Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Lindener Gewerbe- Handel und Industriebetriebe

1837-1940 Mechanische Weberei zu Linden, später Lindener Samt-Union G.m.b.H.
1853-1929 Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei Hannover-Linden

1837-1940 Mechanische Weberei zu Linden, später Lindener Samt-Union G.m.b.H.

Die beiden Bankiers Adolph Meyer (1807-1866) und Alexander Abraham Cohen, sowie die hannoverschen Kaufleute Carl Domeyer und Georg Heinrich Wessel (1791-1873) kauften 1837 ein Ufergrundstück am linken Ufer der Ihme und begannen mit dem Bau von Fabrikgebäuden zur Einrichtung einer mechanischen Baumwollweberei. Die Fabrikation wurde im Frühjahr 1839 mit ca. 60 mechanischen Webstühlen aus dem Elsass in den Fabrikhallen an der Blumenauer Straße 7-12. aufgenommen. Der markante und höchste Fabrikschornstein der Mechanischen Weberei zu Linden wurde 1838 vom späteren Architekten und Hochschullehrer Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) im Rahmen seiner Maurerlehre, gemeinsam mit einem Gesellen errichtet.

Der Kaufmann Martin Mengers (1824-1915) war 1850 Direktor der Mechanischen Weberei. Unter seiner Leitung wurden die elsässischen Webstühle durch englische ersetzt und dadurch die Herstellung von Baumwollsamtgeweben möglich. 1873 gründete er die später von der Mechanischen Weberei zu Linden übernommene Berliner Velvetfabrik M. Mengers & Söhne AG.

Mechanischen Weberei | 16.06.1899

Mechanische Weberei zu Linden | 05.08.1916

Die beiden Geschäftspartner wurden 1853 durch Adolph Meyer ausgezahlt und 1854 entstand gegenüber der 1853 ebenfalls von Adolph Meyer und Alexander Abraham Cohen gegründeten Hannoverschen Baumwoll-Spinnerei und Weberei Hannover-Linden die "Arbeiterkolonie Fannystraße". Benannt wurde die Kolonie nach Fanny Meyer, geb. Königswarter (1804-1861) der Ehefrau Adolph Meyers. In den Jahren 1854/55 und 1857/58 wurden die alten Fabrikgebäude der Mechanische Weberei zu Linden durch Neubauten ersetzt und es wurde eine Dampfmaschine mit 500-PS Leistung angeschafft. Architekt der Neubauten war der Architekt und Hochschullehrer Heinrich Ludwig Debo (1818-1905). Am 17. Februar 1858 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (AG) unter Übernahme der bestehenden Firma mit einem Grundkapital von 3,6 Mio. Mark. Ein Nachbargrundstück wird 1860 durch das Unternehmen erworben und dort ein neues Sengerei- und Trockengebäude errichtet.

Von englischen Arbeitern wird 1862 der Gesangverein "Klub Viktoria" gegründet. 1909 zählte der Klub 115 Sänger.

Nach dem, durch den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) hervorgerufenen Rohstoffmangel, übernahm 1865 der Geheime Kommerzienrat Wilhelm Peter Berding (1833-1918) die Leitung der Mechanischen Weberei zu Linden. Er war auch einer der Mitbegründer des am 30. November 1887 gegründeten "Fabrikanten-Vereins Hannover-Linden" für die Stadt Linden und Hannover, heute: Industrie-Club Hannover e.V. Die 1928 angelegte Berdingstraße in Linden-Nord wurde nach Wilhelm Peter Berding benannt. 1866 betrieb die Mechanische Weberei rund 900 Webstühle.

Bauplan der Mechanischen Weberei zu Linden

Adplph Meyer stirbt und seine Söhne übernehmen die Firma

Am 10. April 1866 starb Adolph Meyer im Alter von 59 Jahren in Hannover. Beerdigt wird er, und später auch seine Frau Fanny Meyer auf dem alten jüdischen Friedhof an der Oberstraße, in der Hannover-Nordstadt. Es ist der jüngste Grabstein auf dem Friedhof. Die Mechanische Weberei zu Linden und seine anderen zahlreichen Unternehmen wurden nun von seinen Söhnen Sigmund Meyer (1840-1911), der 1870 zum preußischen Kommerzienrat ernannt wurde und dessen Bruder Emil Meyer (1841-?) weitergeführt. Sigmund Meyer gründete 1883 auch die Actien-Zuckerfabrik Linden-Hannover am Schlorumsweg 18., in Hannover-Ricklingen, am Bahnhof Fischerhof. Später ging die Zuckerfabrik in der Actien-Zuckerfabrik Neuwerk in der Region Hannover auf.

