Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden
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© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017

Presseberichte über das Postkarten-Archiv oder mit Bildmaterial aus dem Postkarten-Archiv

Wilhelmshavener Zeitung (WZ) vom 3. Februar 2017

Vergebliche, Suche nach Normalität - Buchbesprechung von Martin Münzberger

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Wilhelmshavener Zeitung (WZ)

Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) | Stadtanzeiger Ost vom 18. Juli / 1. August 2013

Über den Becken | Immer auf dem Sprung - von Martin Moers

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ)

halloSONNTAG vom 1. Juli 2012

Traditionsbetrieb schließt seine Pforten

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von © halloSonntag

Katholische Kirchengemeinde St. Godehard - Gemeinsam | Frühjahr 2012

STADTTEILGESCHICHTE

Hier pulsiert das pralle Leben: Linden-Nord

Geografisch wird Linden-Nord durch die Fössestraße und die Spinnereistraße im Süden, durch die Leine und Ihme im Norden und Osten und durch den Westschnellweg im Westen abgegrenzt. Von der „Champs-Élysées“ Lindennords aus, der Limmerstraße, lassen sich viele interessante Geschäfte und ehemalige Fabriken erkunden. 1861 erhielt die Straße ihren Namen und war bereits zu der Zeit Angelpunkt von vielen Geschäften, wie etwa der Leinaufabrik (Tapetenherstellung), einer Seifenfabrik, der Gummiwerke und weiterer Geschäfte, die in Linden bedeutend waren.

Eine Institution, die sich direkt im oberen Teil der Limmerstraße befindet, ist bis heute das Apollokino. Es wurde 1908 gegründet und ist somit eines der ältesten noch bestehenden Lichtspieltheater. Schlendert man nun die Limmerstraße entlang Richtung Leinaustraße und biegt dann rechts ab, stößt man auf unsere St. Benno-Kirche. 1901 wurde sie erbaut und 1906 durch Bischof Adolf Bertram geweiht. St. Benno ist im neo-gotischen Backstein-Stil nach den Plänen des Architekten Christoph Hehls realisiert worden. Gerade durch das selbstbewusste Auftreten von Pastor Offenstein und Pastor Bank gewann die Gemeinde während der Jahre bis 1945 ein regimekritisches Profil und konnte dann auch in der Nachkriegszeit bei der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen wertvolle Hilfe leisten. Nicht unweit der Kirche befindet sich das Kulturzentrum FAUST auf dem ehemaligen Gelände der Bettfedernfabrik Werner& Ehlers, die 1861 gegründet wurde, aber erst 1890 nach Linden kam. Hauptaufgaben der Fabrik waren die Reinigung und das Sortieren der Federn. Nach ihrer Schließung wurden im Frühjahr 1989 Überlegungen zur Umnutzung angestellt – die Geburtsstunde der FAUST. Über aktuelle Themen berichtet von jeher der lokale Radiosender Radio Flora, der 1993 gegründet und seit 1997 „on Air“ ist. Er befindet sich direkt neben der FAUST. Da dem Sender, der aufgrund eines Modellversuchs entstanden ist, die Lizenz entzogen wurde, sendet Radio Flora seit März 2009 via Internet. E. Sch.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Katholische Kirchengemeinde St. Godehard

Katholische Kirchengemeinde St. Godehard - Gemeinsam | Sommer 2011

STADTTEILGESCHICHTE

Limbere

Vielleicht ahnen Sie es ja schon, um welchen Stadtteil es diesmal geht? - Limmer.

Limmer geht auf die Burg (Castrum Limbere) des Grafen Conrad I von roden zurück. 1187 wurde die Burg das erste Mal erwähnt, jedoch nicht genau lokalisiert. Das Castrum Limbere schien eine ehren- und wehrhafte Burg zu sein, nannten sich doch viele Nachkommen des Grafen nun nicht mehr von roden (ebenfalls nach einer Burg benannt), sondern von Limmer. Im mittelalter, nachdem die Burg zerfallen war, galt Limmer eher als ein armes Dorf. Seine Situation verbesserte sich erst im 18. Jhd., als Asphaltkalk und eine Schwefelquelle entdeckt und alsbald fleißig abgebaut wurden. über der Schwefelquelle errichtete Limmer einen Heilbadebetrieb. Lehm war in und um Limmer ebenfalls zahlreich vorhanden, so dass Sprachwissenschaftler vermuten, dass der Name „Limmers“ von „Lehmberg“ stammt.

Zu Ruhm kam das Dorf maßgeblich durch das Wirken des Geistlichen Jacobus Sackmann (1643-1718), der es verstand die Menschen mit seinen predigten anzusprechen und zahlreich in die St. Nikolaikirche zu locken. Gefürchtet war er lediglich von den adligen, da er ihr Fehlverhalten in seinen predigten schonungslos kritisierte. Durch die, schon in anderen Stadtteilartikeln erwähnte, Kopfsteuer im Jahre 1689 ergab sich für Limmer eine Einwohnerzahl von 167. Zum Vergleich: Heute sind es 5.915.

1808 veränderte ein Großbrand das Dorfbild Limmers und auch die Industrialisierung Lindens ließ den ländlichen Charakter des Dorfes zunehmend verblassen. Die wichtigste Fabrik, neben der Firma Stichweh, war die Gummi-Kamm-Fabrik (heute Excelsior), die 1898 bereits tausend Beschäftigte hatte und Jahre später mit der Continental Gummi- Werke Ag fusionierte. Doch zuvor wurde Limmer in Linden 1909 eingemeindet.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Katholische Kirchengemeinde St. Godehard

Südstadt Nachrichten 07 | 1. Juli 2011

Seit 1845 Hildesheimer Straße

Seit 1845 existiert die Hildesheimer Straße, die heute als eine der großen hannoverschen Hauptverkehrsstraßen vom Aegidientorplatz in der Südstadt bis nach Laatzen hinein (Ecke Urnenfeldstraße) führt. Zur weiteren Geschichte nachfolgend ein Auszug aus dem Buch „Die Südstadt in Hannover – Ein Beitrag zur Geschichte und Entwicklung eines Stadtteiles aus der Sicht eines Südstädters“ von Helmut Jacob:

„Die Hildesheimer Straße, seit 1845 so bezeichnet und seit 1750 auf alten Karten als Chaussée nach Hildesheim, Braunschweig und Goslar angegeben, führte bis 1860 durch die Höltystraße. Es war der alte Postweg nach diesen Städten, wobei der Postweg nach Braunschweig in Döhren etwa bis 1850 auf der heutigen Peiner Straße abzweigte.

Der Döhrener Turm steht seit 1382 an der Einmündung der Alten Döhrener Straße in die Hildesheimer Chaussee, damals als äußerster Wachtposten an der südlichen Stadtgrenze. Mancher Hannoveraner kennt noch aus der Heimatkunde in der Volksschule die Geschichte vom Überfall des Braunschweiger Herzogs Heinrich des Älteren, der von 1486 bis 1491 versuchte, Hannover einzunehmen. 1486 ließ er durch ein gelegtes Feuer die Turmwächter ob im Turm umkommen. Ob sich das 1486 oder 1490 ereignet hat, ist nicht mehr nachweisbar, genauso wie die Anzahl der umgekommenen Wächter. Am südlichen Pfeiler der Aegidienkirche ist das Ereignis mit sieben Wächtern dargestellt. Nach dem Erstellen der Bebauungspläne entwickelte sich eine enorme private wie auch ein paar Jahre später öffentliche Bautätigkeit. Um 1860 baute man die Hildesheimer Chaussee aus, um eine möglichst geradlinige, durchgehende Nord-Süd- Verbindung von Herrenhausen über die Georgstraße bis nach Döhren zu bekommen. Zu den ersten Häusern an der Hildesheimer Straße: Die erste Nummerierung der Grundstücke ca. ab 1843 ging bis zum heutigen Altenbekener Damm durchlaufend rechts ab Aegidientorplatz von Nr. 1 bis 32 und auf der östlichen Seite von Nr. 33 bis Nr. 54 wieder zurück bis Aegidientorplatz.

Haus Nr. 54 (Höhe Siebstraße) beherbergte eine große Tischlerei mit Werkstätten im Hinterhaus. Sehr viele Grundstücke der nachfolgend bebauten ersten Straßen waren mit Hinterhäusern meist nur ein- bis zweigeschossig besetzt. Vom Aegidientorplatz bis zum Altenbekener Damm waren von 32 Grundstücken sieben nicht bebaut. Größere Mietshäuser und kleinere zweigeschossige wechselten ab.

