Tattoo-Schaubuden-KünstlerInnen, Tattoo-Attraktionen und Tätowierer

Tätowierte - von Stefan Nagel

Ansichts- und Postkarten wie die hier im Postkarten-Archiv abgebildeten wurden von den diversen Schaubuden-Menschen auf den Jahrmärkten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jhs. als Souvenirs verkauft. "Miss Käthe" stellte dabei unter den zahlreichen menschlichen Schauobjekten eine echte Attraktion dar, verkörperte sie doch als "tätowierte Kolossaldame" gleich zwei beliebte Sujets in einer Person. Dabei weckte zu einer Zeit, in der die Möglichkeiten zum Ausleben der eigenen Individualität sehr begrenzt waren, bereits ein tätowierter Körper allein das Interesse des Publikums. Bei diesen "Schaubuden-Freaks" handelte es sich in der überwiegenden Mehrzahl um Frauen, die damit warben, am ganzen Körper tätowiert zu sein und dies bis an die Grenzen des damals Schicklichen auch unter Beweis stellten. Dem Publikum eröffneten sich somit unter dem Vorwand einer eingehenden Betrachtung der "Kunstwerke" eine willkommene Gelegenheiten "einen Blick zu riskieren".

Miss Käthe einzig reisende tätowierte
Kolosal-Dame | 03.06.1912

Einige Tätowierte präsentierten ein artistisches Programm, häufig Feuerspucken oder Schlangenvorführungen. Noch mehr mögen die Schaubuden- und Varietébesucher jedoch von den Geschichten über die angebliche Herkunft der Tätowierungen gefesselt gewesen sein. Oftmals ging es dabei um kultische Riten Eingeborener, die, die Tätowierten auf Reisen in entlegene Weltgegenden schmerzhaft erleiden mussten.

Miss Käthe einzig reisende tätowierte
Kolosal-Dame - Ohne Konkurrenz | 07.07.1907

Motive wie Jesus Christus am Kreuz waren mit solchen Geschichten allerdings schwerlich in Einklang zu bringen. Offensichtlich fielen dem Publikum jedoch derartige Ungereimtheiten nicht auf, weil das Interesse tatsächlich weniger den Bildern galt…

Text © Stefan Nagel

Christian Warlich (1891-1964) "König der Tätowierer" | Erste Tätowier-Ateliers in Deutschland.

Christian Warlich, der "König der Tätowierer" oder auch "Prof. Electric. - Professional Electric Tattooing Artist" genannt, von Beruf Kesselmacher und Seemann, eröffnete um 1920 eine Gaststätte mit Tätowier-Atelier "Gaststätte Warlich - Atelier moderner Tätowierungen" in der Kieler Straße 43/44., in Hamburg St. Pauli. Das Gebäude besteht noch und heißt heute Clemens-Schultz-Straße 43.

Christian Heinrich Wilhelm Warlich wurde am 5. Januar 1891 in der ehemals selbstständigen Industriestadt Linden bei Hannover (Linden wurde 1920 nach Hannover eingemeindet = Hannover-Linden) geboren. Sein Vater K....

Christian Warlich fuhr nach seiner Lehre, die er mit 14 Jahren vermutlich in Dortmund/Nordrhein-Westfalen als Kesselschmied begann, nach einigen Gesellenjahren zur See. Er soll dabei, auf einer Fahrt in die USA, erstmals mit einer Tätowiermaschine in Berührung gekommen sein. Nachdem er sich in Hamburg St. Pauli niederließ, heiratete er am 17. August 1914 Magdalena Maria Warlich, geb. Bönki. Das Ehepaar hatte eine Tochter namens Elli Schmidt, geb. Warlich und wohnte laut Adressbuch von 1917 in der Erichstraße 33., in Hamburg-St. Pauli.

Laut Gewerbeschein eröffnete Christian Warlich 1921 im hinteren Bereich seiner Gaststätte, sein Tätowier-Atelier. In der Anfangszeit sorgte der Hamburger und spätere Tätowierer Theodor Vetter (1932-2004), als Koberer/Schlepper (Werber), für Kundschaft. Theodor Vetter, auch als "Tattoo Theo" bekannt, wurde 1932 in Hamburg geboren. Er ließ sich mit 16 Jahren von Christian Warlich tätowieren. Später war er auch selbst als Tätowierer tätig. Er hatte ca. 260 Tätowierungen auf seinem Körper und starb am 15. Juli 2004 in Hamburg.

Christian Warlich war vermutlich der erste Berufstätowierer Deutschlands und arbeitete auch als Erster in Deutschland mit einer elektrischen Tätowiermaschine (Tattaugraph). Er warb auf Werbekarten damit Lady Viola, eigentlich Ethel Martin Vangi (1898-1977), tätowiert zu haben. Mehr zu ihr weiter unten!

Leute die zur See fahren wollen,
müssen tätowiert sein! | 18.02.1912

Christian Warlich starb am 27. Februar 1964 in seinem Atelier an einem Gehirnschlag. Nach seinem Tod rettete Theodor "Tattoo Theo" Vetter den gesamten Nachlass aus dem Müll. So konnten 2013 im Museum für Hamburgische Geschichte, im Rahmen der Ausstellung "Wohin mit der Stadt", auch die Vorlagenbücher des Tätowierers Christian Warlich ausgestellt werden.

weitere Tätowierer

Ende der 1920er-Jahre gab es ca. 30 Berufstätowierer in Deutschland, darunter zum Beispiel Wilhelm "Willi" E. Blumberg (1877-?), der ursprünglich Tischler und Gelegenheitsarbeiter war. Er stammte aus Rudolstadt/Thüringen und betrieb bis Anfang 1932 ein kleines Atelier in Kiel/Schleswig-Holstein. Später tätowierte er dann in seiner Privatwohnung.