Adolph Meyer (1807-1866), Bankier und Unternehmer in Linden

Adolph Meyer wurde am 5. Januar 1807 in Hannover geboren und stammte aus der jüdischen Bankiersfamilie um Simon Meyer aus Hannover. Er heiratete Fanny Meyer geb. Königswarter (1804-1861); die Tochter des Fürther Bankiers Simon Königswarter (1774-1854). Das Ehepaar hatte acht Kinder: Lisette (1830-?), Bertha (1832-1885), Wilhelm (1836-?), Charlotte (1837-?), Sigmund (1840-1911), Emil (1841-1899), Friederike (1842-?) und Albert (1844-?). Sein Großvater war der aus Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern stammende Meyer Joseph Schwerin (gestorben am 17. Dezember 1796 in Hannover).

Adolph Meyer gründete 1837 zusammen mit dem Bankier Alexander Abraham Cohen sowie den hannoverschen Kaufleuten Carl Domeyer und Georg Heinrich Wessel (1791-1873), die erste mechanische Baumwollspinnerei im Königreich Hannover, die Weberei an der Ihme, an deren Stelle sich heute das Ihme-Zentrum befindet. Er kaufte 1845 die Messinghütte in Reher bei Aerzen im südlichen Niedersachsen und gründete auf dem Gelände eine Zementfabrik und eine Maschinenfabrik. Danach gründete er dort eine Zwirnfabrik, eine Weberei, eine Bleicherei und eine Wollspinnerei. Er verlagerte 1860 die expandierende Landmaschinenfabrik nach Aerzen und gründete dort 1864 die Aerzener Maschinenfabrik. 1853 gründeten Alexander Abraham Cohen und Adolph Meyer mit einem Aktienkapital von 1 Mio. Taler in Linden, neben der Mechanischen Weberei zu Linden, auf dem Gelände des heutigen Heizkraftwerks Hannover-Linden die Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei Hannover-Linden. Gegenüber der Spinnerei entstand 1854 die Arbeiterkolonie Fannystraße, benannt nach seiner Ehefrau Fanny Meyer. Am 10. April 1866 starb Adolph Meyer im Alter von 59 Jahren in Hannover.

Die Allgemeine Zeitung des Judenthums vom 22. Mai 1866 schrieb folgendes:

Am 13. des Monats wurde der insbesondere durch seine Verdienste um die Entwickelung der Industrie in unserem Lande in weiten Kreisen wohl bekannte Banquier Adolph Meyer beerdigt. Der Verstorbene errichtete in Gemeinschaft mit Herrn Alexander Abraham Cohen die erste Maschinenweberei in unserem Königreiche, die sogenannte mechanische Weberei in Linden, die nach dem Anschlusse Hannovers an den Zollverein einen höchst erfolgreichen Aufschwung nahm.

Arbeiterstreik und Bau der Werkssiedlung

Am 29. Juli 1868 beginnen ca. 1000 Arbeiter der Mechanischen Weberei zu Linden einen zweiwöchigen erfolglosen Streik für mehr Lohn. Englische Studenten und kaufmännische Angestellte der Weberei gründen 1870 einen Ruderclub, den "Britannia Rowing Club Hanover". Von 1872 bis 1874 errichtet man für die Arbeiter, an der Velvetstraße, eine Werkssiedlung mit dreißig Häusern. Velvet hieß der fein verarbeitete Baumwollstoff. Die Arbeitersiedlung auf dem heutigen Pfarrlandplatz wurde 1970 für den Bau des "Seniorenwohnheims - Werner-Blumenberg-Haus" zwischen Velvet- und Pfarrlandstraße abgerissen.