In Nr. 12 befand sich das erste und älteste 1856 eröffnete Restaurant namens Winter. In Nr. 18 wohnte der beliebte und bekannte Schauspieler Carl-August Devrient (gest. 1872), am Hoftheater seit 1839. Zwischen Hermann- (heute Bürgermeister-Fink-Straße) und Freytagstraße standen schon hübsche dreigeschossige Häuser mit 7-Zimmer-Wohnungen, Remisen für Kutschen und Pferdeställen mit Kutscherwohnung hinter den Häusern. Eine frühere alte Bewohnerin konnte sich daran erinnern. Sie selbst ist in einem dieser Häuser, heutige Nr. 66, aufgewachsen. In dem Eckhaus hatte ein Maurermeister seinen Betrieb mit einem dahinter liegenden Bauplatz. Auf der gleichen Seite befand sich das erste Café. Zwischen dem Altenbekener Damm und dem Döhrener Turm lagen Felder.

Auf der Höhe der Heinrich-Heine-Straße gab es zwei große viergeschossige Häuser. An der Ecke der seit 1875 angelegten Bandelstraße stand ein sogenanntes Kosakenhaus. Zwischen Krausen- und Feldstraße befand sich die Kornbrennerei Peters.

Insgesamt standen in der Hildesheimer Straße 49 Häuser, davon waren zehn Villen und neun dreigeschossige, große Mietshäuser. Die restlichen Häuser waren kleiner, praktisch Doppelreihenhäuser mit zwei bis drei Wohnungen. Es waren 160 Haushalte registriert. Die geschilderte Entstehung der Hildesheimer Straße darf nicht abgeschlossen werden, ohne die Straßenbahn zu erwähnen. 1872 wurde die erste Pferdebahnlinie vom Steintor zum Döhrener Turm eingerichtet. Gleichzeitig wurden dem Turm gegenüber Pferdeställe, Remisen, Personalwohnungen etc. gebaut. Nach der Erfindung des dynamoelektrischen Prinzips durch Werner von Siemens fuhren 1893 in Hannover die ersten elektrischen Triebwagen, allerdings mit Akkubetrieb. Ab 1892 wurden dann die Strecken systematisch ausgebaut und auf Oberleitungsbetrieb umgestellt.

Ab 1899 fuhr die vielen Älteren noch gut in Erinnerung gebliebene Rote 11 in 80 Minuten jede Stunde über Rethen und Sarstedt nach Hildesheim, eine Strecke von 29 Kilometern.“

Quellen: Die Südstadt in Hannover, Helmut Jacob
Fotos: postkarten-archiv.de

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Südstadt Nachrichten

Lister Nachrichten 10 | 20. Mai 2011

Seit 1904 Podbielskistraße

Die Podbielskistraße ist mehr als nur eine der wichtigen Ein- und Ausfallstraßen Hannovers. Sie ist mit ihrer wechselvollen Geschichte, mit dem Mix aus Tradition und Moderne gleichzeitig auch eine Art Kaleidoskop für die Entwicklung der Stadt in den vergangenen gut 100 Jahren. Kaum anderswo in der Stadt ist beispielsweise der Wandel Hannovers vom industriellen Standort zu einem der norddeutschen Dienstleistungszentren so nachzuzeichnen wie hier. Selten sonst findet sich in Hannover das Wechselspiel zwischen klassischer Gründerzeitarchitektur und moderner Wohnkultur so prägnant wie auf den gut fünf Kilometern beidseits dieser Straße. Und kaum deutlicher als hier lassen sich die besonderen Kontraste Hannovers als moderne Metropole mit einzigartigem Grünwert festmachen wie im Wechselspiel zwischen verdichteter Bauweise und angrenzendem Erholungsgürtel der Eilenriede. In drei entscheidenden Entwicklungsschritten wird der Strukturwandel an der Podbielskistraße sichtbar: nämlich in den Abschnitten der Gründerzeit, der Umnutzung in den 1990er Jahren und der Umsetzung städtebaulicher Projekte einschließlich der noch bevorstehenden Projekte und ihren Entwicklungspotenzialen. Dabei konnten sieben charakteristische Standorte ehemaliger Industrie- und Gewerbebrachen erhalten und mit qualitätvoller Architektur ergänzt werden. Besonders erfreulich ist, dass dies auch für die dortigen historischen Industriebauten gilt, die als prägend für das Stadtbild und die geschichtliche Entwicklung an der Podbielskistraße gelten müssen.

Die Podbielskistraße (benannt nach dem königlichpreußischen Generalleutnant Victor Adolf Theophil von Podbielski, * 26. Februar 1844 in Frankfurt (Oder); † 21. Januar 1916 in Berlin) – bis 1904 „Celler Chaussee“ – hat sich bis heute zur wichtigsten Ein- und Ausfallstraße für den Stadtteil List und das östliche Stadtgebiet entwickelt. Sie ist städtebaulich nicht nur eine der bedeutendsten, sondern auch eine der längsten Straßen Hannovers. Geht man zurück in die Gründerzeit, befand sich vor 1900 an der Podbielskistraße bis auf den historischen Lister Turm von 1898 und vereinzelte Hofstellen keine Bebauung. Die heute vorhandenen Zeilen und Blöcke mit begrünten Innenhöfen entwickelten sich, ausgehend vom Lister Platz, erst nach 1900.

Der Bau der Straßenbahn 1897 und die Anbindung an die elektrische Versorgung der Stadt gehörten zu den Voraussetzungen für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe. Die Podbielskistraße gewann an Bedeutung, um so mehr, als in der Nähe der neuen Arbeitsstätten in den 1920-er und 1930-er Jahren große zusammenhängende Wohngebiete entwickelt wurden. Beispiele dafür sind Quartiere wie Im Kreuzkampe oder Liststadt. Die Industriebauten der Gründerzeit waren weit davon entfernt, nur reine Zweckbauten zu sein. Sie waren vielmehr Zeugnis eines unternehmerischen „Zeitgeistes“, einer lebensreformerischen, sozialen und kulturellen Verantwortung für die Gemeinschaft. Dies spiegelt sich wider im Bau von architektonisch bedeutsamen Industriegebäuden wie Bahlsen, Pelikan, Grammophon oder Geha. Mit den historischen Industriebauten wurden Adressen für die Podbielskistraße geschaffen. Diese historischen Bauwerke geben bis heute einen hohen Standard vor, an dem sich auch die modernen Bauten unserer Tage messen lassen müssen: Das Prinzip des Nebeneinanders von qualitätvollem Alt- und Neubau ist bis heute Maßstab für die neue Architektur geblieben.

Ab den 1990-er Jahren wurden die Industriestandorte aufgegeben und der Beginn der Umwandlung der Flächen zu gemischt genutzten Quartieren begann. Die Bebauung entlang der Straße hat den Stadtkern über die Jahrzehnte vom Lister Platz aus weiter stadtauswärts verschoben. Mit der Nähe zu Autobahnkreuz und Flughafen sowie dem Bau der Stadtbahn gewann die Straße an Standortattraktivität für Büro- und Gewerbenutzungen sowie Dienstleistungen, verbunden mit modernen Wohn- und Freizeitangeboten zwischen Mittellandkanal und Eilenriede. Dies hat in den 1960-er und 1970-er Jahren wiederum zu vielen Neuansiedlungen weiterer Unternehmen geführt. Heute ist die List insgesamt ein attraktives und bei der Einwohnerschaft beliebtes Wohngebiet. Auch für die Zukunft werden entlang der Podbielskistraße Standorte für Wohnungsbau gesichert.

Die Bahlsen-Keksfabrik

Gegründet 1889 in der Friesenstraße, ließ sich die Keks-Fabrik Bahlsen 1893 an der Lister Straße nieder und dehnte sich in den folgenden 20 Jahren bis an die Podbielskistraße aus. Die älteren Bauten stammen von der Baufirma Riesle & Rühling. Für die Erweiterung von 1910/11 zog man die Brüder Siebrecht hinzu, unter deren Regie Hauptgebäude (Stammhaus) und Feuerwache an der Podbielskistraße sowie das Fabrikationsgebäude an der Lister Straße entstanden. Die Gebäude stehen seit 1978 unter Denkmalschutz.

Das Stammhaus zählt zu den architektonisch herausragendsten Zeugnissen des Jugendstils in Hannover. Mehrfach tauchen an der repräsentativen Travertinfassade Darstellungen des Leibniz-Kekses auf – des weltberühmten Butterkekses mit den 52 Zähnen. Vom Fabrikationsgebäude blieben die Massenverteilung des Baukörpers, die Fassadengliederung in den drei unteren Geschossen das aparte Farbenspiel des Ziegelmaterials und der Terrakottaschmuck von G. Hertling erhalten. An auffälliger Stelle über dem Tor befinden sich Fries und Hexe, die in Beziehung zu dem Hänsel-und-Gretel-Brunnen auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen (Stifter Bahlsen, Architekt Siebrecht, Bildhauer Hertling).

