Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Lindener Berggasthaus | Wasserhochbehälter | Naturheilverein Prießnitz | Stadion am Lindener Berg

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Archiv - Lindener Berg | Lindener Berggasthaus | Lindener Wasserhochbehälter
Naturheilverein Linden und Umgebung - Naturheilverein Prießnitz | Stadion am Lindener Berg

Das Lindener Berggasthaus

Das Lindener Berggasthaus wurde 1825/26 vom Hofbaurat Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) auf dem Lindener Berg, neben der Lindener Mühle errichtet. Auftraggeber des Berggasthauses war Johann Hinrich Egestorff (1772-1834), genannt „Kalkjohann“. Auf das Dach des Gebäudes wurde ein Panoramaturm aufgesetzt, so hatte man einen Rundblick über ganz Hannover mit seinen Vororten und über das Calenberger Land, bis zum Harz mit seinem Brocken.

Kaffeehaus auf dem Lindener Berg

Lindener Berg - Restauration | 27.06.1900

Das Gebäude wurde 1876 für den Neubau des Wasserhochbehälters abgebrochen. Auf der anderen Straßenseite, Am Lindener Berge 38 entstand ein neues Gasthaus. Dieser Neubau war wegen seiner Sichteinschränkung durch den Wasserhochbehälter nicht ganz so beliebt wie das alte Berggasthaus. Auch das neue Gasthaus hatte eine Panoramaplattform auf dem Dach.

Lindener Wasserhochbehälter

Nachdem das Lindener Berggasthaus abgebrochen war, begann 1876 der Bau des Lindener Wasserhochbehälters (Reservoir), auf dem nun freien Grundstück. Der Hochbehälter, der Hannoverschen Wasserwerke, für die Trinkwasserversorgung aus der Ricklingerfeldmark wurde nach Plänen des Architekten und Stadtbauinspektors Otto/Oskar Heinrich Wilsdorff (1833-1883), seines Mitarbeiters - Architekt August Bües und des ersten Hannoverschen Stadtbaurats, Architekten und Bauingenieurs für Wasser- und Eisenbahnbau Theodor Friederich Rudolph Berg (1823-1883) errichtet. Die Maurerarbeiten führte der Lindener Maurermeister A. Strasse aus. Das Bauwerk ruht auf einer angeböschten, rund 80,0 x 50,0 Meter breiten Terrasse aus Natursteinquadern, über der sich, der 40,0 x 80,0 Meter breite und etwa 8,5 Meter hohe Wasserhochbehälter erhebt. Am 7. November 1878 wurde der festungsähnliche Lindener Wasserhochbehälter mit 10 000 cbm Speichervermögen eingeweiht.

Hochbassin der Wasserwerke | 07.05.1899

Lindener Berg | 11.04.1915

Von der ursprünglich öffentlich zugänglichen Dachterrasse konnten die Besucher durch einen dort zusätzlich aufgebauten Aussichtsturm bis weit über das Calenberger Land blicken. Die Terrasse ist heute nur noch zeitweilig für Besucher der 1968 auf dem Gebäude errichteten Volkssternwarte geöffnet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Hochbehälter durch eine Fliegerbombe beschädigt. Danach wurde der Dachaufbau vereinfacht und ohne den Aussichtsturm wieder aufgebaut.

Da der Wasserhochbehälter 1977 undicht wurde, wurde er außer Betrieb gesetzt. Da die Kosten für einen Abriss und Neubau mit den Kosten für einen Umbau und einer Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes abgewägt worden waren, wurde der Behälterbau 1983/84 von oben geöffnet und entkernt. Dabei wurde die technische Innenausstattung durch den Einbau von zwei Stahlbetonwannen ersetzt. Auch das Dach wurde leicht erhöht wieder verschlossen. Seit 1983 konnte das Gebäude dann wieder als Ausgleichsbehälter genutzt werden, nun jedoch mit einem Fassungsvermögen von 13 000 cbm.