Seit 1874 gab es eine Kinderkrippe mit Stillraum in der Fabrik. Ziel war die gesunde Entwicklung von Kindern und zufriedenere und motiviertere Arbeiterinnen. Im gleichen Jahr wurden ca. 1.500 Menschen beschäftigt und bis 1885 verdoppelte sich die Gesamtzahl der Beschäftigten auf rund 3.000, darunter waren viele Zuwanderer aus dem Eichsfeld/Thüringen und dem Harz.

Auszeichnungen

Die Mechanische Weberei zu Linden wurde 1854 mit der goldenen Staatsmedaille auf der Industrie-Ausstellung in München und 1859 in Hannover ausgezeichnet. Medaillen gab es auch auf den Weltausstellungen 1855 und 1867 in Paris/Frankreich, 1862 in London/England, 1873 in Wien/Österreich und 1876 auf der Centennial International Exhibition in Philadelphia/USA. 1878 bekam die Mechanische Weberei zu Linden als höchste Auszeichnung, das Ehrendiplom in Hannover.

Die Mechanische Weberei ist einer der größten Industriebetriebe in der Region

Die Mechanische Weberei war 1890 einer der größten Industriebetriebe in der Region. Jährlich wurden rund 7.000.000 Meter Velvet und rund 1 Million Meter Englisch-Leder (ein Gewebe-Leder) hergestellt. Die Produktion führte ebenso wie die der benachbarten Hannoverschen Baumwoll-Spinnerei und Weberei zu einer starken Verschmutzung der Flüsse Ihme und Leine.

Mechanische Weberei zu Linden. Hannover-Linden | ca. 1923-1925

Julius Gumpel (1865-1942), Wirtschaftsführer, Kommerzienrat, Bankier und Unternehmer

Der jüdische Wirtschaftsführer, Kommerzienrat, Bankier (Bankhaus Gumpel und Bankhaus Ephraim Meyer & Sohn), und Unternehmer in der Kaliindustrie Julius Gumpel (1865-1942) war um 1890 Aufsichtsratsvorsitzender der Mechanischen Weberei zu Linden. Julius Gumpel wurde wegen seiner jüdischen Herkunft nach der "Machtergreifung" durch die Nationalsozialisten 1933 verfolgt und enteignet. 1942 wurde er zunächst in das Ghetto Theresienstadt/Tschechien deportiert und von dort aus in das Vernichtungslager Treblinka, nordöstlich von Warschau, in Polen verschleppt, wo er Ende September 1942 umgebracht wurde.

Bescheinigungsbuch über die Invaliden- und Alterversicherung für Conrad Seegers

Bescheinigungen über die Endzahlen aus der Aufrechnung der Quittungskarten für den Zimmermann Conrad Seegers, geboren am 9. September 1845 in Gleidingen. Der Magistrat der Stadt Linden 1891-1894. Die Betriebskrankenkasse der Mechanischen Weberei zu Linden 1895-1896.

Bescheinigungsbuch über die Invaliden- u. Alterversicherung für Conrad Seegers.

Das Original-Bescheinigungsbuch wurde am 23. Juni 2008 von Andreas-Andrew Bornemann - www.postkarten-archiv.de als Schenkung/Spende an die Lindener Geschichtswerkstatt, Lindener Stadtteil-Archiv zur Stadtgeschichte Lindens, Geschichtskabinett zur Arbeiter-Kulturbewegung im Freizeitheim Linden der Otto Brenner Akademie - Treffpunkt der Generationen Hannover e.V. übergeben.

Neue Streiks | Neuer Aufsichtsratsvorsitzender und Generaldirektor

Das Unternehmen übernahm 1902, nach Auszahlung der Teilhaber, die 1855 gegründete Mechanische Baumwollspinnerei und Leinenweberei in Oggersheim bei Ludwigshafen am Rhein, in Rheinland-Pfalz. Auch 1905 wird wieder bei der Mechanischen Weberei zu Linden für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn gestreikt. Ab 1906 war der jüdische Unternehmer Joseph Berliner (1858-1938) Aufsichtsratsvorsitzender der Mechanischen Weberei. 1909 wird der Industrieverbandsfunktionär und Unternehmer Carl Uebelen (1872-1930?) Generaldirektor. Das Unternehmen beschäftigte 1913 rund 2.400 Mitarbeiter.