Mit Beginn der 1970-er Jahre machte Bahlsen den Schritt ins internationale Geschäft. 1976 zog die Firmenverwaltung aus dem Hauptgebäude in ein neues Bürogebäude auf dem Firmengrundstück am Mittellandkanal. 1987 wurde die Produktion vom Werk 1 in Hannover aus Platzmangel ins Werk 3 nach Barsinghausen ausgelagert. Ein Investor kaufte das Gelände 1990. 2001 wurde der Firmensitz wieder in das alte Stammhaus zurückverlegt. Der Abriss des Bürogebäudes am Mittellandkanal erfolgte 2002. Dort entstand seit 2002 das Wohngebiet „Lister Blick“.

Der Enkel des Unternehmers, Werner Michael Bahlsen, ließ das Stammhaus ab 1990 von dem Architekten Bünemann für rund fünf Millionen Euro umbauen. Ziel war es, den Industriebau behutsam in ein Bürogebäude umzuwandeln. Die Mitte des Bahlsen-Bauwerks erhielt ein Glasdach. Die weitere Umnutzung erfolgte durch die Architekten Lindner+Böge. Die Architektur des Podbi-Parks mit dem 1995 gebauten Rundbau eines Vier-Sterne- Hotels bekam den Preis des BDA (Bund Deutscher Architekten) Niedersachsen. Der Schornstein, Wahrzeichen der ehemaligen Keksfabrik, blieb als Industriedenkmal erhalten.

2000 war die Umnutzung auf dem ehemaligen Gelände der Keks-Fabrik Bahlsen zu einem Geschäfts-, Büro- und Hotelzentrum mit 50.000 Quadratmetern Nutzfläche abgeschlossen, die Geschäftspassage im Podbi-Park wurde eröffnet. Dort befinden sich heute gastronomische Einrichtungen, Einzelhandel, Jugend- und Stadtbibliothek und eine siebengeschossigen Tiefgarage. 1997 zog das erste Bürgeramt der Stadt im Podbi-Park ein. Seit 2006 gibt es auch einen Fabrikladen von Bahlsen. Weiter entstand im Anschluss an das ehemalige Werksgebäude Lister Straße / Ecke Waldstraße ein attraktiver Geschosswohnungsbau mit 161 Wohnungen und Reihenhäusern im entkernten Innenhof des ehemaligen Fabrikgeländes. Bei der Sanierung konnten begrünte Innenhöfe geschaffen werden. Im denkmalgeschützten ehemaligen Industriekomplex an der Lister Straße ist ein Branchenmix mit Dienstleistungen, Büronutzungen, Arztpraxen, Medien, Design, Krankenkasse, bis hin zu Wissenschaftszentrum Hannover-List und TÜV Nord vertreten.

Das Pelikan-Viertel

Die 1838 gegründete Firma Pelikan zog 1906 vom Engelbosteler Damm an die Nordseite der Podbielskistraße. Dort war seit 1904 nach den Plänen des Architekten Taaks auf freiem Feld das Fabrikgebäude gebaut worden. Hier entstand rund 20 Jahrespäter der kleckssichere Füllfederhalter, wegen seiner grünschwarzen Streifen auch „Stresemann“ genannt. Anders als die Brüder Siebrecht, die bei Bahlsen auf vorhandene Gebäude Rücksicht nehmen mussten, konnte der Architekt hier eine Gesamtanlage schaffen. Er gruppierte die von der Straße zurückliegenden Fabrikationsgebäude als U-förmige Anlage in Stahlbetonbauweise mit unterschiedlich langen Flügeln um einen nach Süden offenen Hof. Die Südflügel wurden in Richtung der Podbielskistraße durch 43 Meter hohe turmförmige Kopfbauten akzentuiert. In der Mitte befand sich das zentrale Heiz- und Maschinenhaus. Vorgelagert waren villenartige Werkswohnungen und eine kleine Gartenanlage mit einem Teich für Pelikane, den Markentieren der Firma.

Der 1906 bezogene und heute unter Denkmalschutz stehende Neubau, umfasste rund 21.000 Quadratmeter Büro- und Produktionsflächen. In einem zweiten Bauabschnitt wurde das Gebäude in den Jahren 1913/14 um 25.000 Quadratmeter Nutzfläche erweitert. Nachdem das Werk an der Podbielskistraße nicht mehr zu erweitern war, wurde die Schreibgeräteproduktion 1973 nach Peine/Vöhrum verlagert. An der Podbielskistraße blieben noch Vertrieb, Verwaltung und Marketing. 1989 wurde die Stilllegung des Geländes unumgänglich, 1991 das Gelände der Pelikan- Werke mit Stammhausgebäude und weiteren Produktionsgebäuden an einen Investor verkauft. Mit der Umnutzung der ehemaligen Werksgebäude verfolgte die Stadt die Idee, neben der Revitalisierung des historischen Bereichs ein neues innenstadtnahes Stadtviertel auf einer Fläche von etwa zehn Hektar zu schaffen.

Es sollte sich durch eine hochwertige und vielfältige Nutzungsmischung von Arbeiten, Wohnen, Versorgen und Erholen auszeichnen und zu einer neuen Adresse entwickeln. Durch die gute Verkehrsanbindung, der sonstigen bereits vorhandenen Infrastruktur und den nahegelegenen Wald- und Grünflächen hatte das zukünftige Pelikan- Viertel alle Voraussetzungen, sich zu einem eigenständigen Wohn- und Büroquartier in einem gewachsenen Stadtteil zu etablieren. Die großflächige Industriebrache bot die Chance zu einer inneren Entwicklung des Viertels. Aus einer Vielzahl von Varianten entstand in Zusammenarbeit von Stadtplanungsamt und dem Architekten Neikes das Konzept „Pelikan-Viertel“. Die historischen denkmalgeschützten Bauwerke wurden auf einer Fläche von rund vier Hektar ab 1994 als dominanter Bestandteil einer gelungenen Gesamtkonzeption behutsam renoviert. Die Gebäude gelten heute noch als ein bedeutendes Zeugnis für den Industriebau um die Jahrhundertwende.

Der 1995 fertig gestellte historische Teil des neuen Stadtquartiers verfügt über Büro und Verwaltungsräume, in denen unter anderem bis 2003 die Vertrieb- und Marketingbereiche von Pelikan ihren Sitz hatten, bevor sie ins Bürocenter am Lister Yachthafen umzogen. Ein Schlüsselprojekt war die frühzeitige Integration eines Vier-Sterne-Hotels im denkmalgeschützten Altbestand. Konferenzräume und ein Boardinghouse ergänzen das Angebot.

Quellen: Landeshauptstadt Hannover Fachbereich Planen und Stadtentwicklung
Fotos: postkarten-archiv.de

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Lister Nachrichten

Südstadt Nachrichten 05 | 6. Mai 2011

Der Maschsee wird 75 Jahre alt | Die Geschichte des Maschsees in Hannover

Entstehung und Entwicklung des Maschsees

Die Maschwiesen, oder auch die „Altstädter Masch“ genannt, waren zu Kaisers Zeiten ein beliebtes Naherholungsgebiet der Hannoveraner. Im Sommer weidete hier Vieh, im Herbst ließen die Kinder Drachen steigen. Im Winter wurden die Maschwiesen dann mit Wasser der nahen Leine geflutet, denn Eislaufen war für Jung und Alt in Mode gekommen, und so hatte man für diese neue Art der Freizeitbeschäftigung eine ideale Fläche geschaffen.

Das große Problem der Maschwiesen waren jedoch die ständigen Überschwemmungen durch den nahen Fluss, die Leine. Die Fläche stand häufig unter Wasser und die Altstadt sowie die nahe gelegenen Stadtteile Hannovers hatten ständig mit Überflutungen zu kämpfen. So gab es bereits seit 1904 Pläne durch eine Kommission, die Maschwiesen zu fluten und einen künstlichen See anzulegen, um so das Leinewasser über den See in die tiefer gelegene Ihme abzuleiten. Der hannoversche Tischler und Ruderer Carl Thiele, an den noch heute der Weg am Westufer des Maschsees vom Strandbad bis zum ehemaligen Casino (heute Hotel Courtyard by Marriott Hannover-Maschsee) erinnert, war damals der größte Fürsprecher für die Anlage dieses Projekts. Doch weder der Magistrat der Stadt noch die Bürger waren davon überzeugt, und so wurden die Pläne der Kommission wieder auf Eis gelegt.

