Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Zoologischer Garten Hannover
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Zoologischer Garten Hannover | Zirkus in Hannover

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Archiv - Zoologischer Garten Hannover

Der Zoologische Garten Hannover wurde am 4. Mai 1865 aus privaten Mitteln gegründet und ist der fünftälteste Zoologische Garten Deutschlands. Er umfasst derzeit eine Fläche von 22 Hektar und beherbergt etwa 1705 Tiere in 252 Arten. Ein Kreis von Naturfreunden, der bereits das Naturhistorische Museum gegründet hatte, gab den Impuls für den Zoo Hannover.

Angeregt durch einen Zoobesuch in Frankfurt am Main/Hessen regte der Senator und Parlamentarier Hermann Schläger (1820-1889) auf einem Vortrag am 15. November 1860 vor der Naturhistorischen Gesellschaft die Gründung des Zoologischen Gartens Hannover an. Unterstützt wurde er dabei von Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868), der selbst am Ufer der Ihme, in Linden einen kleinen Vogelzoo unterhielt. Der Zoo-Assistent Adolf Schütte, aus Köln/Nordrhein-Westfalen, wurde zum ersten Zoodirektor ernannt. Hermann Schläger wurde später Mitglied des Verwaltungsrats und ab 1882 dessen Vorsitzender.

Da hohe Kosten für die Haltung der Tiere kalkuliert wurden, wurde 1863 eine Aktiengesellschaft (AG) gegründet. Laufende Kosten sollten durch Jahresabonnements und Einnahmen an den Tageskassen gedeckt werden. Im Zentrum der Zooanlage befand sich eine Felsenanlage mit Greifvogel-Voliere, Aquarium und Grotten für Raubtiere. Die Teilbereiche waren durch eine begehbare Brücke verbunden. Architekt war Wilhelm Lüer (1834-1870), der auch das Egestorffsche Aquarium entwarf.

See- und Süßwasser-Aquarium Egestorff

Der Kunstgärtner Johann Georg Heinrich Egestorff (1835 bis nach 1882), ein Cousin Georg Egestorffs eröffnete 1867 in der Hinüberstraße 16, in Hannover-Mitte, das erste eigenständig betriebene See- und Süßwasser-Aquarium Deutschlands, es war zugleich das größte Aquarium Europas. Es hatte täglich geöffnet, abends mit Gasbeleuchtung. Der Architekt Wilhelm Lüer hatte für das Aquarium erstmals den Grottenstil einsetzte. Am Austernbassin konnten 1877 auch Austern gekauft werden. Nachdem der Aquariumgründer nach 1882 in Russland als verschollen galt, musste das Aquarium wegen Insolvenz geschlossen werden.

In den Anfangsjahren mussten die Zoogründer mit vielen Schwierigkeiten kämpfen. Ihr Anspruch war hoch, doch konnte man auf keine praktischen Erfahrungen der Wildtierhaltung zurückgreifen. Die Folge waren hohe Verluste. Trotzdem wurde der Garten zu einem beliebten Treffpunkt der Hannoveraner, auch wenn die angestrebte Bedeutung der Einrichtung als naturkundliche Bildungseinrichtung in den Hintergrund trat. Bereits im ersten Jahr zählte man 92.000 Besucher.

Gruss vom Zoologischen Garten Hannover | 06.03.1897

 

Gruss aus dem Zoolog.-Garten Hannover | 14.08.1906

Anfang 1867 kommt ein Kamelhaus hinzu, 1868 ein großes Raubtierhaus. Ein neues Haus für Antilopen, Kamele und Giraffen wird 1890/91 im orientalischen Stil gebaut. Wechselnde Tierschauen ziehen das Publikum an, oftmals werden Tiere aus einem neu angekommenen Tiertransport für den Zoo von Carl Hagenbeck (1844-1913) in Hamburg, im Zoo Hannover ausgestellt.

Die Sensation der Zeit sind "Völkerschauen", in denen Menschen aus fremden Ländern zusammen mit ihren Tieren und Gerätschaften des täglichen Lebens dargestellt werden. Dabei verbanden sich Neugier mit kolonialen Überlegenheitsgefühlen. Die letzte "Völkerschau" im Zoo Hannover fand am 21. August 1931 statt. Es wurden Neukaledonier zur Schau gestellt.