Stereofoto | Baumwollweberei Linden, Websaal | 01.1905

Joseph Berliner (1858-1938), Fabrikant und Unternehmer

Der jüdische Fabrikant und Unternehmer Joseph Berliner war ab 1906 Aufsichtsratsvorsitzender der Mechanischen Weberei zu Linden. Joseph Berliner wurde am 22. August 1858 in Hannover geboren und war Gründer der 1881 gegründeten J. Berliner, Telefonfabrik in der Hannover-Nordstadt. Er wandelte 1898 sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft (AG) um und gründete noch im gleichen Jahr, am 6. Dezember 1898, mit seinem Bruder Emil Berliner (1851-1929), er gilt als Erfinder der Schallplatte und des Grammophons, die Deutsche Grammophon Gesellschaft zur Herstellung von Schallplatten in Hannover-Klein-Buchholz.

Joseph Berliner wohnte ab 1895 in der Villa Simon am Königsworther Platz, in der Calenberger-Neustadt. 1914 wurde er zum Kommerzienrat und 1921 zum Handelsrichter ernannt. Erster Vorsitzender der Synagogengemeinde zu Hannover wurde er 1921 und veranlasste den Bau des jüdischen Friedhofs in Hannover-Bothfeld. Er selbst ist auf dem Jüdischen Friedhof An der Strangriede (Hannover-Nordstadt), beerdigt worden. Sein Grabmal entwarf der Architekt Wilhelm Mackensen (1869–1955).

Carl Friedrich Uebelen (1872-1930?), Industrieverbandsfunktionär und Unternehmer

Carl Friedrich Uebelen wurde am 26. August 1872 in Lörrach, in Baden-Württemberg geboren. Nachdem er eine kaufmännische Lehre in Genf/Schweiz absolvierte, vervollständigte er seine Ausbildung in verschiedenen Unternehmen in Österreich, Frankreich und England. Nachdem er zeitweilig Teilhaber der Firma Heymann, Welter & Co in Berlin gewesen war, wurde er 1909 Generaldirektor der Mechanischen Weberei zu Linden.

1913 wurde er zum Kgl. Preuß. Kommerzienrat ernannt. Unter seiner Leitung wurden die Konkurrenzunternehmen für die Samtherstellung, die Berliner Velvetfabrik M. Mengers & Söhne AG und die G. A. Fröhlichs Sohn AG in Warnsdorf, in der Tschechoslowakei, unter dem Dach im Konzern vereinigt.

Er war auch Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK-Hannover), Vorsitzender des Präsidiums des Deutsch-Amerikanischen Wirtschaftsverbandes in Berlin und Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Textilindustrie in Hannover. Er war Vorstandsmitglied des Reichsverbandes der Deutschen Industrie in Berlin und Mitglied und Beigeordneter des Bezirksausschusses Hannover der Deutschen Reichsbank.

Als Vorsitzender des Aufsichtsrates fungierte er auch bei der Spinnerei Haagen & Rötteln AG in Baden-Württemberg.

Lindener Cord für Sportbekleidung
Reithosen - auch für Militär - Deutsches Erzeugnis
Mechanische Weberei zu Linden | 08.07.1915

Aufsichtsratsmitglied war Carl Friedrich Uebelen auch bei der Bank für auswärtigen Handel AG und der Deutschen Kreditsicherungs AG, beides in Berlin, sowie bei der Voigt & Haeffner AG in Frankfurt am Main/Hessen und der Vereinigten elektrotechnischen Fabriken F. W. Busch und Gebrüder Jaeger AG in Lüdenscheid/Nordrhein-Westfalen. Er starb nach 1930.

Der Erste Weltkrieg

Durch Einberufungen zum Kriegsdienst während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) kam es bei der Mechanischen Weberei zu Personalengpässen, die durch den Einsatz von Frauen aufgefangen wurden. Die Frauen bekamen allerdings nicht den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen. Während des Krieges betrieb der Zweigverein Hannover des Roten Kreuzes (RK) in der Mechanischen Weberei ein Vereins-Lazarett. Das Lazarett wurde von Diakonissen des Henriettenstiftes geleitet. Es wurden von Anfang Oktober 1915 bis Ende Oktober 1918 auch 20 Kriegsgefangene beschäftigt.