Ab 1925 gab es dann erneute, konkretere Pläne durch den damaligen Oberbürgermeister Arthur Menge. Es gab nun Vorfälle in der Stadt, die durchaus bei einer breiteren Bevölkerung für die Anlage eines künstlichen Sees sprachen. So musste wegen Überschwemmungen der Leine im Jahre 1926 sogar das Schützenfest in Hannover abgebrochen werden, weil die Wassermassen die Festzelte wegzureißen drohten. 1932 dann wurde der Plan für den See dann in Auftrag gegeben.

In der Zeit des Dritten Reiches, genauer: in den Jahren 1934 bis 1936, führte man dann durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme den Bau des Maschsees durch. 1.650 sogenannte „Notstandsarbeiter“ waren daran beteiligt. Am 26. November 1935 wurde die ausgehobene Fläche geflutet. Die feierliche Übergabe des neu entstandenen Sees an die hannover-schen Bürger erfolgte am Himmelfahrtstag 1936 durch den bereits erwähnten Oberbürgermeister Arthur Menge, nach dem das Arthur- Menge-Ufer benannt ist.

Der Maschsee ist 78 ha groß, hat eine Wasserfläche von 7,48 Quadratkilometern, ist 2,4 km lang, 2 m tief, liegt 53,2 m über NN und der Grund des Sees befindet sich oberhalb des Grundwasserspiegels. Das Wasser der Leine floss ursprünglich über die sogenannte Maschsee-Quelle am Westufer des Sees ein, heute wird der See durch das Wasser der Ricklinger Masch gespeist. Die beim Bau des Sees ausgehobene Erde (800.000 Kubikmeter) wurde zum Bau von Deichen an der Leine und Ihme verwendet. Die Stadt war nun mit dem dringenden Hochwasserschutz ausgestattet. Damit das Wasser im Maschsee nicht versickern kann, ist die Seesohle mit einer Ton und Lehmschicht abgedichtet.´Zusätzlich befindet sich zum Schutz dieser Schicht noch eine 8 cm dicke Kiesdecke darüber.

Diverse Skulpturen und Plastiken schmücken die Plätze rund um den Maschsee. Am imposantesten ist hier wahrscheinlich der sogenannte „Fackelträger“ am Nordufer, ein 18 Meter hoher Pfeiler, gestiftet von Fritz Beindorff, auf dessen Spitze eine viereinhalb Meter hohe vergoldete Bronzefigur mit einer Fackel in der Hand thront - zur Zeit des Dritten Reiches ein Symbol für den Olympia- Gedanken (Olympiade 1936 in Berlin).

Der See ist ein Fischzuchtgebiet, welches verpachtet ist. Hier werden Karpfen, Schleie, Hechte, Barsche, Plötzen und Karauschen gefangen. Sehr bekannt und beliebt sind die Silvester- Karpfen aus dem Maschsee. Im Sommer finden hier viele bunte Veranstaltungen für Jung und Alt statt. Wassersportliches wie Ruder- und Segelregatten oder Drachenbootrennen – aber natürlich auch das alljährliche Maschseefest (in diesem Jahr vom 27. Juli bis 14. August), welches mit Kleinkunst, Kulinarischem, Feuerwerk und viel Musik von internationalen Künstlern den Maschsee für drei Wochen zu einem Tummelplatz für Groß und Klein macht.

Am Südufer kann sich die hitzegeplagte Bevölkerung im Maschsee- Strandbad eine Abkühlung verschaffen. Das ehemalige städtische Freibad wurde im Jahr 2007 von der Firma Aspria übernommen. Die Runde um den Maschsee ist eine bei Joggern beliebte Laufstrecke. Im Jahr 2005 wurde eine 6,0 km lange Strecke um den Maschsee vom Deutschen Leichtathletik- Verband im Auftrag der Stadt Hannover mit dem Jones-Counter vermessen. Diese Strecke verläuft auf dem unbefestigten Fußweg, also näher am Wasser als der asphaltierte Radweg. Um das Laufen über Treppenstufen zu vermeiden, verläuft die Strecke an der Löwenbastion auf dem breiten Fußweg und am Pumpenhaus auf dem Radweg. Im Juni 2007 wurde die Strecke alle 500 Meter mit sogenannten Meilensteinen versehen. Seit Mai 2003 ist der Radweg rund um den Maschsee offiziell für Inline-Skating freigegeben.

75 Jahre Maschsee in Hannover: Wir sagen „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“

Quellen: www.maschsee-hannover.de / wikipedia
Fotos: postkarten-archiv.de

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Südstadt Nachrichten

Katholische Kirchengemeinde St. Godehard - Gemeinsam | Herbst 2010

STADTTEILGESCHICHTE

Badenstedt - Es schmeckt nach Salz

Was für ein komischer Titel, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Bis vor 50 Jahren jedoch konnte man das Salz in Badenstedt förmlich schmecken. 1831 entdeckte ein Herr namens Georg Egestorff Salzvorkommen im Bereich der Fösse wieder und begann, dies abzubauen. Durch diese Begebenheit änderte sich zunehmend das Stadtteilbild, das lange Zeit sehr stark ländlich geprägt war. Bis 1965 war Egestorff somit der wichtigste Arbeitgeber in Badenstedt. Doch tauchen wir tiefer in die Geschichte dieses Stadtteils ein, der zur Heimat unseres Kirchortes Christ-König geworden ist.

Im 14. Jahrhundert wurde "Badensteden" das erste Mal urkundlich erwähnt. Leider ist von diesem Schriftstück nur noch eine Kopie im 18. Jahrhundert erhalten gewesen. Seit dem 16. Jahrhundert veränderte sich die Anzahl der Bauernhöfe nur noch geringfügig. Dies sollte sich auch bis zur Industrialisierung nicht ändern. Als Grenze zum Nachbardorf Davenstedt wurde das Flüsschen "Fösse" festgelegt. Wie auch Davenstedt, wurde Badenstedt 1909 nach Linden eingemeindet. Durch die vielen katholischen Industriearbeiter entstand der Wunsch, eine Kirche zu erbauen. Dieser musste aufgrund des Zweiten Weltkriegs erst einmal verworfen werden. Seit 1942 feierte man also in einem Davenstedter Gasthaussaal die Gottesdienste. Jahre nach Ende des Krieges erhielt die 1946 legitimierte Seelsorgestelle die Erlaubnis, das Patrozinium "Christ-König" zu tragen und wurde somit zu einer Notkirche. Am 18. Dezember 1965 wurde die Christkönig-Kirche dann geweiht, nachdem der Sitz der Gemeinde von Davenstedt nach Badenstedt verlegt wurde.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Katholische Kirchengemeinde St. Godehard

Lister Nachrichten 06 | 18. Juni 2010

Rund um die Bödekerstraße

Geschichtliches aus dem Stadtbezirk

Die Bödekerstraße. Nirgendwo in Hannover gab es so viele Prachtstraßen wie in der Oststadt. Es begann mit der Königstraße, die Georg Ludwig Laves 1854 erbauen ließ. Als deren Grundstücke zwischen Bahndamm und Neuem Haus vollständig bebaut waren, richtete die Stadt 1874 eine neue Planstraße ein: die Bödekerstraße, die in den Jahren 1893-95 bis zur Celler Straße verlängert wurde (ab 1895 als Allee angelegt). So drang die Besiedelung des Stadtrandes immer weiter bis zum Waldrand vor, bis 1888 die Hohenzollernstraße angelegt wurde. Zwischen der Bödeker- und der Hohenzollernstraße herrschte bis etwa 1910 noch Hinterhof- Atmosphäre.

Bildquelle Postkarten: www.postkarten-archiv.de

In den Nebenstraßen, wie Holzgraben, Lärchen- und Ostwender Straße, siedelten noch die „kleinen Leute“. Doch das gane Areal Bödekerstraße, Hohenzollernstraße und deren Nebenstraßen, ja sogar der Bereich Friesenstraße - Flüggestraße bis hoch zur Steinriede, waren Bestandteil eines großen Planes. Und den hatte sich der Bauunternehmer, Architekt, Zementfabrikant, Reichstagsabgeordnete und städtische Senator und Stadtbaumeister Ferdinand Wallbrecht ausgedacht. So taucht sein Name als „Königl. Baurath“ schon 1885 unter einem Bauänderungsplan auf, der die Fortsetzung der Bödekerstraße geradlinig über den späteren Lister Platz hinweg quer durch die Bebauung der parallel zur Lister Straße führenden Edenstraße vorsieht.