Johann Otto Kuchenmüller (1871-?), genannt "Hans". Er war ursprünglich Malergehilfe und stammte aus Graudenz in Westpreußen, heute Polen. Er tätowierte bis 1927 regelmäßig in Emden/Niedersachsen und war auch selbst stark tätowiert.

Albert Heinze, Spitzname "Onkel Albert" und "Peiken Albert" aus der Münzstraße am Alexander Platz in Berlin, nach dem Zweiten Weltkrieg dann in der Hein-Hoyer-Straße, in Hamburg St. Pauli. Sein Atelier in Hamburg finanzierte er mit der Haftentschädigung für seine Haft im Konzentrationslager (KZ).

Anfang 1932 wurde mit dem "Brachtschen Erlass" das öffentliche Auftreten und Zurschaustellen von tätowierten Menschen in fast ganz Deutschland allgemein verboten. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurden auch Tätowierer und Tätowierte in Konzentrationslager (KZ) verschleppt, unter anderem eben auch Wilhelm "Willi" E. Blumberg und Albert Heinze. Albert Heinze saß fast acht Jahre im Konzentrationslager (KZ). Christian Warlich wurde verschont, da die Schutzstaffel (SS) in seinem Tätowier-Atelier und in seiner Gaststätte ein und ausging.

Karl "Kuddl" Finke (1865-1935/41) und Marie Finke

Karl "Kuddl" Finke war Tätowierer, Ringkämpfer und Schausteller. Er wurde 1865 in Aschersleben/Sachsen-Anhalt geboren und war mit der "kunstvollst tätowierten Dame" Marie Finke verheiratet. Er wohnte laut Adressbuch bis 1906 in der Rothestraße 111., III. Etg. in Hamburg-Altona. Von 1907 bis 1913 war er mit seiner Frau auf Reisen. Marie Finke wurde im Februar 1911 von der Polizei verboten sich in einem angemieteten Berliner Lokal (Kommandantenstraße 61. in Berlin-Kreuzberg) zu zeigen.

Seit ca. 1914 war Karl "Kuddl" Finke mit seinem eigenen Tätowier-Atelier "Karl Finkes Tätowieranstalt" in der Großen Marienstraße 8., in Hamburg-Altona ansässig. Nun ging er nicht mehr als Ringkämpfer und Schausteller auf Tournee. Er hatte einen Sohn, der den Schaustellerbetrieb mit der Ringkampfbude übernahm und auch mit einer vollständig tätowierten Frau verheiratet war. Nachdem Karl "Kuddl" Finke um 1929 seine zweite Frau heiratete, begann er sofort damit sie vollständig zu tätowieren. Er soll 1935 gestorben sein, andere Quellen meinen er starb erst 1941. Es existiert noch ein kleines 40-seitiges Tattoo-Vorlagenbuch (Buch No. 3.) von Karl Finke in Hamburg.

Verbotsgesetz vollständig tätowierter Damen

In Deutschland wurde 1911 angeblich das "Verbotsgesetz vollständig tätowierter Damen" erlassen, somit durften sich nun die meisten Tattoo-Künstlerinnen nicht mehr öffentlich vor Publikum zeigen. Außerhalb Deutschlands war dies jedoch kein Problem. Ob dies wirklich stimmt, ist nicht belegt.

Ms. Arabella und Miss Angelica/Angelika, eigentlich Anna Schwarz

Ms. Arabella

"Miss Arabella", ihr richtiger Name ist unbekannt, trat als "kunstvollst tätowierte Dame“ oder auch nur als "Arabella", auf Jahrmärkten und in verschiedenen Varietés und Zirkussen in Europa und Übersee auf.

Angeblich soll "Miss Arabella" mit 1.000.000 Nadelstichen von verschiedenen Tätowierern, tätowiert worden sein. Auf ihrem Dekolleté waren Portrait-Abbildungen international bekannter Persönlichkeiten und Sterne zu sehen. Weitere Motive auf ihrem Körper waren die Kreuzigung Christi, verschiedene Blumen und Tiere sowie Ornamente.

Um 1907/8 konnte man "Miss Arabella" auch als Programmteil in einigen Kinematografen-Aufführungen (Kinovorführungen) sehen. 1912 trat sie als Attraktion im Gasthaus "Hotel Krone" in Elgg im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz auf. Es gab zahlreiche Motivkarten, auf denen "Miss Arabella" abgebildet wurde. Es soll auch Karten aus den 1930er-Jahren geben, auf denen sie zu sehen ist. Wann und wo "Miss Arabella" geboren wurde oder wann sie starb, ist nicht bekannt.

"Arabella"

Ms. Arabella, kunstvollst tätowierte Dame

Arabella

Ms. Arabella, kunstvollst tätowierte Dame

Miss Angelica/Angelika, eigentlich Anna Schwarz

Anna Schwarz trat als "Miss Angelica/Angelika, kunstvollst tätowierte Dame", als "Miss Melanie, mit ihrem 3köpfigem Babi" und einfach als "Colorierte Dame" auf. Anna Schwarz stammte vermutlich aus Weimar in Thüringen und hatte vor allem Tiere, Schmetterlinge und Blumen auf ihrem Körper tätowiert. Am Hals hatte sie eine Kette mit einem Herz-Medaillon, zwei Löwen und jeweils fünf Streifen rechts und links tätowiert. Zeitweise trat sie auch mit einer 3-köpfigen Babypuppe auf. Sie soll 1903 als "Miss Melanie, mit ihrem 3köpfigem Babi" auf einem Jahrmarkt in Erfurt/Thüringen aufgetreten sein. Wo und wann sie starb, ist unbekannt.