Die Volkssternwarte erhielt 1986 zum Gedenken an die beiden hannoverschen Astronomengeschwister Wilhelm Herschel (1738-1822) und Karoline Herschel (1750-1848) ihren heutigen Namen, "Volkssternwarte Geschwister Herschel". Sie bietet regelmäßig Himmelsbeobachtungen und astronomische Vorträge an, man zählt mehr als 1000 Besucher pro Jahr.

Von Mitte 2008 bis Mai 2009 wurde der Hochbehälter nochmals aufwendig saniert. Seit der letzten umfassenden Sanierung waren 25 Jahre vergangen. Witterungsbedingt waren entlang der gesamten Gebäudehülle Teile des Mauerwerks undicht geworden und die Dachabdichtung war ebenfalls erneuerungsbedürftig. Die Sanierung des Gebäudes kostete 650.000 €.

Naturheilverein Linden und Umgebung | Naturheilverein Prießnitz

Der Naturheilverein Linden und Umgebung wurde 1890 gegründet und hatte 110 Mitglieder. Der Verein pachtete auf dem Lindener Berg ein Grundstück, auf dem sich seine Mitglieder erholen konnten. Innerhalb von zehn Jahren wuchs die Mitgliederzahl auf 1000 Vereinsmitglieder an und der Verein nannte sich nun "Naturheilverein Prießnitz". Damit war er einer der zehn größten Naturheilvereine im Deutschen Kaiserreich. Der Namensgeber des Vereins, Vincenz Prießnitz (1799-1851) war Landwirt und Naturheiler aus Österreich. Er gilt als Erneuerer der Kaltwasserkur in Österreich und Deutschland.

Neben der Erholung auf dem Vereinsgelände standen auch Vorträge und naturheilkundliche Anwendungen im Vordergrund. 1911 errichteten die Vereinsmitglieder ein provisorisches Vereinshaus auf ihrem Gelände am Lindener Berg, dass 1928 durch ein größeres Gebäude mit einem Veranstaltungssaal ersetzt wurde. Nun konnten die verschiedenen Veranstaltungen auch bei schlechtem Wetter ganzjährig stattfinden.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 drohte dem Naturheilverein Prießnitz die Gleichschaltung oder sogar seine komplette Auflösung. Daraufhin beschloss der Vorstand den Posten des Vereinsvorsitzenden an ein Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zu vergeben. Somit konnte die Vereinsarbeit, Weitgehens von den Nationalsozialisten, unbehelligt bis zum Kriegsbeginn im September 1939 weitergeführt werden.

Naturheilverein Prießnitz (1890) Lindener Berg

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Mitglieder sofort mit dem Wiederaufbau des Naturheilvereins Prießnitz.

Als 1968 die Fannystraßenhäuser in Hannover-Linden abgerissen wurden und deren Bewohner zum Teil umgesiedelten, verlor der Naturheilverein viele seiner Mitglieder. Der 100. Vereinsgeburtstag des Naturheilvereins Prießnitz wurde 1990 gefeiert. Nachdem das Vereinsgebäude abgerissen wurde, nutzen heute die Funkamateure des “Deutschen Amateur-Radio-Clubs - Hannover Schwarzer Bär“, in einem Container auf dem Gelände, ein Teil des Grundstücks auf dem Lindener Berg.

Stadion am Lindener Berg

Das Stadion am Lindener Berg, auch Lindener Stadion genannt, ist die Austragungsstätte der Heimspiele des Vereins SV 1907 Linden, auch bekannt als Linden 07. Das Stadion liegt in Hanglage am Lindener Berg (89 m über NN), es bietet etwa 4.000 Zuschauern Platz, davon ca. 1.000 Sitzplätze auf einer erhöhten Tribüne an der Bergseite. In der Nähe befinden sich das Vereinsheim des Vereins SV Linden 07 und weitere Sportplätze, darunter Tennisplätze und die Sporthallen der Integrierten Gesamtschule Hannover-Linden (IGS Linden).