Um die Jahrhundertwende wird die Tiergartenbiologie von Carl Hagenbeck geprägt. 1911 wird seine Idee, Tiere in gitterlosen Freianlagen zu zeigen, in Hannover mit einer Affeninsel im Schwimmteich verwirklicht. Rhesus- und Javaneräffchen werden täglich von einem Pfleger gefüttert, der mit einem Boot zur Insel rudert. Die Insel wird zum Hauptanziehungspunkt des Zoos.

Gruss aus dem Zoologischen Garten in Hannover | 19.06.1898

Gruss aus dem Zoolog.- Garten in Hannover | 01.08.1900

Den Ersten Weltkrieg überleben nur wenige Zootiere. Die Besucherzahlen sinken, die Futterkosten steigen - oft gibt es das benötigte Futter gar nicht. Von den 34 Affen, die der Zoo 1913 hielt, überlebte bis 1919 nur ein Einziger, von 102 Huftieren nur 63. 1920 können die Tierhäuser nicht mehr beheizt werden - es gibt kein Brennmaterial – viele der Käfige bleiben leer, das Affenhaus wird ganz geschlossen. Die Zoogesellschaft geriet in finanzielle Not – obwohl die Stadtverwaltung seit 1905 jährlich einen Zuschuss zahlte. Durch immer steigende Zuschüsse sicherte die Stadt den Betrieb, bis sie den zoologischen Garten 1920 schließlich übernahm. Es fehlte jedoch das Geld für die Sanierung der Tierhäuser. Als der Zoo finanziell nicht mehr tragbar war, wurde er am 1. Oktober 1922 geschlossen, sämtliche Tiere wurden verkauft und im Februar 1923 stand der Zoo leer.

Zoologischer Garten - Elefant Kaspar | 30.09.1918

Zoologischer Garten der Stadt Hannover - Flußpferd
16.09.1927

Durch öffentlichen Druck und privates Engagement, eine Bürgerinitiative zur Rettung des Zoos gründet sich, wurde der Zoo im Herbst 1924 von der Stadt Hannover und der 1860 gegründeten Tierhandelsfirma Ludwig Ruhe aus Alfeld a. d. Leine, in Niedersachsen mit einer Löwenschlucht, einem Raubtierhaus und einem Affenfelsen wieder eröffnet. Die Tierhandelsfirma pachtete 1932 dann den Zoo komplett. Auf der Löwenfreianlage lebten bis zu 30 junge Bären. Oft waren die Tiere nur wenige Wochen im Zoo, bis sie weiter verkauft wurden. Vom 12. bis 17. April 1939 war ein Pandabär aus dem Zoologischengarten Berlin im Zoo Hannover zusehen. Eigentlich sollten vier Pandabären gezeigt werden. Dazu kam es aber nicht und so wurde nur ein Bär präsentiert. Danach reiste der Panda weiter nach München in Bayern und nach Paris in Frankreich.

Zoologischer Garten der Stadt Hannover - Löwenburg
21.07.1933

Hannover-Zoo - Kragenbären | 09.06.1941

Nachdem der Zoo Hannover im Zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört worden war, wurde er bis 1946 provisorisch aus den Mitteln der Tierhandelsfirma Ludwig Ruhe wieder betriebsbereit hergerichtet. Bis zum Neubeginn in den 1950er-Jahren gab es nur wenige Tiere zu sehen. In den folgenden Jahren wurden Häuser für Nashörner, Elefanten, Giraffen, Antilopen und eine Robben- und Pinguinanlage gebaut. Seit Ende der 1950er-Jahre entstand mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt ein Freiflächenzoo. Auch der Tierhandel florierte wieder und Hannover wird zum Zentrum der Elefantenzucht in Europa. 1972 ging der Zoo wieder in den Besitz der Stadt über, der Tierbestand wurde angekauft und blieb so dem Zoopublikum erhalten.

 

Zoo-Hannover - Eisbären | 25.05.1942

Zoo-Hannover, Zebras | 23.07.1953

Anfang der 1990er-Jahre steckte das Zoounternehmen in einer Krise. Die Besucherzahlen gingen stark zurück, der öffentliche Betriebskostenzuschuss wurde gekürzt. Daraufhin beschloss man einen kompletten Neuanfang. Das städtische Amt Zoo wurde 1994 in eine GmbH ungewandelt und symbolisch für eine DM an den Kommunalverband Großraum Hannover veräußert. 1995 beleuchtete ein Planungsteam Stärken und Schwächen des Zoos. Ergebnis: Der Zoo Hannover musste sich dem Wettbewerb mit einem neuen Konzept stellen. Zoofachleute, Architekten und Freizeitforscher entwickelten das Konzept "Zoo 2000", mit dem sich der Zoo Hannover erfolgreich am Ideenwettbewerb zur "Weltausstellung Expo 2000" in Hannover beteiligte.

 

Zoo Hannover | 11.10.1971

ZooHannover | 28.08.1983

Der Zoo Hannover wurde 1996 als "Projekt Expo 2000" offiziell anerkannt. Das Motto des neuen Zoos lautet: "Nur was Menschen kennen, werden sie lieben. Nur was Menschen lieben, werden sie schützen." Unter die bekannte Tierpräsentation in konventionellen Gehegen wurde weitgehend ein Schlussstrich gezogen. Die natürlichen Lebensräume der Tiere wurden vielmehr in Szenarien detailgetreu nachgebildet. Für 107 Mio. DM (54,7 Mio. Euro) wurden vier als europaweit einzigartig geltende Erlebniswelten geschaffen: die Afrikalandschaft Sambesi, der Gorillaberg, der indische Dschungelpalast und Meyers Hof. Die Distanzen zwischen Mensch und Tier sind auf ein Mindestmaß reduziert, erforderliche Sicherheitsbarrieren in die Landschaft eingebaut. Seit 2000 besuchen jährlich eine Million Besucher den Zoo Hannover, 2005 zur Adventszeit öffnete zum ersten Mal der Winterzoo, 2007 wurde das Kinderland Mullewapp eröffnet und 2010 die sechste Erlebniswelt - das kanadische Yukon Bay. 2014 wurden die Werkswohnungen auf dem Zoogelände wegen Baufälligkeit abgerissen, auf dem Gelände soll nun ein neues Verwaltungsgebäude entstehen. Am 4. Mai 2015 feierte der Zoo Hannover sein 150-Jähriges Bestehen.

Zirkus in Hannover

Im September 1784 waren die Zirkusleute Brunn und Meyer mit einem lebendigen Zebra, einem asiatischen Löwen und einem Tiger in Hannover, auf dem Neustädter Marktplatz zu sehen. Auch die Wandermenagerie des Holländers Anthonys van Aken (1753–1826) war regelmäßig in Hannover zu Gast, wo er seine Attraktionen entlang der Georgstraße präsentierte. Weitere Zirkusstandorte waren die Goseriede an der Nikolaikirche (Steintor) und später auch der Schützenplatz. Akrobaten, Jongleure, Schlangenmenschen, Seiltänzer und Zauberer zeigten ihre Darbietungen im Ballhof, in der Hannover-Altstadt.

Anthonys van Akens vier Söhne, Anton van Aken (1784-1868), Cornelius van Aken, Hermann van Aken (1797-1834) und Wilhelm van Aken (?-1858), sowie seine Tochter Cornelia Wilhelmine Gertrude van Aken stiegen ins Geschäft ein. Sie zeigten mit zum Teil konkurrierenden eigenen Unternehmen ab 1815 im deutschsprachigen Raum und später auch europaweit ihre exotischen Tiere. Herrmann van Aken gastierte im November 1830 mit mehreren Raubkatzen in Hannover.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
1939. Hannovers Weg in den Zweiten Weltkrieg | Wolfgang Steinweg | Verlagsgesellschaft Madsack Hannover | 1989
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
Zoo Hannover GmbH - www.zoo-hannover.de