Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Lindener Gewerbe- Handel und Industriebetriebe

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Archiv - Hannoversche Waggonfabrik AG (HAWA)

1896/98 Hannoversche Holzverarbeitungs- und Waggonfabrik vorm. Max Menzel und Buschbaum & Holland AG, seit 1904 Hannoversche Waggonfabrik AG, seit 1925 Hannoversche Waggonfabrik AG (HAWA)

Die in der Nähe des Bahnhofs Fischerhof gegründete Waggonfabrik von Wilhelm Buschbaum und Fritz Holland war einer der beiden etablierten Teilbetriebe, aus denen am 6. Februar 1898 die Hannoversche Holzverarbeitungs- und Waggonfabrik vorm. Max Menzel und Buschbaum & Holland AG entstand. Der andere Teil war die 1857 umgewandelte Stellmacherei Friedrich Oelschläger in die Wagenfabrik Oelschläger, in der Auestraße, am Ihme-Ufer. Dort wurden seit 1880 Omnibuswagen für die Allgemeine Berliner Omnibusgesellschaft (ABOAG) gebaut, die 1928 in der Berliner Verkehrs-A.G. (BVG) fusionierte.

Max Menzel (1858-1903) trat in die Waggonfabrik Buschbaum & Holland als Partner ein und man wandelte die Firma in eine Aktiengesellschaft um. Die Gesellschaft baute Straßenbahnwagen, die sie in Gemeinschaft mit der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) aus Berlin herstellten. Als 1891 die Hannoversche Straßenbahngesellschaft, später ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe AG einen Großauftrag zum Bau von 25 Pferdebahnwagen und später 18 Motorwagen (in Zusammenarbeit mit Siemens & Halske) in Auftrag gab, wurden die Produktionsstätten in der Auestraße zu klein. Außerdem brauchte man einen Direktanschluss an das Schienennetz um Eisenbahnwaggons, herstellen zu können. Nach weiteren Straßenbahnaufträgen für Braunschweig und Stadthagen folgte 1895 der erste Auftrag für Personen- und Güterwagen für die Eisenbahn Börßum-Hornburg. Als 1896 ein Großfeuer die Fabrikanlagen zerstörte, zog man auf ein neues Grundstück an der Göttinger Chaussee/Bahnhof Fischerhof. Zum Gelände gehörte auch ein eigenes Flugfeld. Noch 1896 nahm man den Betrieb wieder auf.

Baugenossenschaft Gemeinnütziger Bauverein Ricklingen (GBR)

Die Arbeiter der Waggonfabrik gründeten 1900 die Baugenossenschaft Gemeinnütziger Bauverein Ricklingen (GBR). In der Gredelfeld-, Menzel- und Schnabelstraße, in Ricklingen wurden dann in den Jahren 1900 bis 1913 für die Genossenschafts-Mitglieder die ersten Doppelhäuser errichtet. Die Gebäude sind noch vorhanden und wurden modernisiert.

Lindener Actien Brauerei (HAWA Bierwagen mit Bremse)

Menzel-Straße - Schnabel-Straße | 21.05.1915

1904 wurde die Firma in Hannoversche Waggonfabrik AG umbenannt. Die Waggonfabrik lieferte ihre Schienenfahrzeuge in die ganze Welt, zum Beispiel auch nach Brasilien, Honduras und nach Java/Indonesien. Insgesamt verließen ca. 45.000 Schienenfahrzeuge das Werk am Fischerbahnhof in Linden. Die Zahl der Arbeiter stieg von 300 (1898) auf 3000 (1918).

Streik um Akkordsätze bei der Hannoverschen Waggonfabrik AG | Neue Fabrikhallen nach erneutem Brand

Ab 23. Januar 1905 streiken die Arbeiter der Hannoverschen Waggonfabrik AG für die Anhebung ihrer Akkordsätze. Die Geschäftsführung lässt daraufhin 60 Streikbrecher aus Österreich kommen, sodass der Streik am 7. Mai 1905 ergebnislos zusammenbricht. Als die Waggonfabrik im August 1914 erneut abbrannte, wurden noch im selben Jahr neue Fabrikhallen für die Holzverarbeitung, der Stellmacherei und der Personenwagenschlosserei vom Architekten Peter Behrens (1868-1940), der zu dieser Zeit einer der bedeutendsten Architekten in Deutschland war, entworfen.

Erster Weltkrieg (1914-1918).