Colorierte Dame | 03.07.1911

Angelica Schwarz, tätowierte Dame.
17.02.1903

La belle Irene (1862-1915/16), eigentlich Irene Woodward

"La belle Irene", eigentlich Irene Woodward wurde am 21. April 1857/62 in Dallas, Texas/USA geboren. Sie trat erstmals 1882 im "Bunnell’s Museum" in New York City/USA auf und danach im "Globe Dime Museum" in der Bowery, in New York City. Ab 1883 tourte sie durch den Mittleren Westen der USA und kam später zum "Barnum and Bailey Limited Circus". Über ihren ersten Auftritt wurde auch in der "New York Times" berichtet. Privat wohnte sie später in Philadelphia, Pennsylvania/USA.

"La belle Irene" behauptet, von ihrem Vater tätowiert worden zu sein, dies stimmte aber nicht. Sie wurde unter anderem vom irischstämmigen Tätowierer Samuel F. O'Reilly (1854-1909) und dessen damaligen Schüler Charles Wagner (1875-1953) tätowiert. Sie hatte sich Schmetterlinge, Insekten, Blumen, Engel, Indianer, Adler, Klapperschlangen und verschiedene Symbole tätowieren lassen. Auch Alltagsszenen, wie der Abschied nehmende Schiffer waren auf ihrer Haut zu sehen.

1883 heiratete "La belle Irene" ihren Impresario (Manager) George E. Sterling, der seinen Namen in George E. Woodward änderte. Ihr gemeinsamer Sohn George E. Woodward (1885-?) nannte sich später George E. Barnes, of Barnes and West.

Seit 1888 war der deutsch-polnische Theatermanager und Impresario (Manager) Rosinsky aus Paris/Frankreich ihr Agent. Mit dem "Barnum and Bailey Limited Circus" ging "La belle Irene" ab Ende 1889 auf Europatournee. Man startete in London/England und war 1890 dann in Paris zu sehen.

"La belle Irene", trat im Juni 1890 in "Castans Panoptikum" in Berlin und ab 11. Januar 1891 in München/Bayern auf. Die Berliner Illustrierte Zeitung (BIZ) berichtete am 5. Juni 1890 ausführlich über ihren Auftritt in "Castans Panoptikum".

Souvenir - La belle Irène

Insgesamt fünf Jahre blieb "La belle Irene" in Deutschland und lebte zeitweise sogar in Dortmund, in Nordrhein-Westfalen und in Breslau, heute Wroclaw in Polen. Sie war somit die erste vollständig tätowierte Amerikanerin, die in Europa auftrat.

Im Juni 1895 reiste die Familie Woodward zurück in die USA, um für die "Pawnee Bill´s Wild West Show" aufzutreten. "La belle Irene", trat 1897 wieder in Paris und 1904/05 in Russland auf. Von ihr gab es 38 Wachsfiguren in den verschiedensten Museen und Panoptiken Europas und in Übersee. Sie war somit eine der erfolgreichsten Tattoo-Schaubuden-Künstler ihrer Zeit.

Anfang/Mitte September 1915 wurde "La belle Irene" in ein Krankenhaus, in Philadelphia eingeliefert und am 9. Oktober 1915 starb "La belle Irene - Irene Woodward" mit nur 58 Jahren dort an Gebärmutterkrebs. Sie wurde am 13. Oktober 1915 auf dem Monument Cemetery in Philadelphia beerdigt. Der Friedhof (heute ein Parkplatz) wurde in den 1950er-Jahren aufgegeben.

Miss Carmen | Miss Carma, eigentlich Nandl Koritzky

Nandl Koritzky, trat als "Nandl die fesche Tirolerin aus Innsbruck" auf. Sie tourte auch als "Miss Carmen" und "Miss Carma" durch Europa. Nandl Koritzky hatte Porträts deutscher Komponisten, Musiker und Literaten, sowie Seerosen, Blumenranken und Blattgewinde auf ihrem Körper tätowiert. Während ihrer Auftritte spielte ihr Ehemann Zither. Auch ihre Schwester soll mit der Südtirolerin aufgetretten sein. Im November 1907 war sie als "Miss Carma" in Luxemburg und 1915 in der Schweiz zu gast.

Miss Carma

Nandl, die fesche Tirolerin aus Innsbruck

Annie Howard, eigentlich Annie Boyle | Frank Howard (1857-1925)

Annie Howard, eigentlich Annie Boyle war mit William E. Boyle verheiratet. Angeblich soll es 25 Jahre gedauert haben, bis sie vollständig tätowiert war. Annie Boyle hatte zu meist patriotische Motive wie zum Beispiel "Adler mit Fahnen" auf ihrer Haut. Im "Bunnell’s Museum" in New York City/USA, dort trat sie das erste Mal 1882 auf, lernte sie im gleichen Jahr den aus Providence in Rhode Island/USA stammenden Tätowierer Frank Howard (1857-1925), auch er war am ganzen Körper tätowiert, kennen. Sie verliebte sich in den 25 Jahre älteren Mann. Als William E. Boyle dies erfuhr lies er sich im November 1882 von seiner Frau Scheiden. Sie wurde zuvor in Juni 1882 in New York City wegen Körperverletzung verhaftet und musste für zehn Tage im Stadtteil Fulton Ferry (Brooklyn) ins Gefängnis. Ein Passant hatte sie wegen ihrer tätowierten Arme angeblich auf der Fähre nach Brooklyn beleidigt, woraufhin sie ihn geschlagen und beleidigt haben soll. Mehrere Zeitungen berichteten über den Vorfall.

Samuel F. O'Reilly (1854-1909)

Zu dieser Zeit wurde Annie Boyle, wie auch andere Tattoo-Schaubuden-Künstlerinnen in New York City vom irischstämmigen Tätowierer Samuel F. O'Reilly, er wurde im Mai 1854 in Waterbury, New Haven, Connecticut/USA geboren, tätowiert. Sein Tätowier-Studio befand sich um 1885 am Chatham Square 11, in Chinatown, nahe der Bowery Street in Manhattan. Das Studio übernahm er vermutlich von einem Tätowierer, der dort schon seit einigen Jahren ein Studio betrieb. Am 11. Dezember 1889 heiratete er Jennie O'Reilly, geb. Abrams in New York City. Das Ehepaar hatte einen Sohn namens Harold O'Reilly (1902-?).