Die Planungen für das Stadion begannen noch vor dem Ersten Weltkrieg. Georg August Hermann Lodemann (1869-1944), Lindens damaliger Bürgermeister, hatte die Idee zu einer durchgehenden, parkähnlichen Anlage am Lindener Berg. Der Magistrat der Stadt Linden beschloss aber mehrheitlich den Bau einer Sportanlage. Linden hatte zu dieser Zeit nur einen Sportplatz an der Salzmannstraße. Der Erste Weltkrieg verzögerte den Bau der Anlage, die Arbeiten sollten im Herbst 1914 beginnen, um ganze fünf Jahre. Ende 1919 wurde dann endlich mit dem Bau nach Plänen des Baurats Friedrich Behrens durch die Lindener Stadtgärtnerei begonnen. Am 1. Januar 1920 war die Stadt Linden nach Hannover eingemeindet worden.

Lindener Berg mit Stadion | 07.05.1928

Hannover-Linden - Stadion

Im Mai 1920 wurden die Pläne durch Hannovers Stadtbaurat Paul Wolf (1879-1957) nochmals geändert. Auch der damalige Gartenkünstler und Hannoversche Stadtgartendirektor Hermann Kube (1866-1944) hatte maßgeblichen Anteil, an der Gestaltung der Anlage. Hermann Kube war von 1913 bis 1934 Stadtgartendirektor in Hannover und legte von 1913 bis 1914 den Stadthallengarten an, den er 1933 zur Jahresschau Deutscher Gartenkultur und Landschaftspflege (JaDeGa) erweiterte.

Am stillgelegten Steinbruch wurde eine 69,0 m mal 21,0 m große Rampe für die Tribüne aufgeschüttet. Auf ihren 20 Stufen befanden sich 700 Sitz- und 3.000 Stehplätze. Die fortschreitende Inflation machte den Bau von Sanitäranlagen erst einmal unmöglich. Auch ein geplanter Kiosk sowie ein Kartenhäuschen und Sportgeräte konnten bis 1928 nicht angeschafft werden.

Volkspark Linden - Lindener Stadion

Am 22. April 1922 beschloss der Magistrat, der Stadt Hannover die fertige Sportanlage „Volkspark Linden“, zunennen. Aber die Lindener gaben dem Volkspark schnell, den Namen „Lindener Stadion“. Es gab mehrere Eröffnungsfeiern, getrennt nach politischen Lagern. Am 18. Juni 1922 feierten die Arbeitersport-Vereine Lindens, die bürgerliche Presse berichtete nicht über die Feierlichkeiten. Eine Woche später wurde der Park durch den Turnverein MTV von 1874 eingeweiht - die Presse berichtete.

Hannover-Linden - Stadion

Hannover-Linden, Stadion | 01.08.1932

Aufmarsch- und Appellplatz

Es fanden nicht viele Großereignisse im Lindener Stadion statt. Zum Ende der Weimarer Republik wurde das Gelände häufig als Aufmarsch- und Appellplatz der Eisernen Front genutzt. Höhepunkt war eine Versammlung der Eisernen Front mit fast 30.000 Teilnehmern, vor und im Lindener Volkspark. Am 19. Februar 1933 marschierten unter Polizeischutz die Sturmabteilung (SA) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), die Schutzstaffel (SS) und die Hitler Jugend (HJ) über den Schwarzen Bären zum Lindener Stadion. Die letzte öffentliche Versammlung der Eisernen Front in Hannover fand am 3. März 1933 im Lindener Stadion statt. - Die Eiserne Front war ein Zusammenschluss des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), des Allgemeinen freien Angestelltenbundes (Afa-Bund), der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und des Arbeiter Turn- und Sportbundes (ATSB) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland.

Schlageter-Kampfbahn

Der Lindener Volkspark wurde am 26. Mai 1933 in Schlageter-Kampfbahn umbenannt. Albert Leo Schlageter (1894-1923) war Widerstandskämpfer gegen die belgisch-französische Ruhrbesetzung 1923, Angehöriger verschiedener Freikorps und Mitglied der NSDAP-Tarnorganisation Großdeutsche Arbeiterpartei (GDAP). Während der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus galt er als Märtyrer. Am 13. Todestag Albert Leo Schlageters, am 26. Mai 1934 weihte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) einen Schlageter-Gedenkstein ein. Der Stein befand sich an der halbrunden Ausbuchtung an der Kastanienumpflanzung am Nebenplatz. Die Festrede hielt der Oberpräsident und Staatsrat Viktor Lutze (1890-1943).

