Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Zirkusunternehmen

Circus Birkeneder | Geschwister Birkeneder

Der Schausteller- und Zirkusunternehmer Carl Birkeneder aus Bad Cannstatt, bei Stuttgart in Baden-Württemberg gegründet den Circus Birkeneder. Später übernahmen seine vier Kinder, die "Geschwister Birkeneder" das Zirkusunternehmen und führten es als "Zirkus Geschwister Birkeneder" weiter. Die Geschwister traten zusammen als Seil- und Trapezkünstler-Truppe auf. Die Artistentruppe bestand aus Carl Birkeneder jr. und Frida (Fridl) Birkeneder. Schon im Alter von fünf Jahren traten sie im Zirkusunternehmen ihres Vaters auf. Später, kamen noch zwei weitere Brüdern hinzu.

Geschwister Birkeneder

Carl Birkeneder jr. und Frida (Fridl) Birkeneder waren 1917 in Passau/Bayern zu gast und 1923 im berühmten "Wintergarten Varieté" in Berlin zu sehen. Auch 1927 traten sie, allerdings diesmal zu viert, mit ihren beiden Brüdern im "Wintergarten Varieté" auf. In den 1930er-Jahren galten die Geschwister Birkeneder als Artisten ersten Ranges in Europa.

Geschwister Birkeneder | 07.04.1913

 

Familie Birkeneder, Salon-Athleten | 24.04.1902

 

Carl Birkeneder jr.

Der Schauspieler, Zirkus- und Varieté-Künstler, Kunstreiter, Lassowerfer, Greifvogel-Dompteur sowie Autor und Titelheld der Romanreihe "Billy Jenkins", Erich Rudolf Otto Rosenthal (1885-1954), trat als "Billy Jenkins" während der Saison 1925/26 im Zirkus Birkeneder auf. Das Zirkusunternehmen gastierte 1926 in Darmstadt/Hessen und in Mainz/Rheinland-Pfalz.

Seil- und TrapezKünstlerin Frieda Birkeneder | 17.06.1911

Die Trapezkünstler Birkeneder traten 1931 in Lissabon/Portugal auf. Bei dem Gastspiel im Coliseu dos Recreios in Lissabon ereignete sich am dritten Gastspieltag ein schwerer Unfall. Frida Birkeneder verlor auf dem Hochseil eine Pedale ihres Hochseilfahrrades und fiel vom Seil. Dabei schlug sie während sie fiel auf ein Halteseil auf und verletzte sich so schwer, dass sie aus dem Coliseu dos Recreios getragen werden musste.

Friedel Birkeneder

Kurz darauf kehrte sie allerdings wieder zurück und bestand darauf sofort wieder auf das Seil zu gehen, was ihr auch gelang. Daraufhin ablaudierte das Publikum mit stehenden Ovationen. Zuvor war auch schon ihr Bruder Carl Birkeneder am ersten Gastspieltag vom Hochseil gefallen, verletzte sich aber nicht, und konnte ohne Probleme weiter auftreten.

                     

             Fridl und Carl Birkeneder                        Geschwister Birkeneder,                       Geschwister Birkeneder
                                                             Universal-Turmseilkünstler | 05.07.1917

Circus Henry, I. ungarischer Circus

Der Circus Henry wurde vom Pferdetrainer und Dressurreiter Heinrich Gotthelf Koschke (1862-1935) gegründet. Er wurde 1862 in Berlin geboren und heiratet 1885 Hermine Koschke, geb. Schauter, die als Dressurreiterin "Pernitza", auftrat. Das Ehepaar Koschke hatte drei Töchter, Henriette Koschke, Melanie Koschke und Ida Welena Hortense Koschke. Beide wurden Reiterinnen und traten mit ihren Eltern auf.