Ein Boulevard, wie mit dem Lineal in nordwestlicher Richtung gezogen. Und diese Straßenplanung wurde, die Fluchtlinien der Allee ein wenig an die Jakobistraße gerückt, 1899 Wirklichkeit. Der baumbestandene Boulevard erhielt den Namen Ferdinand-Wallbrecht- Straße.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Lister Nachrichten

Linden-Limmer Zeitung (LiZ) - Stadtteilzeitung für Linden-Limmer | 04/2010

Limmerstraße 3-5 / Eine kleine Geschichte

Gegen Ende der 20er Jahre der Wohn- und Geschäftsblock Fössestraße 4–12 und die Limmerstraße 3, 3a und 5 erbaut. Der Häuserblock füllte nun das städtebauliche Vakuum zu der nordöstlich gelegenen Bebauung aus dem späten 19. Jahrhundert. Der Architekt Friedrich Hartjenstein entwarf die viergeschossigen Gebäude der Fössestraße und Limmerstraße in der typischen Klinkerbauweise der Zwanziger Jahre. Die Abknickung der Fössestraßenfront im Winkel von 30° ergab sich aus den dort verlaufenden Bahngleisen, die vom Bahnhof Küchengarten zur Ultramarinfabrik und der Spinnerei hinführten. An der Hauptfront zum Küchengartenplatz befand sich zwischen Limmerstraße und Fössestraße ein Wandelgang, der den Geschäften vorgebaut war. Er wurde später abgerissen, man erkennt jedoch noch deutlich eine Linie hellerer Klinkersteine, an welcher die Arkaden mit der Hauswand verbunden waren. Vor der abgeschrägten Blockecke wurde das zweigeschossige Geschäftshaus, das so genannte „Kaufhaus am Küchengarten" gebaut, ebenfalls als Klinkerbau mit figürlichen Darstellungen und „gewaltigen keramischen Gesimsen". Für die Gestaltung der beiden Fassaden hatte Hartjenstein den Hamburger Bildhauer und Bauplastiker Ludwig Kunstmann hinzugezogen. An einer Gebäudeecke war eine zwei Geschosse hohe Skulptur angebracht, die von Kunstmann den Namen „Roland mit den hohen Zinsfüßen"....

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Linden-Limmer Zeitung (LiZ)

Lister Nachrichten 03 | 29. Januar 2010

Vahrenwald hatte einst einen Flughafen...

In gut zwei Jahren wird der Flughafen Langenhagen seinen 60. Geburtstag feiern. Doch angefangen hat es mit dem hannoverschen Flugbetrieb mit Karl Jatho auf der Vahrenwalder Heide. Auf Initiative von Karl Jatho wurde dort 1907 die erste „Fahrbahn für Flugapparate“ genehmigt. Dies geschah mit dem ausdrücklichen Hinweis, „damit sie besser rollen können“. Und seit dieser Zeit rollen sie! Wie sich die Entwicklung des Flughafens in Vahrenwald weiter gestaltete, geht aus dem nachfolgenden Artikel hervor, der unter der Überschrift „5 Jahre Flughafen Hannover“ am 24.10.1928 erschienen war:

„Wer sich an schönen Sommertagen das Vergnügen machte, hinauszufahren oder zu wandern nach der Vahrenwalder Heide, war meist sehr erstaunt über das rege Leben, das der Flugverkehr mit sich gebracht hat. Wenn man Ausdauer hatte, etwa von 10 Uhr bis 16 Uhr, dort zu bleiben, brauchte man sich keinen Augenblick zu langweilen. Man erlebt dort einen interessanten Betrieb wie an einem Bahnhofe. Alle Viertelstunde und noch öfter kommen die Flugzeuge an. Sirenengeheul verkündet ihre Ankunft. Man sieht sie von weitem am Himmel erscheinen und bald in großen Schleifen auf dem großen Platze niedergehen. In eleganten Wendungen rollen sie über den Rasen dem Verwaltungsgebäude zu, besonders die großen Passagiermaschinen, bei denen man zunächst keinen Piloten sieht, bewegen sich wie riesenhafte selbständige Wesen. Plötzlich stehen sie still. Boys eilen herbei, stellen Treppenleitern an, aus den kleinen Türen kommen Reisende. Gepäck wird herausgebracht, und oben aus der Führerkabine klettern die vermummten Gestalten der Piloten und Mechaniker herab. Die Fluggäste mit beglückten Gesichtern schlendern dem Gebäude zu, von hier eilen andere zu ihrer Maschine. Da und dort wird ein Tankwagen herangerollt, der die Motore mit neuem Brennstoff versorgt.

Bildquelle: Vahrenwald Heide / Fliegerstation | Andreas-Andrew Bornemann - www.postkarten-archiv.de

Inzwischen sind neue Passagiere eingestiegen, Abfahrtszeichen werden gegeben, und schon rollt wieder ein mächtiger Apparat über die Fläche, hebt sich langsam, steigt höher und höher und entschwindet bald den Blicken der sehnsüchtig nachschauenden Flugplatzbesucher...so ist es heute, nach fünfjährigem Bestehen unseres Flughafens. Es ist eine kurze Zeitspanne, die wir überblicken, wenn wir an den Anfang dieser vortrefflichen Einrichtung erinnern. Vor fünf Jahren war das Gelände da draußen noch „wüst und leer“. Da kam von Bremen her ein Flugfachmann, der vom Aero-Lloyd den Auftrag erhalten hatte, in Hannover einen Luftverkehr einzurichten. Es war der Direktor Stock, der dieses Werk beginnen sollte. [...]

Was Herr Direktor Stock hier vorfand, schilderte er mit folgenden launigen Worten: „Mit einem Koffer und einem Regenschirm kam ich in der zweiten Oktoberhälfte 1923 in Hannover an. Ich musste mich zunächst umsehen, woher ich einen Raum bekommen könnte, sowie Material, das sich zur Einrichtung eines Flughafens eignete. Als ich zur Vahrenwalder Heide kam, stand ich zunächst ratlos vor dem großen Gelände. Das erste, was ich brauchte, war ein Landekreuz, das den ankommenden Flugzeugen den Platz kenntlich machen sollte. Dieses erste Landekreuz entstand bald aus einigen zusammengenähten Bettüchern, die ich von einer Kaserne geliehen bekam. Die weitere Errungenschaft war ein Zigeunerwagen, oder besser ausgedrückt, ein Wohnwagen, den die Stadt im Dezember zur Verfügung stellte. Durch eine Bretterwand war dieser Wagen in zwei Räume geteilt. Die größere Hälfte wurde der Geräteraum, der zugleich den Zollbeamten für Bürozwecke diente, der kleinere wurde als Flugbüro eingerichtet.“

So sah der bescheidene Anfang eines Unternehmens aus, das trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse - man bedenke, dass damals die Umstellung von der Inflationszeit in normale Bahnen erfolgte - mit ungeahnter Schnelligkeit emporblühte. Mehr zur spannenden Geschichte des ehemaligen Vahrenwalder Flughafens finden Sie im Buch „List und Vahrenwald“ von Autor Wolfgang Leonhardt, welches im Buchhandel für 28 Euro erhältlich ist.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Lister Nachrichten

Linden-Limmer Zeitung (LiZ) - Stadtteilzeitung für Linden-Limmer | 01/2010

Grüße vom Lindener Berge - eine Stippvisite - von Klaus Öllerer

Die älteste Postkarte über den Lindener Berg aus der Sammlung Andrew Bornemann stammt aus der Zeit vor 1876 und zeigt das Kaffeehaus oder Berggasthaus, wie es auch genannt wurde. Nur wenige Meter entfernt entstand ein Ersatzbau, dem allerdings die schöne Aussicht fehlte.

Der Wasserhochbehälter aus rotem Backstein wurde 1878 in Betrieb genommen und versorgt auch heute noch Hannover mit Trinkwasser. Der Standort wurde wegen seiner Höhenlage gewählt, wodurch das Wasser auch ohne Pumpenkraft zum Verbraucher fließt. Der auf den alten Fotos zu sehene große Turm wurde wahrscheinlich im Zeitraum des Zweiten Weltkrieges zerstört. Über die genauen Umstände gibt es nur Spekulationen. Zeitzeugen ließen sich bisher nicht finden. Der Hochbehälter wurde erst kürzlich renoviert. Die Windmühle wurde 1651 vom Herzog Georg Wilhelm aus einem Wachturm zu einer modernen, steinernen Holländer-Windmühle umgebaut Die Bauern sollten kürzere Wege haben. Zuvor mussten die Lindener ihr Korn nach Calenberg transportieren und in der Calenberger Amtsmühle mahlen lassen. Die Mühle soll bis 1927 in Betrieb gewesen sein.