Das Stadion diente auch als Freilichttheater. Die Zuschauer sahen von Bänken auf dem Spielfeld aus den Aufführungen zu. Nach dem Verbot sämtlicher Arbeitersportvereine nutzte nur noch die katholische Turn- und Sportvereinigung Saxonia von 1912 e.V. und der Lindener Turnverein von 1874 das Stadion. Selten war der SV 07 Linden Nutzer der Anlage. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs begann man mit der militärischen Nutzung der Sportanlage. Vom 20. bis 26. September 1937 führten Einheiten der Luftwaffe Verdunkelungsübungen durch. Von September 1939 bis Februar 1940 befand sich die Schreibstube der 5. Batterie des Fliegerhorst Langenhagen im Stadion.

Blick vom Lindener Berge auf Stadion u. Hanomag
11.04.1940

 

Hanomag - Egestorff Denkmal | 19.01.1939
(unten das Egestorff-Denkmal im Volkspark Linden)

Hanomag Stadium | Lindener Stadion und Speedway-Bahn

Nach dem Krieg benannte die britische Besatzungsmacht, die Schlageter-Kampfbahn nach der benachbarten HANOMAG AG, in Hanomag-Stadium um. Für den zivilen Einsatz erhielt das Stadion im Juli 1948 von der Stadt Hannover seine ursprüngliche Bezeichnung zurück. Bis 1953 war das Lindener Stadion eine der bekanntesten Speedway-Bahnen Deutschlands. Britische Soldaten gründeten den Saints Hanomag Speedway Club. Auch deutsche Fahrer durften später mitfahren. Die Bahn galt als eine der besten in Deutschland. Außer Motorsport betrieben die Engländer auch Fußball, Rugby und Kricket, ab 1946 durften dann auch wieder deutsche Sportler mitmachen. Nur die Nutzung des A-Platzes behielten sich die Engländer vor.

Mehr zur Speedway-Bahn von Kurt Rößiger unter: Britisches Sandbahnrennen und deutsche Zigarettenraucher auf der Dirt-Track-Motorradrennbahn am Lindener Berg

Fußballverein SV Linden 07 und neue Tribüne

Mitte der 1950er-Jahre verlor der Fußballverein SV Linden 07 seinen Sportplatz an der Fösse durch den Neu- und Ausbau des Fösse-Bades. Der Verein sollte später eine neue Anlage am Fösseweg bekommen. Da dies aber nicht verwirklicht werden konnte zog der Fußballverein in das Lindener Stadion.

Die alte Stadiontribüne wurde 1974 abgerissen und in den Kalksteinbruch wurde Platz für eine größere Tribüne gesprengt. Die neue Tribüne aus Waschbeton erstreckt sich mit 3.000 unüberdachten Sitzplätzen über die gesamte Länge des Platzes. Im Innern befinden sich die zwei Sporthallen der Integrierten Gesamtschule Hannover-Linden (IGS Linden).

Im Stadion am Lindener Berg wurden seit 1945 Rugby Meisterschaftsend-, Länder- und Europapokalspiele ausgetragen. Die Tribüne musste 2004 wegen gravierender Baumängel geschlossen werden und 2007 wurde mit der Sanierung der Tribüne und der Sporthallen begonnen. Die Sanierung ist inzwischen abgeschlossen worden.

Clubheim SV von 1907 Linden e.V.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Erholung für Arbeiterfamilien - der Naturheilverein Prießnitz
| Torsten Bachmann - Freier Journalist | Lindener Geschichte | 2011
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Hannoversche Geschichtsblätter | Band 13 Heft 1/2 | Druck und Verlag Hahnsche Buchhandlung | 1959
Hannoversche Geschichtsblätter - Die Geschichte der Fußballstadien in Hannover | Christian Wolter | Band 60 | Druck und Verlag Hahnsche Buchhandlung | 2006
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II. | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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