Samuel F. O'Reilly war nicht nur Tätowierer, sondern auch Erfinder. Er meldete am 8. Dezember 1891 in New York City ein Patent (US-Patent Nr. 464801) für eine elektrische Tätowiermaschine (Tattaugraph) an. Die Maschine basierte auf dem elektrischen Stift von Thomas Alva Edison (1847-1931). Samuel F. O'Reilly starb am 29. April 1909 in Brooklyn, New York City/USA, als er aus dem Fenster fiel, während er sein Haus anstrich. Er wurde am 3. Mai 1909 auf dem Holy Cross Friedhof in Brooklyn beerdigt. Sein Studio wurde von seinem Schüler Charles Wagner (1875-1953) bis zu dessen Tod weiter geführt.

Nachdem Annie Boyle, vermutlich Frank Howard geheiratet hatte, es existiert keine offizielle Heiratsurkunde, gingen sie zusammen in den USA auf Tournee. Sie trat nun unter dem Namen "Annie Howard" auf. Im Juli 1883 kam ihre gemeinsame Tochter Ivy Howard (1883-?) in Hammond, Indiana/USA, zur Welt. Ivy Howard wurde später eine berühmte Kornett Solistin und Schlangenbeschwörerin. Nach der Geburt ihrer Tochter Ivy tourten sie mit verschiedenen Zirkussen durch die USA.

Ab Februar 1888 gingen sie mit dem "Barnum and Bailey Limited Circus" von New York City aus bis zum 22. Oktober 1888 auf USA Tournee. Am 27. Januar 1889 traten sie zur Eröffnung des "Doris`s Eighth Avenue Museums" und ab Februar 1889 im "Grand Museum", beides in New York City auf. Vom 4. Mai bis 7. Oktober 1889 tourten sie mit dem "B. E. Wallace Circus" von Benjamin E. Wallace (1847-1921) durch den Mittleren Westen der USA. In den Wintermonaten 1889 bis Anfang 1890 waren sie dann im "Doris`s Harlem Museum" in New York City zu sehen. Ab April 1895 gingen sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter und dem "Mohawk Valley Circus" auf Tour. Frank Howard war seit Mai 1895 auch als "Sideshow-Manager" für den Zirkus tätig.

Die Familie Howard verließ im Dezember 1897 die USA um für den "Barnum and Bailey Limited Circus" bis 1901 in Europa aufzutreten. Nachdem sie in die USA zurückkehrten und einige Zeit in Bosten, Massachusetts/USA verbrachten, gingen sie ab 1903 wieder in den USA auf Tournee. Aus dieser Zeit existieren Karten, auf denen Annie und Frank Howard als tätowiertes Geschwisterpaar beworben werden, dies stimmt natürlich nicht. Frank Howard eröffnete 1907 in Boston, Massachusetts/USA, in der Court Street 153 sein eigenes Tattoo-Studio. Annie Howard verließ mit ihrer Tochter Ivy 1911 ihren Ehemann. Er heiratete am 6. Oktober 1914 die aus St. Helens in England stammende Louisa Howard, geb. Morris und starb im November 1925.

Annie Howard soll sich später ins Privatleben zurückgezogen haben. Über das Schicksal ihrer Tochter Ivy ist nichts bekannt.

John Hayes (1864-?)

Auch der wohl 1864 in Ansonia, Connecticut/USA geborene Tattoo-Künstler John Hayes wurde vom irischstämmigen New Yorker Tätowierer Samuel F. O'Reilly (1854-1909) und anderen Tätowierern tätowiert.

Seine Eltern waren arme Einwanderer aus Irland. Mit 14 Jahren soll er in die US-Armee eingetreten sein, und dort als Trommler gedient haben. Ab 1880 trat er als Tattoo-Attraktion für den "Barnum and Bailey Limited Circus" in dessen Sideshow auf und behauptete von Apachen-Indianern entführt und gegen seinen Willen tätowiert worden zu sein, dies stimmte allerdings nicht. John Hayes soll angeblich 780 Motive auf seinem Körper gehabt haben. Wann und wo John Hayes starb ist leider nicht bekannt.

Professor Norton "Society Tattooing Artist"

Professor Norton war ein Tätowierer, der auch vor Publikum tätowierte. Er war vom 8. bis 26. September 1907 mit dem "Barnum and Bailey Limited Circus" in Belfort/Frankreich zu sehen. Dort trat Professor Norton auch in einem Cafe auf.

Professor Norton Society Tattooing Artist

George B. Bunnell (1835-1911), Museumsdirektor und Sideshow-Manager

George B. Bunnell wurde am 4. August 1835 in Fairfield County, Connecticut/USA geboren, er war Museumsdirektor und Sideshow-Manager beim späteren Zirkuskönig Phineas Taylor Barnum (1810-1891). Verheiratet war George B. Bunnell seit dem 13. Februar 1877 mit Caroline H. Bunnell (1852-1938), geb. Beardsley, genannt "Carrie". Sie wurde ebentfalls in Fairfield County, Connecticut geboren. Mit Phineas Taylor Barnum als stillen Teilhaber eröffnete George B. Bunnell 1876 das "New American Museum" (Bunnell’s Museum) in der Bowery Street 103-105, in Manhattan/New York City/USA. Drei Jahre später zog das Museum 1879 in größere Räume, in die Bowery (Bowery Street 298) um, und am 2. Juni 1879 brannte es komplett ab.

Danach eröffnete George B. Bunnell ohne Phineas T. Barnum am 8. Dezember 1880 ein neues Museum am Broadway 711 in Manhattan. Das "Bunnell’s Museum" zeigte nun neben den üblichen Wachsfiguren und anderen Kuriositäten auch zahlreiche, lebende Schaubuden-Abnormitäten, wie zum Beispiel Albinos, Bartdamen, Kolossal-Menschen, Liliputaner, Riesen, Siamesische Zwillinge und vor allem in den Wintermonaten Tätowierte. Das Museum zog noch mehrmals um und wurde auch immer wieder umbenannt. George B. Bunnell starb mit 76 Jahren am 3. Mai 1911 in Greens Farms, Fairfield County, Connecticut/USA.

Martin "Old Martin" Hildebrandt (?-1890) und Nora Hildebrandt (?-1893)

Der deutsche Auswanderer Martin Hildebrandt, er soll mit 18 Jahren aus Hannover in Niedersachsen ausgewandert sein, arbeitet ab 1846 als reisender Tätowierer (Travelling tattoo artist) an der Ostküste der USA, wo er Soldaten beider Seiten während des Amerikanischen Bürgerkriegs tätowierte. Um 1870 betrieb er ein Atelier in der Oak Street (heute Monroe Street) in der Lower East Side, in New York City/USA. Martin "Old Martin" Hildebrandt wurde zu einem der ersten professionellen Tätowierer in den USA. Mit der Hand-Methode tätowiert er unter anderem auch Annie und Frank Howard während ihrer Aufenthalte in New York City. Martin Hildebrandt heiratete Nora Hildebrandt (?-1893), die er zuvor auch tätowiert hatte, allerdings existiert keine offizielle Heiratsurkunde. Sie nahm aber seinen Nachnamen an und beide lebten zusammen als Ehepaar in New York City.

Nora Hildebrandt (?-1893) wurde um 1857 in London/England geboren und trat erstmals am 1. März 1882 in "Bunnell’s Museum" in New York City/USA vor Publikum auf. Sie soll 365 Tätowierungen auf ihrem Körper gehabt haben. Sie erzählte, wie später auch andere Tattoo-Künstler, eine abenteuerliche Geschichte über die Herkunft ihrer vielen Tätowierungen.

So soll sie während einer Reise mit ihrem Vater durch den Wilden Westen vom Indianerhäuptling Sitting Bull (um 1831-1890) gefangen genommen worden sein. Ihr Vater wurde von den Indianern gezwungen sie ein Jahr lang jeden Tag zu tätowieren, während sie an einem Baum gefesselt war. Die Schmerzen hätten sie sogar erblinden lassen. Nachdem alle Tätowiernadeln gebrochen waren, wurde ihr Vater dann von den Indianern ermordet. Nach ihrer Befreiung durch General George Cook (1828-1895) kam sie in ein Krankenhaus und wurde geheilt. In der Klinik soll sie den Sideshow- und Zirkusbesitzer Adam John Forepaugh (1831-1890) getroffen haben, der sie nach New York City brachte, um sie für sein Zirkusunternehmen unter Vertrag zu nehmen. Die Geschichte stimmte natürlich nicht, die Tätowierungen stammten wohl von Martin "Old Martin" Hildebrandt. Allerdings trat sie tatsächlich später für Adam John Forepaugh in dessen Zirkusshows auf.

Nora Hildebrandt trennte sich später von Martin "Old Martin" Hildebrandt und heiratete am 20. Januar 1889 den deutschstämmigen, tätowierten Friseur Jacob Gunther. Um 1890 ging sie mit Jacob Hildebrandt, ihr Ehemann nahm ihren Nachnamen an, und dem "Barnum and Bailey Limited Circus" auf Tournee. Das Ehepaar trat zusammen auf. Nora Hildebrandt starb am 1. April 1893 in Brooklyn, New York City .und Jacob Hildebrandt betrieb unter seinem richtigen Namen Jacob Gunther bis zu seinem Tode ein Friseurgeschäft in Brooklyn, New York City.

Martin "Old Martin" Hildebrandt starb am 16. Januar 1890 in Manhattan/New York City. Sein Beiname "Old Martin" taucht erstmals am 1. Februar 1898 in einem Zeitungsartikel der "New York Evening Post" auf.

Frank Marwood und vermutlich Lena Marwood | Fred Markoff "Der König der Tätowierten"

Frank Marwood und vermutlich Lena Marwood

Frank Warwood war komplett bis auf sein Gesicht, seine Hände und seine Füße tätowiert. Auf seinem Bauch waren mehrere Engel zu sehen. Im April 1905 trat er in der "Buffalo Bill - Wild West Show" in Frankreich auf. Die Europatournee Buffalo Bills (1846-1917), eigentlich William Frederick Cody, startete 1903 und dauerte vier Jahre. Davor und auch danach war die Show schon mehrmals durch Europa getourt. Auch in anderen Zirkussen in Europa und Übersee trat Frank Marwood auf. Er war vermutlich mit der tätowierten Lena Marwood verheiratet. Sie tourte 1909 mit ihm und der "Buffalo Bill Show" durch Europa.

Fred Markoff "Der König der Tätowierten"

Fred Markoff warb dreisprachig (auf deutsch, französisch und italienisch) auf seinen Karten als "Der König der Tätowierten" und als "der Besttätowierte der Welt". Auf seinem Körper waren Szenen aus dem russisch-japanischen Krieg von 1904 bis 1905 tätowiert. Es könnte durchaus sein, dass er aus Russland stammte oder am russisch-japanischen Krieg teilnahm.

Frank Marwood, tätowierter Mann,
Buffalo Bill Wild West Show  

Unbekannte tätowierte Frau,
vermutlich Lena Marwood

Fred Markoff, der Besttätowierte der Welt.
Szenen aus dem russ.-jap. Krieg,...

Irma Senta, eigentlich Irma Sarth

"Irma Senta", eigentlich Irma Sarth stammte aus Deutschland und war mit dem Tätowierer Gustav Sarth verheiratet. Das Ehepaar wohnte in Gelsenkirchen/Nordrhein-Westfalen. "Irma Senta" hatte auf ihrem Rücken eine Zirkusmanege mit Artisten tätowiert. Wann und wo sie geboren wurde oder wann sie starb, ist nicht bekannt.

Irma Senta

Irma Senta

Miss Helio/Hella, tätowierte Kolossaldame

Miss Helio oder auch Miss Hella trat als tätowierte Kolossaldame und Wahrsagerin auf. Sie warb als "Miss Helio, tätowierte Kolossaldame und beste Wahrsagerin". Später war sie als Masseurin in Görlitz/Sachsen tätig. Wo sie geboren wurde und ihr richtiger Name ist unbekannt.

Miss Helio, tätowierte Kolossaldame

William Boston (1864-?), eigentlich Anton Höffels

Anton Höffels wurde vermutlich 1864 in Deutschland geboren. Als Kind lebte er mit seiner Familie auf Schloss Myllendonk in Korschenbroich nahe der Stadtgrenze zu Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen. Sein Vater war im Schloss als Handwerker und Hausmeister angestellt und bewohnte mit seiner Familie die Hausmeisterwohnung. Mit 16 Jahren soll Anton Höffels dann mehrere Jahre zur See gefahren sein und lebte wohl auch einige Jahre in China. Vermutlich lies er sich auf seinen Seereisen um die Welt am ganzen Körper tätowieren. Später tourte Anton Höffels unter seinem Künstlernamen "William Boston" mit dem berühmten "Barnum and Bailey Limited Circus" durch Europa und die USA. Er warb vor allem auf französischen Ansichts- und Postkarten mit seinen aus Afrika stammenden Tätowierungen. Mit 42 Jahren heiratete er und hatte mit seiner Frau insgesamt sieben Kinder, drei Jungen und vier Mädchen. Wann und wo Anton Höffels starb, ist leider nicht bekannt.

Literatur- und Quellenverzeichnis:
Ich bedanke mich bei Frau Petra Heckers für die Informationen über ihren Urgroßvater Anton Höffels.

Tatouer de l`afrique | 02.07.1902

Tatouer de l`afrique

L'Homme Tatoué

Benn-abu-Bekier | Cesar Franelli, eigentlich Hugo Schmidt-Wölfers

Der Fakir, Salonrezitator, Sänger, Tattoo-Künstler und Tätowierer Hugo Schmidt-Wölfers trat unter seinen Künstlernamen "Benn-abu-Bekier" und "Cesar Franelli" auf. Er durchstach seine Haut vor Publikum mit langen Nadeln und hatte auf seinem Rücken die Darstellung der Kreuzigung Jesu Christi mit der Überschrift: "Lerne Leiden, ohne zu klagen" tätowiert. Auf seiner Brust, unter einem großen Stern war die nackte "Göttin Fortuna", mit erhobenen Flügeln abgebildet. Hugo Schmidt-Wölfers war auch gelegentlich als Tätowierer auf Anfrage, ohne ein eigenes Atelier tätig. Seine ständige Adresse war die Moritzstraße 60. in Zwickau/Sachsen.

Hugo Schmidt-Wölfers warb auf seinen unterschiedlichen Karten unter anderem als "Benn-abu-Bekier - Besttätowierter Mann - Medizinisches Rätsel - Unverwundbarer deutscher Fakir" und als "Cesar Franelli, Kunstvolle Tätowierungen - Größtes Phänomen moderner Auto-Suggestion".

Cesar Franelli
Kunstvolle Tätowierungen - Größtes Phänomen moderner
Auto-Suggestion | 20.11.1919

Benn-abu-Bekier - Besttätowierter Mann
Medizinisches Rätsel - Unverwundbarer deutscher Fakir

Ben-abu-Bekier | Benedutti Bellini oder auch Mr. William

"Ben-abu-Bekier", oder "Benedutti Bellini", oder auch "Mr. William" trat zusammen mit seinem ganzkörpertätowierten, mexikanischen Präriehund und als indischer Fakir auf. Er soll angeblich Amerikaner gewesen sein, es ist aber davon auszugehen, dass er aus Deutschland stammte.

Sein Auftreten und die Namensähnlichkeit zu Hugo Schmidt-Wölfers (Benn-abu-Bekier / Cesar Franelli) ist sehr groß, doch hatte dieser ganz andere Tätowierungen auf seinem Körper. Außerdem war "Mr. William" muskulöser und hatte unter anderem auf seinem rechten Oberarm eine "nackte Venus" tätowiert. Auch er durchstach sich auf der Bühne seine Haut mit langen Nadeln und warb als "Ben-Abu-Bekier, der Beherrscher des Blutes. Phänomenaler psychologischer Akt der Autosuggestion", als "Ben-Abu-Bekier, indischer Fakir", "Mr. William the americain Fakir with his tättooed Dog" und auch als "Benedutti Bellini".

 

Mr. William
the best tattooed Man on earth,
der beste Tätowirte der Welt,
mit seinem tätowirten mexikanischen Prairiehund
Original ohne Concurrenz am Continent.

Ben-abu-Bekier, der Beherrscher des Blutes Phänomenaler psychologischer Akt der Autosuggestion

Zum Andenken an den
Besttätowierten der Gegewart
Ben-Abu-Bekier

Mr. William the americain Fakir with his tättooed Dog - mit seinem tätowirten Prairiehund. Original Tric, ohne Concurrenz am Continent...

Ellis van Dyk | Suleika, eigentlich Emmy

Ellis van Dyk

Ellis van Dyk wurde in den Niederlanden geboren und wurde vom Tätowierer Jos. Cappelmann aus Köln/Nordrhein-Westfalen tätowiert. Er tätowierte mit einer Tätowiermaschine und war auch ihr Impresario (Manager). Ihre ständige Adresse war die Kempanerstraße 65., in Köln-Nippes. Ellis van Dyk warb unter anderem als "Die Blaue Dame", "Die schöne Holländerin", "Kunstvollst tätowierte Dame der Welt" und als "Weltschau Attraktion". Sie soll 37 Portrait- und drei Pferdedarstellungen auf ihrem Körper gehabt haben. Wann und wo sie genau geboren wurde oder starb, ist unbekannt.

Suleika, eigentlich Emmy

"Suleika", eigentlich Emmy trat als "Die tätowierte Schönheit" auf. Sie hatte vornehmlich Damen und Herren Portraits auf ihrem Körper tätowiert. Als "Miss Emmy" stand sie Anfang September 1906 auf dem Schützenfest in Emden/Niedersachsen, zusammen mit ihrem ganzkörpertätowierten Wunderhund, er war bis auf den Kopf und Schwanz rasiert, auf der Bühne. Der Hund kam angeblich aus Indien und soll dort auch tätowiert worden sein. Es gibt Karten, auf denen "Miss Emmy" zusammen mit ihrem Hund abgebildet ist. Ihr Impresario (Manager) war A. Scheuer aus Hamburg-Altona, später Hamburg-Stellingen. Als "Suleika" war ihr Impresario Heinrich Sinemus aus der Bergstraße 3., 1928/29 Mittelstraße 10., beides in Hannover (Calenberger-Neustadt).

Die Blaue Dame - Die Holländerin
Ellis v. Dyk | 03.07.1914

Die Holländerin Ellis van Dyk, die
kunstvollst tätowierte Dame der Welt....
01.01.1914

Suleika, tätowierte Schönheit
15.08.1911

Florida Idona "die Perle der Kunst"

Florida Idona warb für sich als “die Perle der Kunst“ und als “die Göttin der Farbenpracht“. Wann und wo sie genau geboren wurde oder starb, ist unbekannt. Auch ihr richtiger Name ist nicht bekannt.

FLORIDA IDONA, die Perle der Kunst

FLORIDA IDONA

Froeken Ingeborg

Froeken Ingeborg wurde vermutlich in Dänemark geboren, es gibt auch Karten, auf denen steht, dass sie wohl aus Schweden stamme. Sie hatte eine Tochter, die sie später mit auf Reisen nahm. Froeken Ingeborg warb als "Die lebende Bildergalerie", "Das lebende Kunstgemälde" und als "Der Stern des Nordens" auf ihren Karten. Sie wurde mehrmals für ihre Tätowierungen ausgezeichnet. In der "Leipziger Zeitung" suchte sie 1933 für sich und ihre Tochter ein Engagement, obwohl zu dieser Zeit mit dem "Brachtschen Erlass" angeblich das öffentliche Auftreten und Zurschaustellen von tätowierten Menschen in Deutschland schon verboten war.

Froeken Ingeborg, tätowierte Dame
"Die lebende Bildergalerie" aus Dänemark

Miss Ingeborg, tätowierte Dame

Olly Esky

Olly Esky trat als "Das lebende Bilderbuch" und "Die best tätowierte Dame" auf. Sie war auf verschiedenen Jahrmärkten und in Varietés und Zirkussen in Deutschland und Europa zu sehen. Wann und wo Olly Esky geboren wurde oder starb, ist unbekannt.

Olly Esky, das lebende Bilderbuch

Sabella Anitta und Sabella Anitta

Sabella Anitta und auch eine weitere Sabella Anitta traten als "Die kunstvollst tätowierte Dame der Jetztzeit" und als "Das Blaue Weib, jüngste und bestreisende tätowierte Dame der Jetztzeit" auf.

Die eine hatte unter anderem auf ihrem Dekolleté, ihren Namen, eine Kette mit floralen Motiven und einen Adler mit mehreren Flaggen tätowiert. Auf ihrem linken Bein war ein großes Männerportrait zu sehen. Sie trat auch als Athletin und Ringerin auf. Auf dem Schützenfest in Erfurt/Thüringen war sie 1903 zu sehen. Am 27. September 1918 trat Sabella Anitta in einer Varieté-Vorstellung in Lübeck/Schleswig-Holststein auf. - Die andere war etwas dicker und hatte auf ihrem Dekolleté Flaggen tätowiert. Auf ihrem rechten Bein war ein Löwe mit einem Löwenjungen zu sehen. Und auf ihrem linken Bein war ein großes Frauenportrait tätowiert.

Sabella Anitta die kunstvollst tätowierte Dame der Jetztzeit.

"Sabella Anitta" Das Blaue Weib,
jüngste und bestreisende tätowierte
Dame d. Jetztzeit. | 27.09.1918

Frl. Annette Nerona | Fräulein Marie "Die Perle vom Rhein" | Princess Cristina

Frl. Annette Nerona

Frl. Annette Nerona stammte vermutlich aus Deutschland oder der Schweiz. Sie hatte unter anderem Portrait-Abbildungen bekannter Persönlichkeiten wie zum Beispiel von Richard Wagner (1813-1883), Friedrich Schiller (1759-1805) und Wolfgang von Goethe (1749-1832) tätowiert. Sie soll auch als Athletin, Musikvirtuosin, Schlangenbändigerin und Zauberin aufgetreten sein. Frl. Annette Nerona trat auch im um 1900 eröffneten Panoptikum in Zürich/Schweiz auf.

Fräulein Marie "Die Perle vom Rhein"

"Fräulein Marie" nannte sich "Die Perle vom Rhein" und hieß mit Nachnamen vermutlich Theissen. Sie trat wahrscheinlich im November 1907 in Hamburg St. Pauli als Marie Theissen auf dem Spielbudenplatz und in verschiedenen Varietés entlang der Reeperbahn auf. Wann und wo "Fräulien Marie" geboren wurde oder wann sie starb, ist nicht bekannt.