Mit 20 Jahren trat Heinrich Gotthelf Koschke in die Kunstreitertruppe von Anton Klieber ein. Dort arbeitete er mit Pferden und erlernte das Voltigieren. Er trat auch selbst mit Dressuren in einigen Zirkusen (Herzog, Conrady, Lorch und Circus Busch) auf. Zusammen mit seiner Ehefrau Hermine Koschke gründete er 1888 in Österreich den "Circus Henry, I. ungarischer Circus" und nannte sich nun "Direktor Henry". Der Zirkus hatte sein ständiges Winterquartier in Wels/Österreich und tourte zunächst durch Österreich und Ungarn, bis er 1901 zum ersten Mal mit 120 Pferden und weiteren Tieren in Deutschland auf Tournee ging. Das Zirkusunternehmen beschäftigte 200 Mitarbeiter, hatte 300 Tiere und im Zirkuszelt fanden, 3600 Besucher platz.

                           

      Mlle. Hortense, Circus Henry | 05.1908  Mlle. Henriette, Circus Henry | 05.07.1918

Durch einen Wirbelsturm wurde 1901 das Zirkuszelt während eines Gastspiels in Linz/Österreich zerstört. Menschen kamen dabei nicht, zu schaden. Vom 17. März bis 1. April 1908 war der Zirkus wieder in Linz. Diesmal wurden die Vorstellungen aber in der großen Festhalle am Südbahnhof gegeben. 1908 gastierte man in Ingolstadt/Bayern und 1912 in Hof/Bayern.

Als Henriette Koschke den italienischen Zirkusreiter Luigi Talotta heiratete, schenkte ihr Vater dem Paar ein Zirkuszelt. Das Ehepaar bekam 1910 einen Sohn namens Enrico Talotta (1910-?). Auch er wurde später ein bekannter Zirkusartist.

Der Circus Henry wurde 1914 zum Teil aufgelöst und verkauft, angeblich übernahm der Zirkus Sarrasani einen Großteil des Zirkus. 1915 wurde das restliche Inventar in den Linzer Zeitungen zum Kauf angeboten. Der ehemalige Zirkusdirektor setzte sich danach als Kerzen- und Seifenfabrikant in Wels zu ruhe. Heinrich Gotthelf Koschke starb im Mai 1935 in Graz/Österreich.

Ida Welena Hortense Koschke heiratete am 8. März 1914 den Baron Heinrich Louis Carl Wilhelm Pantzer (1872-1955), genannt Willy. Das Ehepaar hatte einen Sohn, Alfred Harry William Pantzer (1916-1998), der als Akrobat und Pianist unter dem Namen Freddie Harrison bekannt wurde. Das Paar ließ sich 1937 scheiden. Wann und wo die Töchter Koschke starben ist unbekannt.

Heinrich Louis Carl Wilhelm Pantzer (1872-1955)

Der Baron Heinrich Louis Carl Wilhelm Pantzer, genannt Willy wurde am 8. August 1872 in Dortmund/Nordrhein-Westfalen geboren. Sein Vater war Niederländer und seine Mutter war Engländerin. Baron Pantzer nahm 1895 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Baron Ernst Edward Carl Wilhelm Pantzer (1878-1916) die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Die beiden Brüder arbeiteten in den USA unter dem Namen "The Pantzer Brothers" als Akrobaten. 1903 waren sie im Wintergarten Varieté in Berlin neben dem Entfesselungs- und Zauberkünstler Harry Houdini (1874-1926) zu sehen. Nachdem sein Bruder 1916 starb, wurde Baron Pantzer einige Zeit später Liliputaner-Impresario (Manager) und Berufsmusiker. Er trat als "Willy Pantzer und seine Zwerge" sehr erfolgreich in Großbritannien und den USA auf. Willy Pantzer starb 1955.

The world renowned Willy Pantzer and his wonderful midgets

The world renowned Willy Pantzer and his wonderful midgets

Circus Adolf Strassburger/Straßburger | Grand Zirkus Strassburg

Das Zirkusunternehmen Strassburg/Strassburger wurde vor 1905 von dem jüdischen Elsässer Adolph Abraham Strassburger (1874-1945) gegründet. Er war in erster Ehe mit Wilhelmina Strassburger, geb. Kossmayer (Kohsmeier) verheiratet. Das Paar hatte vier Kinder, unter anderem zwei Söhne, Leopold Karl Strassburger (1899-1953), genannt Karel, Hans Strassburger, er wurde später ein bekannter Pferdetrainer und Dressurreiter und Marie Strassburger, genannt Mariechen. Adolph Abraham Strassburgers Vater war Salomon Strassburger (1839-1910), verheiratet mit Amalie Klara Strassburger (1833-?), geb. Koch. Ständige Adresse des Zirkus war Celle im heutigen Niedersachsen. Um 1923 heiratete Adolph Abraham Strassburger in zweiter Ehe Irma Strassburger, geb. Neumann. Das Paar bekam einen Sohn, Henry Strassburger (1923-2001), der Zirkusclown wurde.

Zur Familie gehörte auch Adolph Abraham Strassburgers Bruder Leopold Strassburger (1878-1957) und dessen Ehefrau Juliane Strassburger, geb. Kossmayer (nicht verwandt mit Wilhelmina Kossmayer/Kohsmeier). Sowie ihre drei Töchter Amanda Strassburger, Regina Strassburger (1906-1964), und die spätere Zirkusdirektorin Wilhelmine Sophia Eleonora Strassburger (1910-1988), genannt Elly. Alle drei Kinder traten später mit verschiedenen Zirkusnummern im Familienzirkus auf.

                     

  Gruss aus dem Grand Zirus Strassburg                   Anna Strassburger
   Geschwister Strassburg | 18.04.1907

Vom 12. bis 18. Juli 1910 war der Zirkus in Linz/Österreich zu gast. Von den 19 Zirkusnummern waren 14 Dressur- und Reitnummern. Daneben gab es auch Elefanten-, Löwen- und Seelöwendressuren zu sehen. Auch der Keulen-Jongleurakt der "sieben Jefs Girls" und die Luftakrobatik der "Wolferts" wurden dargeboten. Und es gab die "Strassburger Liliputaner-Truppe" oder auch "Wunder-Liliputaner" genannt, zu sehen. Deren Mitglieder waren unter anderem Miss Anna, Prinzess Colibri, Mister Felix, Monsieur Petit Hermann und Conrad Krüger. Der Zirkus gastierte dann noch einweiteres Mal vom 15. bis 19. Juni 1912 in Linz, und am 6. und 7. Juli 1912 war man auf dem Volksfestplatz in Braunau am Inn/Österreich zu Gast.

 

 

Zirkusdirektor Adolph Abraham Strassburger verkaufte 1916 sein Zirkusunternehmen an den Zoologen und späteren Zirkusdirektor Lorenz Hagenbeck (1882-1956), der ihn als "Circus Carl Hagenbeck" erfolgreich weiterführte.

Nach dem Ersten Weltkrieg gründen die Brüder Strassburger 1917 ein neues Zirkusunternehmen und bereisen mit dem neuen "Circus Strassburger" Skandinavien, Frankreich, Belgien und die Niederlande. Der Zirkus hatte unter anderem über hundert Pferde, darunter zwölf schwarze Friesian Hengste zu bieten, die von Leopold Karl (Karel) Strassburger dressiert wurden. Man gastierte im April 1930 unter anderem in Braunsfeld, im früheren Ostpreußen, heute Braniewo in Polen.

Da die jüdischen Brüder ab 1933 von den Nationalsozialisten angefeindet wurden, gaben sie die Zirkusleitung, nachdem 1936 ein Reiseverbot für den Zirkus verhängt wurde, an die beiden nicht jüdischen Söhne Hans und Leopold Karl (Karel) ab.