Mechanische Weberei - Vereins-Lazarett
Zweigverein Hannover - Rotes Kreuz | 10.12.1915

Mechanische Weberei - Vereins-Lazarett
Zweigverein Hannover - Rotes Kreuz | 02.12.1916

Übernahmen und Lindener Samt-Union G.m.b.H.

Die Mechanischen Weberei zu Linden erwarb 1926 die Aktienmehrheit an der Berliner Velvetfabrik M. Mengers & Söhne AG. Der Zweck war neben der Ausschaltung, der bisherigen Konkurrenz, die Verminderung der Reklamespesen und sonstigen Unkosten. Die Aktien wurden gegen Barzahlung übernommen. Im April 1927 dehnte das Unternehmen seine Beziehungen in der Velvetindustrie durch die Komplettübernahme der Konkurrenzunternehmen für die Samtherstellung, die Berliner Velvetfabrik M. Mengers & Söhne AG und die G. A. Fröhlichs Sohn AG, Warnsdorf aus. Unter dem Dach der Mechanischen Weberei zu Linden entstand die Lindener Samt-Union G.m.b.H. mit Sitz in der Reichshauptstadt Berlin.

                     

      Lindener Waschsamt | 05.12.1927               Lindener Patent-Manchester             Die beliebte Jacke auf Lindener Samt

Während der Weltwirtschaftskrise 1929 geriet auch die Lindener Samt-Union G.m.b.H. in erhebliche Schwierigkeiten und musste 1932 ein Vergleichsverfahren durchführen. Erst 1934 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden, allerdings in nur bescheidenem Umfang. 1940 wird die Wohlfahrtshilfe für die Gefolgschaft der Mechanischen Weberei zu Linden G.m.b.H. Hannover gegründet. Ende 1940 wird die Lindener Samt-Union G.m.b.H. mit Sitz in Berlin liquidiert.

Die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg hatten 1943 eine fast völlige Zerstörung der Betriebsgebäude zur Folge. Der Betrieb in Hannover-Linden wurde aber erst 1961 eingestellt. Die Gebäude wurden 1972 abgerissen und an ihrer Stelle bis 1975 das Ihme-Zentrum errichtet.

Mechanische Weberei zu Linden | 30.08.1937

1853-1929 Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei Hannover-Linden

Auf Anregung der Bankiers Adolph Meyer (1807-1866) und Alexander Abraham Cohen wurde die Baumwoll-Spinnerei und Weberei mit einem Aktienkapital von 1 Mio. Taler gegründet.

Zur Errichtung der Fabrik wurde ein 2 ha großes Grundstück, neben der Mechanischen Weberei, am Ihme-Ufer erworben und dann 1853/1854 nach den Plänen des schottischen Ingenieurs Sir William Fairbairn, 1. Baronet (1789-1874) erbaut.

Die Adresse lautete Blumenauer Straße 13. Das Unternehmen produzierte ausschließlich mit englischen Webstühlen. Zur Anleitung der Arbeiter wurden englische Werkführer engagiert. Anfang September 1855 wurde mit der Produktion begonnen. Es wurde Baumwollgarn und Baumwollgewebe produziert.

Schon ab Mitte 1854 errichtete man für die Arbeiter eine Werkssiedlung (Arbeiterkolonie Fannystraße), mit einem Ober- und einem Unterhof. Die Entwürfe stammten vom Architekten und Hochschullehrer Heinrich Ludwig Debo (1818-1905) und vom Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864).

Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei 01.09.1923

Die Arbeiterkolonie wurde 1854 fertiggestellt und befand sich zwischen der 1850 angelegten Fanny- und Mathildenstraße. Die Fannystraße wurde nach Adolph Meyers Ehefrau, der Bankierstochter Fanny Meyer, geb. Königswarter (1804-1861) benannt.