 

Heute fehlen ihr auch die Flügel. Vielleicht findet sich mal eine Initiative, die ihr wieder Flügel verpassen möchte. Der Lindener Berg ist reich an Geschichte und Aktivitäten. Wer mehr erfahren möchte findet im Internet viele Quellen. www.lebensraum-Linden.de www.quartierev.de www.halloLindenLimmer.de öl

Das Postkartenarchiv

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Linden-Limmer Zeitung (LiZ)

www.langeleine.de - Das Online-Journal für Hannover | 30. Juni 2009

Abgestempelt! - von Lorenz Varga

Der Hannoveraner Andreas-Andrew Bornemann hat ein einmaliges Postkartenarchiv zusammengetragen und ins Netz gestellt?

Zum Artikel von Lorenz Varga: -->> www.langeleine.de -->> Lokales - Abgestempelt!

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von © www.langeleine.de - Das Online-Journal für Hannover

Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) | Stadtanzeiger West vom 25. Juni 2009

Zähes Ringen am runden Tisch - von Gerda Valentin

Vor 100 Jahren wurden Badenstedt, Bornum, Davenstedt und Limmer ein Teil von"GROSS-LINDEN".

Die Lindener Stadtväter konnten Anfang des 20. Jahrhunderts durchaus stolz sein auf ihre Kommune: Die Industrie blühte, viele Schulen wurden gebaut, und außer den Arbeitervierteln waren auch gepflegte Wohnstraßen für Besserverdienende entstanden. Aber vorausschauend warf Bürgermeister Hermann Lodemann seinen Blick bereits auf einige Dörfer in der Nachbarschaft, für die 1909 eine große Veränderung eintrat: Vor 100 Jahren wurden Badenstedt, Bornum, Davenstedt und Limmer in das damalige Stadtgebiet von Linden eingemeindet. Mit rund 64 000 Einwohnern nahm die Industriestadt Linden nach 1900 innerhalb der Provinz Hannover einen der vorderen Plätze ein. Um jedoch weitere Betriebe anzusiedeln und neue, gut bürgerliche Wohnviertel zu errichten, war sie inzwischen wortwörtlich an ihre Grenzen gestoßen. Hinzu kamen zwei Großprojekte. Bereits in Arbeit war der Bau einer Kanalisation; in absehbarer Zeit stand zudem der Bau des Lindener Hafens an. Für den Verlauf des Hauptsammlers sowie für den Stichkanal und das Hafenbecken brauchte Linden hingegen das Terrain von Limmer. Um die vier Gemeinden im Westen zu gewinnen, setzte sich die Lindener Stadtobrigkeit 1908 mit den jeweiligen Gemeinderäten an einen Tisch. Die Lindener Seite machte Zugeständnisse bei den Steuern, beließ den Dörfern ihre eigenen Feuerwehren, Trinkwasserversorgung, Gasleitungen, Asphaltierungsarbeiten u. a. mehr. Auch auf die dörflichen Traditionen wurde Rücksicht genommen, und darum durften die Bewohner weiter zuhause schlachten.

Eine Aufnahme des Postkarten-Archivs Bornemann zeigt das Lindener Rathaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts

In den Verträgen war eine Fülle an Detailfragen zu regeln. So wurde zum Beispiel festgelegt, dass Davenstedt exakt 15 Straßenlaternen erhielt. Bei Bornum indes sah sich die Stadt Linden gezwungen, die Verpflichtungen aus einer privaten Stromgesellschaft zu übernehmen. Zäh waren insbesondere die Verhandlungen mit Limmer. Wie Bürgermeister Lodemann schrieb, lehnten die Limmeraner eine Eingemeindung zunächst deutlich ab - war es doch in erster Linie die Stadt Linden, die davon ihre Vorteile hatte. Erst durch das Drängen des Gemeindevorstehers Friedrich Heller kam es zu einem Sinneswandel. Als Dreingabe versprach Linden, das Kinderheim in Limmer mit jährlich 1000 Mark zu unterstützen. Das Abstimmungs- verhalten über die Eingemeindung hing weitgehend davon ab, ob es am Ort bereits eine Industrie gab. In Badenstedt zum Beispiel unterlagen einige Landwirte der Saline, die bei dem damaligen Klassenwahlrecht mit Abstand die meisten Stimmen einbringen konnte. Grundsätzlich war den Dorfgemeinden klar, dass sie durch die Verschmelzung mit Linden ihre Schulden loswerden würden. Die Badenstedter waren daher eher froh über diesen Schritt. Nach der entscheidenden Unterschrift saß man hier im Gasthaus Haller noch lange beisammen und brachte ein Hoch auf „Groß-Linden" aus.

Zum 1. April 1909 wurde die Eingemeindung perfekt. Linden wuchs damit um 9000 Einwohner und vergrößerte seine Fläche von zuvor 582 auf rund 1600 Hektar. Die früheren Gemeindediener übernahm die Stadt Linden; in den ehemaligen Dorf- gemeinden wurden zudem einzelne Vertreter für das Bürgervorsteherkollegium gewählt. 1913 kam auch Ricklingen dazu. Aber allzu lange hatte dieser Verbund nicht mehr Bestand. Zusammen mit der Stadt Linden wurden schließlich 1920 alle fünf Dörfer nach Hannover eingemeindet. Eine Ausstellung zur Eingemeindung des Dorfes Limmer ist in der St.-Nikolai-Kirche in der Sackmannstraße zu sehen. Unter dem Motto „Als Limmer 1909 zu Linden kam" sind Fotos vom alten Grenzstein, der Fahne des Arbeiterbildungsvereins sowie Ansichten aus dem alten Dorfkern zusammen getragen. Die Ausstellung ist jeweils am zweiten u. dritten Sonntag des Monats geöffnet.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ)

Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) | Stadtanzeiger vom 24. Dezember 2008 (I)

Eleganter Walzer im Garten - von Gerda Valentin

Fahrgäste der Bahnlinien 4 und 5 wundern sich oft über die Haltestelle „Parkhaus" in der NORDSTADT, denn eine Garage für Autos sucht man dort vergebens. Der Name spielt auf ein Cafe im 19. Jahrhundert an.

Langsam fährt die Stadtbahn auf die Herrenhäuser Gärten zu und kommt zum Halt. „Parkhaus" vermeldet eine elektronische Stimme. Doch eine graue Wartehalle für Autos sucht man in der Umgebung der Haltestelle vergebens. Vielmehr dominieren schmucke Villen und herausgeputzte Altbauten diesen Teil der Nordstadt, und bei dem „Parkhaus" handelt es sich um das stattliche weiße Gebäude, das sich an der Ecke von Nienburger Straße und Appelstraße erhebt. Noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war es ein beliebtes Ausflugslokal, das zugleich Raum für Tanzvergnügen bot.

Bereits 1874 entstand an dieser Stelle ein mit dekorativen Schnörkeln und Türmchen versehener Prachtbau, in dem ein Restaurant und ein Konzertsaal eröffnet wurden. Das Etablissement erhielt den Namen „Parkhaus“ weil es direkt gegenüber der Parkanlage des Georgengartens lag. Das Lokal war bereits mit der neuen Pferdestraßenbahn zu erreichen und bald sehr gefragt: In einem Reiseführer aus dem Jahr 1882 wurden die edlen Holzdecken und die schmiedeeisernen Kronleuchter gewürdigt, und zur Erbauung der Gäste spielten häufig Militärkapellen auf. 1890 erwarb der Bankier Moritz Simon das Grundstück. In der Nachbarschaft besaß er unter anderem die künstliche Burgruine am Herrenhäuser Kirchweg. Das erste „Parkhaus" aber ließ er abreißen und 1895 durch einen Neubau ersetzen. Dies ist das Gebäude, das noch heute gegenüber der Haltestelle steht. Um die Jahrhundertwende bekam es Konkurrenz durch etliche andere Ausflugslokale in Herrenhausen. Doch noch viele Jahrzehnte erfreute sich das „Parkhaus" großer Beliebtheit.

Pompös: Der Saal des Cafes „Parkhaus". Erste Adresse für Tanzvergnügen: Das Etablissement im Jahre 1916 - Sammlung Bornemann. Das Gebäude am Georgengarten gehört heute dem Land Niedersachsen und beherbergt Institute der Universität.

