | 19.08.1928

 Thronsaal | 1928

Niedersächsischer Landtag (NL)

Der, von der britschen Militärregierung am 23. August 1946 (eine Woche vor Gründung des Landes Niedersachsen) ernannte, Hannoversche Landtag tagte im Neuen Rathaus. Da nach der ersten Landtagswahl 1947 die Räume im Neuen Rathaus zu klein für die 149 Abgeordneten wurden, zog man in die Stadthalle Hannover um. Die erste Sitzung fand am 13. Mai 1947 statt. In den Jahren von 1947 bis 1961 tagte der Niedersächsische Landtag (NL) nun provisorisch im „Weißen Saal“ der Stadthalle. Da auch hier der Platz sehr beengt war, es gab weder Nebenräume für die Arbeit der Fraktionen und Ausschüsse noch Presse- und Publikumsbereiche zog der Landtag nach umfangreichen Aufbau- und Umbauarbeiten 1962 in das Leineschloss

Der hannoversche Architekt und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht (1910-1999) schlug 1948 vor, dass Leineschloss als Sitz des Landesparlament des neu gegründeten Land Niedersachsen zu nutzen. Der Grund lag darin, nach dem Krieg das Regierungsviertel mit seinen Ministerien in dem Gelände rund um den Waterlooplatz entstehen zu lassen. Damit bestand eine räumliche Nähe zwischen Regierung und Parlament. Entscheidend war auch die Nähe zur Altstadt, dem Herz von Hannover. Die Stadt Hannover verzichtete 1949 auf das Nutzungsrecht am Schloss zugunsten des Parlaments. Erst 1956 beschloss das Parlament, das Leineschloss wiederaufzubauen. Dafür wurden zunächst am 5. Dezember 1957 aus der Fürstengruft der Schlossruine die Sarkophage der Welfen in das Welfenmausoleum nach Hannover-Herrenhausen überführt. Bis zu ihrem Wiederaufbau in den Jahren 1957 bis 1962 durch den Architekten und Hochschullehrer Dieter Oesterlen (1911-1994) war die Schlossanlage eine Ruine. An die Stelle des zerstörten Opernhauses wurde der Plenarsaal gebaut.

Leine-Schloss | 17.01.1967

Leineschloß | 19.03.1932

Der Repräsentationssaal des Leineschlosses wurde 2005 dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) gewidmet, der mit der Stadt Hannover und dem Schloss eng verbunden ist. Gottfried Wilhelm Leibniz bewohnte 12 Jahre lang das Leineschloss. 2007 wurde neben dem Haupteingang ein Denkmal zu Ehren des niedersächsischen, politischen Dichters Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) eingeweiht. Es handelt sich um einen mit Zitaten beschrifteten Torbogen, an dem ein Bronzerelief des Dichters von Siegfried Neuenhausen hängt.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / CDV / KAB / Postkarten / Stereofoto / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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