Die Häuser der Fannystraße wurden Ende der 1960er-Jahre von der Victoria-Versicherungs AG aufgekauft und gegen den Willen und Widerstand der Bewohner geräumt, und danach komplett abgerissen. Viele Bewohner wurden in die neuen Hochhausgebiete nach Garbsen bei Hannover umgesiedelt. Die Fannystraße ist heute völlig verschwunden. Hier stehen die sogenannten Toblerone-Häuser, die Hochhäuser an der Limmerstraße zwischen Fortuna- und Mathildenstraße.

Der Unternehmer und Wirtschaftsführer Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig (1825-1897), kurz "Fritz" genannt, er betrieb unter anderem eine Holzhandlung, ab 1864 die "Mineralwasserfabrik Hurtzig & Feldmann" und ab 1858 die "Zuckersiederei Egestorff jun. et Hurtzig", war von 1853 bis 1858 einer der Direktoren der "Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei Hannover-Linden". Von 1867 bis 1874 war er der erste Präsident der Handelskammer Hannover, heute IHK-Hannover - und auch Mitglied in weiteren Aufsichtsräten und deren Vorsitzender.

Im Adressbuch von 1866 wird Karl Georg Ahlers als Direktor der Baumwoll-Spinnerei geführt. Privat wohnte Direktor Ahlers in der Ihmenbrückstraße 5., I Etg. (heute Deisterstraße 5.), in Linden-Mitte.

Die Maschinen- und Kessel-Fabrik G. Kuhn aus Stuttgart-Berg in Baden-Würtemberg, lieferte 1870 eine Dampfmaschine mit einem Kolbenhub von 285 mm und einem Zylinderdurchmesser von 156 mm an die Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei. Für die Kinder der Arbeiterinnen wird 1873 ein Kindergarten eingerichtet. Unter der Leitung der Diakonissen des Henriettenstifts Hannover werden 200 Kinder im Alter von wenigen Wochen bis zu 14 Jahren beaufsichtigt. In den Jah­ren 1872 bis 1874 kam eine weitere Arbeitersiedlung (für die Beschäftigten der benachbarten Mechanischen Weberei) an der Velvetstraße in Linden-Nord, mit weiteren dreißig Häu­sern hinzu. Velvet hieß der feine Baumwollstoff.

Massive Kurseinbrüche lösen 1929 an der New Yorker Börse, am 25. Oktober 1929, der als "Schwarzer Freitag" in die Geschichte einging, eine Weltwirtschaftskrise aus. Die Weltwirtschaftskrise führt vor allem in den USA und in Deutschland zu Massenarbeitslosigkeit. Auch die Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei wird ein Opfer der Weltwirtschaftskrise und muss in Konkurs gehen. Wo einst die imposanten Gebäude der Hannoverschen Baumwoll-Spinnerei und Weberei Hannover-Linden standen (Spinnereistraße 9), befindet sich heute das in den Jahren 1963/64 erbaute Heizkraftwerk Linden.

Lindener Samt | Werbekarten

Lindener Samt (Velvet) ist ein Markenname für einen hochwertigen Schusssamt aus gekämmter und mercerisierter Baumwolle, der zuerst von der Mechanischen Weberei hergestellt wurde. Velvet wird auch heute noch als Lindener Samt bezeichnet.

                  

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Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Belege / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe- ABC 1800-1900 | Ludwig Hoerner | Reichold Verlag | 1995
Akte: NdS. 122a Hannover Nr. 7013 / Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover:
Industrielle Kriegsgefangenen-Arbeitskomandos zur Meldung an die Alliierten 1919
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahre 1927 | Walter Gerlach Verlag Leipzig | 1927
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover 1954 | Adolf Sponholz Verlag Hannover | 1954
Geschichte Niedersachsens Band 4: Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs | Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen e.V. | Wallstein Verlag GmbH Göttingen | 2016
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Heimatfront Hannover - Kriegsalltag 1914-1918 | Schriften des Historischen Museums Hannover (HMH) | 2014
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert | Walter Buschmann | August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Nicht die Zeit, um auszuruhen. Dokumente und Bilder zur Geschichte der hannoverschen Arbeiterbewegung 1814-1949 | Peter Schulz | Verlag Buchdruckwerkstätten Hannover GmbH | 1990
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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