Frl. Annette die tätowierte Dame
10.03.1902

Fräulein Marie, tätowierte Dame,
genannt "Die Perle vom Rhein"
27.04.1905.

Princess Cristina

Princess Cristina

Princess Cristina stammte vermutlich aus den USA. Sie hatte vornehmlich US-amerikanische Nationalsymbole, wie zum Beispiel das Sternenbanner (US-Flagge) und den Weißkopfseeadler auf ihrem Dekolleté tätowiert. Außerdem gab es noch tätowierte Schlangen, Schmetterlinge und Kreuze auf ihrer Haut zu sehen. Princess Cristina warb auf ihren Karten als "The Human Fresco". Princess Cristina tourte 1912 mit einer eigens für sie vom Sideshow- und Zirkusbesitzer Tom Wortley organisierten Show durch die USA. Die "Cristina Tattooed Princess Show" war über ein Jahr erfolgreich in den USA zu sehen.

Rosella, eigentlich Frau Laubach

"Rosella" war ein Künstlername. Die Dame hieß mit Nachnamen Laubach und war die Großmutter von Peter Laubach der seit 1983 in München/Bayern das Tattoo-Studio "Rainbow Tattoo" betreibt. Schon sein Großvater war Schausteller und Tätowierer, er gründete 1902 ein Studio in Köln/Nordrhein-Westfahlen. Peter Laubachs Großmutter wurde von ihrem Ehemann am ganzen Körper tätowiert. Sie trat als “Rosella, die in 4 Farben tätowierte Kolossal-Dame“ in Schaubuden und Varietés auf.

Rosella, die in 4 Farben tätowierte
Kolossal-Dame

Mia Askaria | Käthe Trumpfheller | Miss Mary | Anita | Hilde Petersen

Mia Askaria, der Stern der Kunst

Käthe Trumpfheller, die kunstvollst
tätowierte Dame der Welt. gen.:
"Der blaue Stern".

Zum Andenken an Miss Mary

Zum Andenken an die tätowierte Dame ANITA | 04.07.1912

Hilde Petersen die kleinste in 14 Farben
tätowierte Dame der Welt.

Elvira | Vasantasena | Miss Melata | Margit

Elvira, die kunstvoll tätowierte Dame

Margit

Vasantasena, tätow.
indische Barfußtänzerin

Miss Melata kunstvollst Tätowierte
Dame | 11.02.1905

L' Homme Tatoué | L' Homme Tatoué

L' Homme Tatoué

L' Homme Tatoué

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text ab Verbots-Gesetz vollständig tätowierter Damen...
Stefan Nagel / Text (Tätowierte) - www.riesendame.blogspot.com / www.schaubuden.de

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A Meandering Story with a Sad End - The Death of La Belle Irene/Irene Woodward | Amelia Klem Osterud | 2013
Buzzworthy Tattoo History | Carmen Forquer Nyssen - www.buzzworthytattoo.com
Das blaue Weib und andere Zirkusfrauen. Theoretische Aspekte von Tätowierungen unter besonderer Berücksichtigung von "Tätowierten Damen" in Zirkus und Schaubuden untersucht am Beispiel der Sammlung Walther Schönfeld | Igor Eberhard | Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien (MAGW) | 2011
Das Buch der Wunder in Barnum & Bailey's größter Schaustellung der Erde mit vollen Beschreibungen der menschlichen Kuriositäten und seltenen Tiere | Clarence L. Dean | Verlag Barnum and Bailey Limited Berlin | 1900
Die Flucht der Zeit - Schilderung des Auftritts von Nandl Koritzky | Hugo Ball | 1927
Fahrend Volk. Abnormitäten, Kuriositäten und interessante Vertreter der wandernden Künstlerwelt | Signor Saltarino (Hermann Waldemar Otto) | Weber Verlag | 1895
Showmanship and the Fairground Show - National Fairground and Circus Archive | The University of Sheffield England
Kings Avenue "Nachlass Warlich - A research project on the German tattooist Christian Warlich (1891-1964)“ | Vortrag von Ole Wittmann bei Kings Avenue Tattoo - New York City/USA - www.youtu.be/if5IfbGbnsg | 02/2017
König der Stecher | Julika Pohle | DIE WELT - WeltN24 GmbH | 07/2016
Körperbemalen, Brandmarken, Tätowieren | Walther Schönfeld | Alfred Hüthig Verlag | 1960
Das Leben des "Königs der Tätowierer" in Hamburg | Annette Stiekele | Hamburger Abendblatt | 02/2017
Der Nachlass von Christian Warlich - Forschungs- und Ausstellungsprojekt | Ole Wittmann - Stiftung Historische Museen Hamburg - Museum für Hamburgische Geschichte - www.christian-warlich.org
Die Tätowierung in den deutschen Hafenstädten. Ein Versuch zur Erfassung ihrer Formen und ihres Bildgutes | Adolf Spamer | Verlag: G. Winters Buchhandlung, Fr. Quelle Nachf. | 1934
The Rich Mingins Collection (GB) | Rich Mingins (1916-1968)
Schlange auf der Stirn | DER SPIEGEL - SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG. | 10/1951
Show Freaks und Monster. Sammlung Felix Adanos | Hans Scheugl | DuMont Buchverlag | 1978
Tattoo: Secrets of a Strange Art | Albert Parry | Dover Publications | 2006
The Tattooed Lady: A History | Amelia Klem Osterud | Taylor Pub Verlag | 2014
Tollkühne Frauen: Zirkuskünstlerinnen zwischen Hochseil und Raubtierkäfig | Brigitte Felderer & Helma Bittermann | Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG | 2014
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
Zeichen auf der Haut - Die Geschichte der Tätowierung in Europa | Stefan Oettermann | Syndikat Autoren- und Verlagsges. | 1979