Mit Kriegsbeginn 1914 stellte man die Produktion sofort auf Militärfahrzeuge um. Es wurden Proviant- und Munitionswagen, Feldküchen, Brotwagen und Lazarettwagen (Sanitätswagen) gefertigt. Im zweiten Kriegsjahr wurde allerdings ein Großteil der Fabrikation wieder auf den Waggonbau zurückgestellt. Während des Krieges wurden bei der HAWA um 1915 auch 150 Frauen beschäftigt, um die eingezogenen Männer zu ersetzen. Die Frauen bekamen allerdings nicht den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen. Wie viele Werksangehörige der Hannoverschen Waggonfabrik AG im Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 gefallen sind, ist nicht bekannt. Es wurden von Ende September 1916 bis Ende Dezember 1918 auch 118 Kriegsgefangene beschäftigt.

Flugzeugbau | Hermann Dorner (1882-1963)

Im Ersten Weltkrieg hat die HAWA unter der Leitung von Dipl.-Ing. Hermann Dorner (1882-1963), der bis zu seinem Tod am 6. Februar 1963 in Hannover wohnte, auch Flugzeuge gebaut. Ursprünglich war er studierter Schiffsbauer.

Ab September 1916 wurde Hermann Dorner Chefkonstrukteur für die Flugmotorenentwicklung bei der HAWA, wo er die Hannover-CL-Typen (Schlachtflugzeuge der deutschen Reichs-Fliegertruppe) entwarf. Täglich wurden fünf Maschinen gefertigt. Ein bekannter Flugzeugtyp erhielt den Namen "Der schwarze Hannoveraner". Vom CL-II-Typ wurden bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 493 Exemplare bei der HAWA gebaut.

Der HAWA H 1 Vampyr war ein Segelflugzeug, das von vier hannoverschen Studenten der Technischen Hochschule, unter der Leitung von Dipl.-Ing. Hermann Dorner, konstruiert und 1920/21 von der HAWA gebaut wurde. Das HAWA H 1 Vampyr Segelflugzeug gilt als der Urahn der modernen Segelflugzeuge.

Hannoversche Waggonfabrik AG | 13.06.1918

Erster ziviler Flughafen Hannovers auf dem Werksgelände

Der 1916/17 angelegte Werksflughafen der Hannoverschen Waggonfabrik AG (HAWA) am Tönniesberg war von 1919 bis 1923 der erste zivile Flughafen Hannovers. Ab 1919 wurde der Linienluftverkehr auf der Flugstrecke Berlin - Hannover (Linden) - Gelsenkirchen aufgenommen. Der Flughafen wurde 1930 geschlossen. Heute befindet sich auf dem Gelände der 1957/58 nach Plänen des Architekten Erwin Töllner (1906-1984) errichtete neue "Großmarkt am Tönniesberg". Eingeweiht wurde er 1958.

Neue Produktionseinheit mit Verwaltungsgebäude und Fabrikhallen

Auf einem neu erworbenen Grundstück gegenüber dem Stammwerk entstand 1915/16 nach Entwürfen des Lindener Architekten Alfred Sasse (1870-1937) eine neue Produktionseinheit mit Verwaltungsgebäude und Fabrikhallen.

HAWA-Nachrichten

Die Firma brachte von 1918 bis vermutlich Anfang 1923 eine sporadisch erscheinende Werkszeitung heraus, die "HAWA-Nachrichten". Es gab auch Extraausgaben, wie zum Beispiel die Holz-Sondernummer vom Februar 1921. Verlegt wurde die Zeitschrift im Eigenverlag, der neben der Firmenzeitschrift auch Postkartenserien mit HAWA-Produkten veröffentlichte.

Nach dem Ersten Weltkrieg baute man unter anderem auch Landmaschinen, Traktoren, Dreschmaschinen und eine Getreide-Reinigungsmaschine.

HAWA Hannoversche Waggonfabrik Aktien-Gesellschaft
Zweiachsiges Drehgestell für Kleinbahnen | 06.03.1916

Elektromobil HAWA EM3

Die Hannoversche Waggonfabrik AG produzierte von 1921 bis 1922 den Elektro-Personenwagen HAWA EM3. Ein Exemplar steht heute im Historischen Museum Hannover (HMH). Von 1923 bis 1935 baute man auch kleine Elektro-Lieferwagen.

HAWA-Alexandria | 25-jähriges bestehen des Unternehmens

Bekannt war die Hannoversche Waggonfabrik AG auch für ihren Betriebssport. 1920 spielte HAWA-Alexandria im Endspiel um die Deutsche Rugbymeisterschaft in Hannover gegen den SC Frankfurt 1880 - Ergebnis 0 : 3 für Frankfurt. 1921 spielte man im Endspiel um die Deutsche Rugbymeisterschaft in Frankfurt am Main gegen den FC Heidelberg-Neuenheim - Ergebnis 11 : 3 für Heidelberg-Neuenheim. Somit war HAWA-Alexandria zweimal Vizemeister der Rugby-Union in Deutschland.

Es gab noch weitere Sportaktivitäten bei der Hannoverschen Waggonfabrik AG, man unterstützte durch Sponsoring den Ruderverein Linden von 1911 e.V., den Radfahrer-Verein - HAWA-Victoria von 1906 e.V. und die HAWA-Boxschule.

Das Unternehmen brachte 1924 eine Denkschrift zum 25-jährigen bestehen des Unternehmens heraus. Autor der Denkschrift war Friedrich Wilhelm Dahlmann, gedruckt wurde das Werk von der Hannoverschen Buch- und Steindruckerei Edler & Krische. 1925 wurde die in Hannoversche Waggonfabrik AG dann offiziell in Hannoversche Waggonfabrik AG (HAWA) umbenannt.

HAWA AG - Hannover-Linden | MITROPA Schlafwagen

HAWA AG - Hannover-Linden | Seefische

Wilhelm Bluhm

Der in Linden geborene Widerstandskämpfer Wilhelm Bluhm (1898-1942) war in den 1920/30er-Jahren als Schlosser bei der Hannoverschen Waggonfabrik AG (HAWA) und der HANOMAG AG beschäftigt. Er engagierte sich in der Widerstandsbewegung "Sozialistische Front". 1936 wurde er verhaftet und starb am 25. Juli 1942 im KZ Sachsenhausen, bei Oranienburg.

Grundstücksverkauf und Insolvenz der Hannoverschen Waggonfabrik AG (HAWA)

Um 1926/27 verkaufte die HAWA einen Teil ihres Firmengeländes an die Stadt Hannover. Auf dem Gelände wurde dann durch die Stadt ein neues Wohngebiet errichtet. Laut Bebauungsplans sollte es zwischen der Eisenbahnlinie, der Göttinger Chausee, der Pfarrstraße und der Westseite des Ricklinger Stadtwegs entstehen, und wurde dort dann auch durch den 1885 geründeten Spar- und Bauverein Hannover von 1927 bis 1931 errichtet. Die Architekten der in Backstein errichten Blockbebauungen mit großteils durchgrünten Innenflächen waren Adolf Haro und Friedrich Wilhelm Schick. Die Gebäude sind noch vorhanden.

Die Hannoversche Waggonfabrik AG (HAWA) musste 1931 in Folge der Weltwirtschaftskrise Insolvenz anmelden und wurde am 17. Februar 1932 aufgelöst. Die 1927 gegründete Vereinigte Leichtmetall Werke GmbH (VLW) richtete ab 1934/35 in den ehemaligen Werkshallen eine Leichtmetallgießerei ein. Die 110 m langen Fabrikhallen sind heute noch am Schlorumsweg erhalten. Auch das Logo der Leichtmetallwerke ist noch zusehen. Auf einem Großteil des ehemaligen Flugplatzgeländes der Hannoverschen Waggonfabrik AG (HAWA) befindet sich heute der 1958 eingeweihte "Großmarkt am Tönnisberg".

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Akte: NdS. 122a Hannover Nr. 7013 / Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover:
Industrielle Kriegsgefangenen-Arbeitskomandos zur Meldung an die Alliierten 1919
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahre 1927 | Walter Gerlach Verlag Leipzig | 1927
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover 1954 | Adolf Sponholz Verlag Hannover | 1954
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
1939. Hannovers Weg in den Zweiten Weltkrieg | Wolfgang Steinweg | Verlagsgesellschaft Madsack Hannover | 1989
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Heimatfront Hannover - Kriegsalltag 1914-1918 | Schriften des Historischen Museums Hannover (HMH) | 2014
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert | Walter Buschmann | August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Nicht die Zeit, um auszuruhen. Dokumente und Bilder zur Geschichte der hannoverschen Arbeiterbewegung 1814-1949 | Peter Schulz | Verlag Buchdruckwerkstätten Hannover GmbH | 1990
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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