Die Stöckenerin Ellen Pohlmann kennt das „Parkhaus" noch aus den späten fünfziger Jahren. Zusammen mit ihrem ersten Ehemann Otto Rühmkorb betrieb sie eine Bäckerei an der Alten Stöckener Straße. „Für große Gesellschaften und Feiern haben wir unsere Waren auch an das, Parkhaus’ geliefert'", erzählt die 80-Jährige. Sonnabends und sonntags war im „Parkhaus" Kaffeezeit. Bei schönem Wetter wurden auf der Terrasse mit Blick auf den Georgengarten Kuchenstücke verspeist, und während die Erwachsenen ihren Kaffee tranken, spielten die fein herausgeputzten Kinder zwischen den Eisenstühlen. Trotz der vielen Arbeit, den die Rühmkorbs als Geschäftsleute hatten, gönnten sie sich ab und zu einen schönen Abend im „Parkhaus". Zu den Klängen von Walzer, Tango oder Foxtrott glitten sie im großen Saal über das Parkett, und ringsum auf den weiß gedeckten Tischen standen kleine Vasen mit frischen Blumen. „Das, Parkhaus’ hatte durchaus etwas Vornehmes", erinnert sich Ellen Pohlmann. Außerdem beherbergte das Gebäudee noch eine Gaststätte. Aber 1966 war es mit allem vorbei.

Vom Voreigentümer, der städtisch Lagerbierbrauerei, ging das „Parkhaus" an das Land Niedersachsen. Heute sind darin verschiedene Institute der Leibniz Universität Hannover untergebracht. Im Treppenaufgang blieb eine Tafel erhalten, die an den Architekten Max Küster, die Bauhandwerker und den Besitzer Otto Kopp aus dem Jahr 1895 erinnert. Auf der ehemaligen Kaffee-Terrasse aber stellen Uni-Mitarbeiter heute ihre Autos ab. Ein „Parkhaus" ganz ohne Parkplatz wäre ja auch widersinnig. (val)

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ)

Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) | Stadtanzeiger vom 24. Dezember 2008 (II)

Im katholischen Bahnhof zu Hause - von Gerda Valentin

In einem Hinterhof der Konkordiastraße in Linden-Mitte verbirgt sich ein ehemaliges Vereinshaus.

In vielen Lindener Hinterhöfen haben sich die Bewohner ein grünes Eckchen geschaffen, anderswo werkeln kleine Betriebe. Manchmal aber verbirgt sich hinter den Straßen fronten ein echtes Kleinod. An der Konkordiastraße zum Beispiel führt ein Weg an einem Hinterhaus vorbei und erst am Ende steht ein imposantes Gebäude, das der Katholische Arbeiterverein 1904 in Linden errichten ließ. Angesichts der massigen seitlichen Stützpfeiler und des acht Meter hohen Gewölbes in seinem Inneren wird das Bauwerk im Volksmund auch „Katholischer Bahnhof" genannt. Die Geschichte des Hauses geht auf die Industrialisierung im 19. Jahrhundert zurück, als viele Arbeiter von weither nach Linden zogen, um in einer der Fabriken zu Lohn und Brot zu kommen. Viele stammten aus dem katholischen Eichsfeld südlich von Duderstadt. Eine kirchliche Heimat fanden sie in der Godehardgemeinde. Aus einem katholischen Gesangverein entstand dort 1879 ein eigener Arbeiterverein.

Die meisten Arbeiter lebten damals unter miserablen sozialen Bedingungen. Mit der Zeit wandten sich daher viele den aufkommenden Gewerkschaften und den Sozialdemokraten zu. Mittels Wohltätigkeit und Bildungsarbeit wollte der katholische Arbeiterverein jedoch eine „Entfremdung von der Kirche" verhindern. Schon lange wünschten sich die Mitglieder ein eigenes Haus. 1903 ging es damit voran: Zahlreiche Katholiken aus ganz Linden zeichneten Anteilsscheine oder spendeten Geld für das neue Gebäude an der Konkordiastraße 14B. Dort schufen die Architekten Thofern und Jagielski einen hallenförmigen Bau mit großen Fensterbögen, vielen Windungen und abgerundeten Ecken. Der hannoversche Bauhistoriker Sid Auffarth ordnet das Gebäude dem späten Jugendstil zu.

So präsentiert sich das Gebäude des katholischen Arbeitervereinshauses heute (oberes Foto). Eine historische Postkarte zeigt (unteres Foto), wie es 1915 ausgesehen hat. Die Karte stammt aus der Sammlung Bornemann.

Schon nach einem Jahr Bauzeit konnten die katholischen Arbeiter ihr neues Vereinshaus eröffnen. Wie einer Chronik der Godehardgemeinde zu entnehmen ist, entwickelte sich dort ein reges Vereinsleben: Vorträge und Diskussionen standen auf dem Programm, Kinder und Erwachsene wetteiferten mit Theaterstücken und Gesangvorführungen um die Gunst des Publikums, und nicht zuletzt wurden dort zahllose Feste gefeiert.

Nach dem Zweiten Weltkriegdiente das katholische Vereinshaus der St. Godehardgemeinde als Notkirche 1946 kamen auch ungewohnte Gäste: Im großen Saal versammelten sich Vertreter der „Allgemeinen Gewerkschaft", aus der bald darauf der Deutsche Gewerkschaftsbund hervorging. In den folgenden Jahrzehnten wandelten sich die Bedürfnisse. Immer mehr junge Familien wollten ihre Freizeit auf andere Weise verbringen. Als 1973 an der Posthornstraße ein neues Gemeindezentrum entstand, trennte sich St. Godehard von dem Haus an der Konkordiastraße. Eine Zeitlang beherbergte es eine spanische Diskothek, bis Mitte der achtziger Jahre ein Lindener Architekt das historische Gebäude sanierte und zu Wohnungen und Büros ausbaute. Ab und zu ist die versteckte Schönheit der Konkordiastraße auch Ziel eines Stadtteilrundgangs. (val)

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ)

halloSONNTAG vom 9. November 2008

Tod im Zuchthaus - Ein „Stolperstein“ für den Zauberkünstler Ernst Schünemann

LINDEN-NORD. Gunter Demnig, seit geraumer Zeit bundesweit in Sachen seines Kunstprojektes „Stolpersteine“ unterwegs, wird am Donnerstag, 13. November, um 15.30 Uhr an der Limmerstraße 71 einen „Stolperstein“ für den im Februar 1941 verstorbenen homosexuellen Zauberkünstler und Artisten Ernst Schünemann verlegen. Ernst Schünemann, der bis zu seiner Verhaftung durch die Nationalsozialisten Anfang 1939 im Haus Limmerstraße 71 gemeldet war, wurde am 3. Oktober 1939 vom Landgericht Hannover auf Grundlage der Paragraphen 175 und 175a des Strafgesetzbuches wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Noch im selben Monat transportierte man ihn in das Zuchthaus Hameln.

Zwei Jahre später, am 14. Februar 1941, wurde Ernst Schünemann mit einer schweren Lungenentzündung vom Anstaltslazaret in das Stadtkrankenhaus Hameln verlegt. Er verstarb am selben Tag im Alter von 44 Jahren. Die Patenschaft für den „Stolperstein“ Ernst Schünemanns wird der Zauberkünstler und Entertainer Detlef Simon („Desimo“) übernehmen.

Eine zeitgenössische Postkarte aus dem Archiv von Andrew Bornemann zeigt das Gebäude, in dem der Zauberkünstler Ernst Schünemann bis zu seiner Verhaftung wohnte. Es ist das zweite Haus nach dem Eckhaus auf der linken Seite der Limmerstraße.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinem Kunstprojekt „Stolpersteine“ an Menschen, die zu Opfern des NS-Regimes wurden. Die „Stolpersteine“ werden von Demnig dort ins Trottoir gesetzt, wo diese Menschen ihren letzten selbstgewählten Wohnort hatten. Für weitere „Stolpersteine“ in Limmer und Linden setzt sich aktuell die Geschichtswerkstatt der Otto-Brenner-Akademie ein. Sie sollen an die während der NS-Zeit ermordeten Antifaschisten und Widerstandskämpfer Franz Nause (Limmer) und Wilhelm Bluhm (Linden) erinnern.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von © halloSonntag

Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) | Stadtanzeiger West vom 23. Oktober 2008

Genüsse aus alten Zeiten - von Karin Vera Schmidt

Bernd Oehlerking hat ein Kochbuch mit Rezepten aus der Haasemannstraße in Linden zusammengestellt.

Man nehme ein Pfund Mehl, 50 Gramm Hefe, rühre einen Teig daraus und schlage dann 350 Gramm weiches Ziehfett darin ein. Anschließend forme man drei mal vier Blatt Blätterteig daraus. Mit viel Geschick und etwas Glück können daraus im Ofen Helgoländer oder Apfeltaschen werden. Bäckermeister Armin Schlote aus der Haasemannstraße 10. war ein Könner seines Fachs. Seine Rezepte hat er nun für ein ganz spezielles kleines Kochbuch zur Verfügung gestellt, das sein Nachbar Bernd Oehlerking aus dem Haus Nummer 4. zusammengestellt hat. Außer den Rezepten sind darin alte Fotos zu sehen - darunter eins aus Schlotes Gesellenzeit.