Das Unternehmen nannte sich nun "Strassburger-Frères" und zog nach Belgien und 1940 in die Niederlande nach Hilversum. Dort wurde eine ehemalige Reitschule zum Winterquartier umgebaut. Nun hieß der Zirkus "Mikkenie-Strassburger", nach dem Artisten-Manager Frans Mikkenie (1903-1954), der von 1939 bis 1947/48 offiziell die Leitung des Zirkus übernahm.

A. Strassburger`s Liliputaner-Truppe
Ständ. Adresse, Celle b. Hannover

Frans Mikkenie trennte sich 1948 vom Zirkus Strassburger und gründete seinen eigenen Zirkus (Circus Mikkenie) in den Niederlanden. Leopold Karl (Karel) Strassburger starb 1953. Im Juli 1954 gastierte der Zirkus Strassburger in Mannheim und im August in Karlsruhe, beides in Baden-Württemberg. Der Zirkus bereiste noch bis in die 1960er-Jahre hinein Europa.

                        

            Salvano Family, trick Cyclists
                    Zirkus Strassburger

Circus Barum - Löwenjagd in Leipzig 1913

Am 19. Oktober 1913, einen Tag nach der spektakulären Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig/Sachsen, sind bei einem Gastspiel acht Löwen des Circus Barum aus ihrem Wagen, mit dem sie durch die Stadt gefahren wurden, entkommen.

Der Zirkus hatte seine Zelte an den Frankfurter Wiesen im Westen Leipzigs aufgeschlagen. Nach der Abendvorstellung des 19. Oktober 1913 wurden die Tiere (Löwen und Bären) per Pferdewagen zur Verladung zum Preußischen Freiladebahnhof gebracht. Die Pferde des hinteren Wagens mit den Bären wurden unruhig und durchstießen mit der Wagendeichsel die Rückwand des Löwenwagens, worauf acht der zehn Löwen ins Freie entkamen. Da es neblig war, stieß noch eine elektrische Straßenbahn mit dem Löwentransport zusammen. Nur zwei der acht Löwen wurden wieder eingefangen, sechs wurden von Polizisten der 8. Polizeiwache erschossen. Innerhalb von vier Stunden hatte der Zirkus sechs Löwen (Wert 30.000 Reichsmark (RM)) verloren.

Moderne Löwenjagd in Leipzig am 19. Oct. 1913 | 28.12.1913

Löwenjagd in Leipzig

Ein Leipziger Gericht verurteilte den Tierlehrer und Zirkusdirektor Arthur Kreiser-Barum (?-1953) zu wahlweise zehn Tagen Gefängnis oder einer Geldstrafe von 100 Reichsmark (RM) - wegen "Unterlassung erforderlicher Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Beschädigungen bei der Haltung bösartiger oder wilder Tiere". Auch einer der Pferdewagen-Kutscher wurde zu fünf Tagen Haft oder 25 Reichsmark (RM) Geldstrafe verurteilt.

weitere Zirkusunternehmen

Gruß aus dem Zirkus | 23.04.1907

Gruss aus Zirkus Germania | 27.02.1912

Gruss aus Circus Lejsek | 25.10.1907

Indier-Truppe des Circus Charles | 28.05.1914

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann sich gerne beteiligen.
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Circus Historical Society, Inc (CHS) - www.circushistory.org
Circus Nights and Circus Days. | August Heinrich Kober | Verlag: Sampson Low Marston & Co. London | 1930

Das Programm - Das Organ der Internationalen Artisten-Loge, des Fach- und Berufsverbandes der Spezialitäten-Künstler vom Varieté, Zirkus und Kabarett | Artistisches Fachblatt G.m.b.H. | No. 1298 - 02/1927
Fünf Jahrzehnte Linzer Circusgeschichte 1900-1950 | Otto Chrisl | Linz/Österreich | 1959
Werbebroschüre des Circus Adolf Strassburger vom Gastspiel in Braunau am Inn in Österreich | 07/1912
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
Zirkus Circus Cirque | Jörg Merkert | Nationalgalerie Berlin | 28. Berliner Festwochen 1978