Die Idee für das Büchlein hatte Bernd Oehlerking während der Vorbereitungen für das Straßenfest, mit dem die Anwohner jüngst das 100-jährige Bestehen der Haasemannstraße feierten. Und so zog er los und sammelte in der Nachbarschaft alte Rezepte und Bilder. Dabei heraus kam schließlich das Heft „Das is(s)t die Haasemannstraße" im Ringbuchformat. Moderne Ergüsse aus der Nouvelle Cuisine sucht man darin vergebens. Vielmehr beschreibt das Büchlein zwischen historischen Ansichten der Haasemannstraße, wie früher in der Straße gekocht wurde, wobei Dr. Oetker häufig die Zutaten diktierte. Herr Oehlerking hat sich bemüht, die handschriftlichen Aufzeichnungen ins Buch aufzunehmen - und wenn sie gar zu schwierig zu lesen waren, setzte er eine Version in Maschinenschrift dazu.

Auf vergilbtem Papier sind darin handschriftlich verfasste Rezepte für Kürbissuppe und Königsberger Klopse nachzulesen. Anweisungen aus einem alten Knorr-Kochbuch klären darüber auf, wie gefüllte Tomaten zubereitet werden. Das Rezept für einen Königlichen Apfelkuchen - eine Anspielung darauf, dass sich früher nahe der Haasemannstraße der Königliche Küchengarten befand - steuerte Katrin Möhrs aus dem Haus Nummer 5. in einer Kinderschrift von 1989 bei. Das Titelblatt zeigt eine Ansicht der Haasemannstraße aus dem Jahr 1922 Mehrstöckige Bürgerhäuser, vor denen Kinder unter alten Gaslaternen spielen. Das älteste Bild stammt aus dem Jahr 1899. Vom Lichtenbergplatz aus, der damals noch Wittekindplatz hieß, ist zu sehen, dass von der Haasemannstraße erst das Naus Nummer 2. gebaut war. Ein weiteres Bild von 1917 zeigt die vollständig bebaute Haasemannstraße vom Lichtenbergplatz aus. Dort steht noch die alte, vor einigen Jahren gefällte Kastanie. Sie ist erst etwa so hoch wie ihre Nachfolgerin heute. All die historischen Fotos konnte sich Bernd Oehlerking von dem Lindener Andreas-Andrew Bornemann ausleihen, der ein gut bestücktes Postkartenarchiv hat. Rund 50 Bestellungen für das Büchlein hat Bernd Oehlerking schon entgegengenommen. Es kostet sieben Euro. Wer noch eines haben möchte, kann sich unter der E-Mail-Adresse bernd.oehler-king@t-online.de melden. (val)

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ)

FAZ.NET (Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)) vom 27. Juni 2008

Internet-Tipps www.postkarten

Urlaubsgrüße per Postkarte sind nicht nur unter Freunden und Verwandten oft gern gesehen. So mancher hat sich ganz dem Sammeln der bunten Billets verschrieben. Zeugnisse solcher Philokartie lassen sich im Netz finden.

Zum Artikel im Archiv der F.A.Z. von Jakob Strobel y Serra: -->> Internet-Tipps www-postkarten

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © FAZ.NET (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

halloSONNTAG vom 20. August 2006

Postkarten von Format

Bevor das Ihme-Zentrum entstand, befand sich auf dem Gelände die Mechanische Weberei zu Linden. Produziert wurden dort Lindener Samt, Wachssamt und Cord.

Historische Postkarten aus dem Jahr 1937 zeigen, wie es damals aus den Schloten der Schornsteine qualmte. Andreas Bornemann engagierter Sammler historischer Postkarten über Linden und Mitglied im Verein Lebendiges Linden, präsentiert diese und weitere historische Ansichten Lindens im Internet unter www.postkarten-archiv.de. Auf seiner Internet-Seite informiert der Sammler auch über die Geschichte der Postkarte, gibt Sammlertipps und bietet Tauschkarten an.

Der Verein Lebendiges Linden sieht sich als Förderer des Stadtteils. Damit Liebenswertes erhalten bleibt und nicht in Vergessenheit gerät, treffen sich die Mitglieder regelmäßig zum Gedankenaustausch. Die Förderung des Kulturlebens steht dabei im Vordergrund. Die Bürger sollen stärker an ihren Stadtteil gebunden werden, ehrenamtliches Engagement der Bewohner im Stadtteil soll öffentlich Anerkennung finden. Neben dem Verein Lebendiges Linden engagieren sich unter anderem auch der Präventionsrat Linden-Limmer die Arbeitsgemeinschaft Limmerscher Vereine, das Atelier 38 Süd, die Aktion Limmerstraße und der Sportverein von 1907 für einen aktiven Stadtteil. (jc)

 

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von © halloSONNTAG

Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) | Stadtanzeiger West vom 23. April 2004

Die Zeitreise führt zu Schloss und Schloten - von Gerda Valentin

Eine private Initiative setzt sich zur Zeit dafür ein, dass der Schwarze Bär - wie berichtet - eine lebensgroße Bärenskulptur aus schwarzem Stein bekommt. Den Lindener Andreas-Andrew Bornemann hat dies so angeregt, dass er auf seine Weise etwas für die Geschichte seines Stadtteils unternommen hat. Als Inhaber des Sicherheitsdienstes Luchs Security Service ist seine Firma auch im Internet zu finden - und genau dort hat er jetzt eine Seite mit alten Postkarten aus Linden platziert. "Ich sammle schon seit vielen Jahren Postkarten aus Linden und Hannover", verrät Herr Bornemann.

Einige der schönsten historischen Lindener Motive hat er für das weltweite Netz ausgesucht. Die Auswahl reicht aus der Zeit vor mehr als 100 Jahren bis in die jüngere Vergangenheit. So zeigt sich dem Betrachter das Schloss im Von Alten Garten aus dem Jahre 1905; auch die prachtvolle Jugendstilfassade der früheren Restauration am Schwarzen Bären, die "Bärenhöhle" im Erdgeschoss, ist zu bewundern. Auf dem Lindener Marktplatz und in der Beethovenstraße stehen junge Bäume akkurat in Reih‘ und Glied, und die Martinskirche ist eingebettet in üppiges Grün, das aus der Perspektive des Fotografen fast an ein Mittelgebirge denken lässt. Ein seltenes Bild zeigt einen Vorgängerbau des Krankenhauses Siloah. Allein auf weiter Flur ragt 1906 die neue Bethlehemkirche empor. "Diese Karte ging sogar an einen Konsul der deutschen Botschaft in Paris", erzählt Herr Bornemann. Eine völlig andere Ansicht fängt 1929 ein Stück Alltagsleben an der Ecke Limmerstraße / Kötnerholzweg ein: Die Kreuzung ist dicht belebt, und vor dem Haus, in dem sich heute das Lokal "Notre Dame" befindet, räumen Arbeiter gerade irgendwelchen Unrat weg.

Ein Blick reicht über die Ihme hinweg auf die Schornsteine der städtischen Gasanstalt; auch eine Gesamtansicht der Schlote und Dächer von Linden ist zu finden. Industrielles Leben blüht auch im "neuen Werkhof" der Hanomag. In der Nähe dieser Fabrikanlagen stehen fünf Lindener 1941 auf dem sonst völlig leeren Deisterplatz. Eine Fülle von Motiven präsentiert schließlich die Errungenschaften der sechziger Jahre: die Uhlhorn-Kirche mit ihrem schlanken Turm, die Mittelschule im Fössefeld und immer wieder voller Stolz das moderne Fössebad - oft alles auf einer Karte vereint. Auch das frisch renovierte Leinewehr bei Limmer war dem Fotografen einen Schnappschuss wert.

Doch die schönste der Lindener Postkarten stammt aus dem Jahr 1911: Dargestellt ist ein Mädchen, das mit Blumen im Haar und einem Blumenkörbchen im Arm vor dem Lindener Nachtwächterbrunnen steht - im Hintergrund das Lindener Rathaus, damals eines der beliebtesten Motive überhaupt. "Der Kinder Bestes ist des Volkes Wohl" steht unter dem Bildchen geschrieben. Ein Hinweis auf eine Wohltätigkeitsaktion? "Genaueres ist leider nicht mehr bekannt", bedauert Herr Bornemann. (val)

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ)